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Fonds-News KW 17 | 21.04.2026
Notenbanken im Spannungsfeld: zwischen Zinssenkungen und neuen Inflationsrisiken
Die geldpolitische Lage im Jahr 2026 ist durch eine außergewöhnlich hohe Unsicherheit geprägt. Nach der deutlichen geldpolitischen Straffung der vergangenen Jahre hatten viele Marktteilnehmer:innen zu Jahresbeginn mit einem klaren Übergang zu einem lockereren Zinsumfeld gerechnet. Diese Erwartung hat sich zuletzt jedoch relativiert. Geopolitische Spannungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt, sowie deren Auswirkungen auf Energiepreise und Inflation, haben den Handlungsspielraum der Notenbanken erneut eingeengt. Die Geldpolitik bewegt sich damit in einem Umfeld, das sowohl Chancen für Zinssenkungen als auch das Risiko neuerlicher Zinserhöhungen beinhaltet.
Zwischen Inflationsrückgang und neuer Preisdynamik
In den vergangenen Quartalen hatte sich die Inflationsentwicklung in der Eurozone spürbar entspannt. Rückläufige Güterpreise, eine Normalisierung der Lieferketten sowie eine nachlassende Nachfrage trugen dazu bei, die Teuerungsraten schrittweise in Richtung der geldpolitischen Zielmarken zu bewegen. Diese Entwicklung wurde zuletzt durch steigende Energiepreise unterbrochen. Der militärische Konflikt rund um den Iran und die zeitweise Beeinträchtigung zentraler Transport- und Handelsrouten führten zu temporären Angebotsverknappungen und einem Anstieg der Rohölpreise. Zwar haben diplomatische Initiativen im Nahen Osten kurzfristig zu einer Beruhigung der Energiemärkte beigetragen, der strukturelle Risikoaufschlag ist jedoch weiterhin präsent. Gleichzeitig zeigen jüngste Inflationsdaten in mehreren Euroländern und auch in den USA erneut steigende Teuerungsraten, insbesondere in energie- und dienstleistungsnahen Bereichen.
Für die Notenbanken ist diese Entwicklung besonders relevant, da Energiepreise weiterhin ein bedeutender Treiber der Gesamtinflation sind und indirekt auch Zweitrundeneffekte auslösen können. Steigende Energie- und Transportkosten erhöhen den Kostendruck für Unternehmen und können sich mit zeitlicher Verzögerung in höheren Preisen für Konsum- und Industriegüter niederschlagen. Vor diesem Hintergrund beobachten die Notenbanken sehr genau, ob der jüngste Inflationsanstieg vorübergehender Natur bleibt oder sich stärker in den Inflationserwartungen verankert.
Die geldpolitische Gratwanderung der Notenbanken
Die EZB steht damit vor einer anspruchsvollen Gratwanderung. Einerseits spricht das verhaltene Wirtschaftswachstum im Euroraum für eine schrittweise Lockerung der Geldpolitik, um Investitionen und Konsum zu unterstützen. Andererseits würde ein zu frühzeitiger oder zu entschlossener Zinssenkungszyklus das Risiko bergen, den Inflationsdruck nochmals zu verstärken. Die EZB verfolgt daher weiterhin einen strikt datenabhängigen Ansatz und betont, dass geldpolitische Entscheidungen nicht vorab festgelegt sind. Auch die Fed geht einen ähnlichen Weg und hat angesichts einer robusten Wirtschaft im heurigen Jahr bisher von weiteren Zinssenkungen abgesehen.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Notenbanken aktuell nicht ausschließlich über Zinssenkungen sprechen. Vielmehr wird auch die Möglichkeit thematisiert, dass bei einer unerwartet starken und anhaltenden Inflationserhöhung erneut restriktivere Maßnahmen notwendig werden könnten. Zwar stellen Zinserhöhungen derzeit nicht das Basisszenario dar, sie sind jedoch auch kein ausgeschlossenes Szenario.
Internationale Unterschiede gewinnen an Bedeutung
Neben der EZB lohnt auch ein Blick auf die internationale Geldpolitik. Während die US-Notenbank aufgrund der robusteren Konjunktur und eines angespannten Arbeitsmarktes ebenfalls vorsichtig agiert, zeigen sich Unterschiede im Timing und im Umfang möglicher Zinsschritte. Diese Divergenzen beeinflussen Wechselkurse, Kapitalströme und letztlich auch die Finanzierungsbedingungen für europäische Unternehmen und Staaten. Die geldpolitische Landschaft bleibt damit heterogen.
Markterwartungen schwanken angesichts der Unsicherheiten
Der Iran-Konflikt hat zu stark schwankenden Markterwartungen hinsichtlich möglicher Zinsschritte von EZB und Fed geführt. Während der Markt Ende Jänner von Zinssenkungen in unterschiedlichem Ausmaß ausging, wurden gegen Ende März aufgrund der gestiegenen Inflationsrisiken sogar Zinserhöhungen eingepreist. Zuletzt wurden für die USA wieder Zinssenkungen erwartet, während in der Eurozone immer noch von Zinserhöhungen ausgegangen wird, jedoch weniger ausgeprägt als noch im März. Je nach weiterer geopolitischer Entwicklung gehen wir von weiterhin starken Bewegungen bei den Markterwartungen hinsichtlich der Zinsentwicklung aus.
Implikationen für Anleger:innen
Für Anleger:innen ergibt sich aus diesem Umfeld die Notwendigkeit, Zins- und Inflationsrisiken differenziert zu betrachten. Die Erwartung eines raschen und gleichmäßigen Zinsrückgangs hat sich als zu optimistisch erwiesen. Stattdessen deutet vieles auf ein längeres Übergangsszenario hin, in dem Zinssätze volatil bleiben und geldpolitische Entscheidungen stark von kurzfristigen wirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen beeinflusst werden.
Vor diesem Hintergrund gewinnt eine ausgewogene Vermögensstruktur weiter an Bedeutung. Anlageentscheidungen sollten nicht allein auf einzelne Zinserwartungen ausgerichtet werden, sondern verschiedene Szenarien berücksichtigen – von moderaten Zinssenkungen bis hin zu temporär wieder steigenden Leitzinsen. Die jüngsten Entwicklungen verdeutlichen, dass externe Schocks jederzeit zu einer Neubewertung der geldpolitischen Rahmenbedingungen führen können. Ein langfristig ausgerichteter Anlageansatz, wie wir ihn beispielsweise in den Fonds der Steiermärkischen Sparkasse verfolgen, bleibt daher ein zentraler Stabilitätsfaktor, insbesondere in Phasen erhöhter Unsicherheit.
TP
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