Symbolbild - Mann steht vor einer Weggabelung, rechts Gewitter, links Schönwetter

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Fonds-News KW 21 | 19.05.2026

Zeit der Gegensätze – ein Faktencheck

Märkte im Spannungsfeld zwischen Risiko und Stärke

Die Kapitalmärkte bewegen sich aktuell in einem Spannungsfeld, das auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt: Auf der einen Seite stehen geopolitische Konflikte, fragile Lieferketten, steigende Zinsen und strukturelle Schwächen – auf der anderen Seite robuste Unternehmensgewinne, stabile Arbeitsmärkte und neue Höchststände an den Börsen. Gerade diese Gleichzeitigkeit macht die Einordnung schwierig – und zugleich spannend.

Nahost-Konflikt: Entspannung ja, Entwarnung nein

Der Konflikt im Nahen Osten ist dafür ein gutes Beispiel. Noch vor wenigen Wochen bestimmten militärische Eskalationsszenarien und die Blockade der Straße von Hormus die Schlagzeilen. Diese Meerenge ist für rund ein Fünftel des globalen Öltransports essenziell, entsprechend unmittelbar waren die Reaktionen: steigende Energiepreise, erhöhte Inflationserwartungen und eine spürbare Verunsicherung vor allem in Europa. Inzwischen mehren sich Anzeichen für eine vorsichtige Entspannung, Gespräche laufen, die Tonlage wird moderater. Der Ölpreis hat darauf bereits reagiert und ist von seinen Höchstständen zurückgekommen.

Doch wer glaubt, damit sei das Thema erledigt, verkennt die Dynamik. Die geopolitische Lage bleibt fragil, und selbst kleine Veränderungen können große Marktbewegungen auslösen. Gleichzeitig ist bereits das nächste Konfliktfeld eröffnet – die Handelspolitik der USA, insbesondere gegenüber Europa und China. Zölle werden angekündigt, zurückgenommen, neu bewertet. Für Unternehmen entsteht daraus keine strukturelle Krise, wohl aber ein Planungsproblem. Und genau diese Unsicherheit ist es, die das aktuelle Marktumfeld prägt.

Starke Gewinne überdecken politische Risiken

Trotz dieser Unsicherheiten – oder vielleicht gerade deswegen – zeigen sich die Kapitalmärkte erstaunlich widerstandsfähig. Ein wesentlicher Grund liegt in der Entwicklung der Unternehmensgewinne. Besonders in den USA überrascht die Berichtssaison positiv: Ein Großteil der Unternehmen übertrifft die Erwartungen deutlich, das Gewinnwachstum liegt signifikant über den Prognosen. Diese fundamentale Stärke wirkt wie ein Gegengewicht zu den politischen Risiken und gibt den Märkten Halt. Zusätzlich sorgt die anhaltend hohe Nachfrage nach künstlicher Intelligenz für einen strukturellen Wachstumsschub, der weit über einen klassischen Konjunkturzyklus hinausgeht. Die Investitionen in KI-Infrastruktur, Rechenleistung und Anwendungen bleiben auf hohem Niveau, während die Nachfrage das Angebot in vielen Bereichen weiterhin übersteigt.

Die „Wall of Worry“ (Wand der Sorgen) treibt die Rally

Hier kommt ein Börsenprinzip ins Spiel, das gerade jetzt wieder besonders relevant ist: die sogenannte „Wall of Worry“. Märkte steigen selten in Phasen der Euphorie, sondern vielmehr dann, wenn Skepsis überwiegt. Solange Anleger:innen unsicher sind, halten sie Liquidität zurück. Diese Zurückhaltung bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Es gibt noch genügend Kapital, das bei jeder Entspannung Schritt für Schritt in den Markt fließen kann. Nicht die perfekte Nachricht treibt die Kurse, sondern das Ausbleiben der negativen Überraschung.

Dieses Muster zeigt sich aktuell deutlich. Viele Investor:innen sind nach wie vor vorsichtig positioniert. Geopolitische Risiken, unklare Zinsentwicklungen und Zweifel an einzelnen strukturellen Trends – etwa rund um künstliche Intelligenz – sorgen dafür, dass Kapital an der Seitenlinie bleibt. Und genau dieses „aufgestaute“ Potenzial kann in den kommenden Monaten eine treibende Kraft bleiben.

USA: Stärke als Chance – und als Problem

Gleichzeitig lohnt sich ein differenzierter Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung. Die USA präsentieren sich weiterhin, wie beschrieben, in erstaunlich robuster Verfassung. Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich, neue Jobs entstehen, und die Wirtschaft wächst trotz restriktiver Rahmenbedingungen. Diese Stärke hat jedoch eine Kehrseite: Die Inflation bleibt hartnäckiger als erhofft, nicht zuletzt durch gestiegene Energiepreise. Für die Geldpolitik bedeutet das eine schwierige Gratwanderung. Zinssenkungen werden unwahrscheinlicher, während gleichzeitig steigende Renditen zeigen, dass Investor:innen wieder höhere Risikoprämien verlangen. Keine leichte Aufgabe für den neuen amerikanischen Notenbankpräsidenten Kevin Warsh, der gerade das Ruder von Jerome Powell übernommen hat und nun zwischen Inflationsdruck und Wachstumserwartungen navigieren muss.

Deutschland: Stabilisierung mit strukturellen Fragezeichen

In Europa, und insbesondere in Deutschland, ist das Bild komplexer. Die jüngsten Konjunkturdaten zeigen durchaus positive Ansätze: Auftragseingänge in der Industrie erholen sich, die Wirtschaft wächst wieder leicht, und der Arbeitsmarkt verliert zwar an Dynamik, bleibt aber stabil. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass diese Entwicklung auf einem fragilen Fundament steht. Ein Teil der Industrienachfrage ist vorgezogen, ausgelöst durch die Sorge vor Lieferengpässen. Die Binnenkonjunktur ist nach wie vor schwach, und strukturelle Themen bleiben ungelöst.

Hinzu kommt ein schleichender Wandel: Während Dienstleistungen stabil wachsen, verliert die Industrie an Gewicht. Kurzfristig stabilisiert das die Konjunktur, langfristig wirft es Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit auf.

Österreich: Konjunktur unter Druck durch Energie und Unsicherheit

Ein sehr ähnliches Bild zeigt sich auch in Österreich – allerdings mit noch deutlicherem Einfluss der geopolitischen Entwicklungen. Die Konjunktur war zu Jahresbeginn zwar leicht positiv, mit einem Wachstum von rund 0,2 % im ersten Quartal, doch der Iran-Konflikt hat die ohnehin moderate Dynamik spürbar gebremst.

Vor allem der Energiepreisschock wirkt direkt in die Realwirtschaft: Energie verteuerte sich zuletzt um rund 11 %, die Inflation stieg auf etwa 3,3 %. Gleichzeitig trübte sich das Vertrauen sowohl bei Unternehmen als auch bei Konsument:innen deutlich ein. Die WIFO-Konjunkturampel sprang wieder auf Rot – ein klares Signal zunehmender Unsicherheit.

Auffällig ist zudem die Entwicklung am Arbeitsmarkt: Zwar steigt die Beschäftigung weiter leicht, gleichzeitig nimmt aber auch die Arbeitslosigkeit zu. Die Wirtschaft verliert also an Dynamik, ohne bislang in eine echte Stabilität überzugehen. Österreich zeigt damit in verdichteter Form, was auch für viele andere Volkswirtschaften gilt: Die Belastungen durch Energiepreise und geopolitische Risiken sind unmittelbar spürbar.

USA – China: kleine Signale, große Wirkung

Ein weiterer zentraler Einflussfaktor liegt in den Beziehungen zwischen den USA und China. Auch hier geht es weniger um große Durchbrüche als um Nuancen. Schon kleine Veränderungen im Tonfall oder in der politischen Kommunikation können erhebliche Auswirkungen auf Märkte haben – insbesondere in technologiegetriebenen Sektoren. Parallel dazu schreitet die Umstrukturierung globaler Lieferketten voran, was langfristig neue Chancen eröffnet, aber kurzfristig Unsicherheit schafft.

Zinsen steigen

Vor diesem Hintergrund ist auch die Entwicklung an den Zinsmärkten ein wichtiges Signal. Höhere Renditen spiegeln einerseits steigende Inflationserwartungen wider, andererseits aber auch ein wachsendes Misstrauen der Investoren gegenüber der zukünftigen Preisstabilität. Besonders deutlich wurde das zuletzt in den USA: Erstmals seit 2007 mussten für 30-jährige Staatsanleihen wieder Renditen von über 5 % geboten werden, um ausreichend Nachfrage zu generieren. Investor:innen verlangen damit spürbar höhere Risikoprämien – nicht zuletzt als Kompensation für die Sorge, dass steigende Energiepreise die Inflation länger oben halten könnten.

Gleichzeitig steht diesem Zinsanstieg jedoch eine bemerkenswerte fundamentale Stärke gegenüber.

Für Anleger:innen bedeutet das: Das Umfeld bleibt anspruchsvoll, aber keineswegs negativ. Steigende Zinsen sind Gegenwind – starke Gewinne und strukturelle Trends wie KI bilden jedoch ein tragfähiges Gegengewicht.

Kein Selbstläufer: Chancen in schwierigen Phasen

Was bedeutet das alles für die Kapitalmärkte? Vor allem eines: Die aktuelle Phase ist keine, in der Gewinne leicht verdient werden. Sie ist geprägt von Unsicherheit, Gegensätzen und strukturellem Wandel. Genau daraus entstehen aber auch Chancen.

Wer heute investiert, muss Volatilität akzeptieren und langfristig denken. Diversifikation wird dabei zum zentralen Erfolgsfaktor. Die breite Streuung hilft, Risiken abzufedern und gleichzeitig an unterschiedlichen Entwicklungen zu partizipieren.

Aktives Management als entscheidender Vorteil

Gerade in einem Umfeld, in dem sich geopolitische und wirtschaftliche Kräfte permanent überlagern, kommt aktivem Management eine besondere Rolle zu. Es geht darum, Risiken bewusst zu steuern und Chancen selektiv zu nutzen.

Unsere Fonds verfolgen genau diesen Ansatz. Sie kombinieren breite Streuung mit aktiven Entscheidungen – mit dem Ziel, auch in anspruchsvollen Marktphasen stabile Erträge zu erzielen. Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt sich bereits in den ersten Monaten des Jahres: Trotz spürbarer Turbulenzen haben sich unsere Strategien – insbesondere auf der Aktienseite – sehr überzeugend entwickelt.

WF

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