Symbolbild - Hinweisschild mit Aufschrift Sell in May and go away

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Fonds-News KW 19 | 05.05.2026

„Sell in May and go away“ – Börsenweisheit oder überholter Mythos?

Mit dem Frühling kehrt nicht nur wärmeres Wetter ein, sondern auch eine der bekanntesten Börsenweisheiten rückt wieder verstärkt in den Fokus der Kapitalmärkte: „Sell in May and go away“. Gemeint ist damit die Empfehlung, Aktien im Mai zu verkaufen, dem Markt während der Sommermonate fernzubleiben und erst im Herbst – traditionell im September oder Oktober – wieder einzusteigen.

Doch wie viel Wahrheit steckt tatsächlich hinter diesem Spruch? Ist er ein sinnvoller Anhaltspunkt für Anlageentscheidungen oder eher ein historisches Relikt ohne Relevanz für moderne Kapitalmärkte?

Ursprung einer Börsenlegende

Der Spruch „Sell in May and go away, but remember to come back in September“ stammt ursprünglich aus England. Bereits im 19. Jahrhundert beobachteten Marktteilnehmer:innen, dass die Sommermonate tendenziell schwächere Börsenentwicklungen aufwiesen. Traditionell verließen viele Händler:innen während der Sommerzeit die Finanzzentren, das Handelsvolumen sank, und die Märkte bewegten sich oft seitwärts oder volatil.

Aus dieser Beobachtung entwickelte sich eine saisonale Anlagestrategie: Investiert sein während der „Wintermonate“ (November bis April) und zurückhaltend während der „Sommermonate“ (Mai bis Oktober).

Was sagen historische Daten?

Zahlreiche Studien haben sich mit der Frage beschäftigt, ob es tatsächlich einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Börsenrenditen in den Sommer- und Wintermonaten gibt. Tatsächlich zeigt sich in vielen Märkten – insbesondere in den USA und Europa – ein langfristiges Muster:

Die durchschnittlichen Renditen von November bis April waren historisch höher als jene von Mai bis Oktober. In einigen Regionen entfiel ein Großteil der langfristigen Aktienmarktrendite auf das Winterhalbjahr. Diese Beobachtung ist unter dem Begriff „Halloween-Effekt“ bekannt. Wichtig ist jedoch: Es handelt sich um Durchschnittswerte über sehr lange Zeiträume. Einzelne Jahre können – und tun dies regelmäßig – deutlich davon abweichen. Beispielsweise waren starke Sommermonate keineswegs selten, gerade in Phasen expansiver Geldpolitik, nach Marktkorrekturen oder in technologiegetriebenen Aufschwüngen.

Warum funktioniert „Sell in May“ nicht immer?

Auch wenn statistische Muster existieren, ist ihre praktische Umsetzung mit Herausforderungen verbunden:

1. Markttiming ist schwierig

Um von „Sell in May“ zu profitieren, müsste man zweimal richtig liegen: beim Ausstieg im Frühjahr und beim Wiedereinstieg im Herbst. Studien zeigen, dass selbst professionelle Investor:innen langfristig Schwierigkeiten haben, solche Zeitpunkte konstant korrekt zu treffen.

2. Verpasste Markttage haben hohe Kosten

Ein erheblicher Teil der langfristigen Börsenrendite entsteht an wenigen, sehr starken Handelstagen. Wer in diesen Phasen nicht investiert ist, kann einen Großteil des Potenzials verpassen – unabhängig davon, ob dies im Sommer oder Winter geschieht.

3. Steuern und Transaktionskosten

Häufiges Umschichten kann zu zusätzlichen Kosten führen: Spesen, Geld-Brief-Spannen und – je nach individueller Situation – steuerliche Effekte können die theoretischen Vorteile schnell aufzehren.

4. Strukturelle Veränderungen der Märkte

Moderne Kapitalmärkte sind global, hochliquide und technologisch stark vernetzt. Algorithmischer Handel, ETFs und der permanente Informationsfluss haben saisonale Effekte teilweise abgeschwächt oder unberechenbarer gemacht.

Wie können Anleger:innen sinnvoll mit der Börsenweisheit umgehen?

Statt „Sell in May“ als starre Handlungsanweisung zu verstehen, kann sie als Denkanstoß dienen:

✔️ Überprüfung der Portfolioallokation

Der Mai ist ein guter Zeitpunkt, um das bestehende Portfolio zu analysieren:
Entspricht die Aktienquote noch dem persönlichen Risikoprofil?
Haben sich einzelne Positionen überproportional entwickelt?
Ist das Portfolio ausreichend diversifiziert?

✔️ Rebalancing statt Ausstieg

Anstatt den Markt komplett zu verlassen, kann ein Rebalancing sinnvoll sein – also das Zurückführen der Portfolioanteile auf die Zielstruktur.

✔️ Absicherungs- und Diversifikationsstrategien

Je nach Marktumfeld können defensive Elemente wie Qualitätsaktien, Anleihen, Liquidität oder alternative Investments stabilisierend wirken.

✔️ Langfristige Perspektive bewahren

Für langfristige Anleger:innen zählt weniger die saisonale Schwankung eines Jahres als die konsequente Umsetzung einer klaren Anlagestrategie über Marktzyklen hinweg.

Börsenregel mit Charme – aber ohne Garantie

„Sell in May and go away“ ist eine der bekanntesten Börsenweisheiten – und sie basiert durchaus auf historischen Beobachtungen – dennoch gilt: Vergangene Muster sind keine verlässliche Prognose für die Zukunft.

Für langfristige Investor:innen ist es ratsam, sich nicht auf saisonale Trends, einzelne Länder oder Aktien zu fokussieren, sondern auf ein breit gestreutes Portfolio zu achten, das von unterschiedlichsten konjunkturellen Phasen und Marktentwicklungen profitieren kann. Für etwas risikoaversere Kund:innen ist auch die Beimischung von Anleihen ratsam. Auch hier sollte im Idealfall auf eine globale Strategie gesetzt werden. Um den Risikofaktor Timing zu entschärfen, also den richtigen Zeitpunkt für den Kauf auszusuchen, kann ein monatlicher Investmentplan angelegt werden. Das Invest Plus könnte dabei genau das Richtige sein. Lassen Sie sich von unseren Betreuer:innen sehr gerne dazu beraten.

FI

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