Ein Mann und eine Frau vor drei Monitoren mit Charts

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Fonds-News KW 12 | 17.03.2026

KI, Kapitalmärkte und die Frage: Wohin führt die KI‑Rally?

Risiken, Chancen und der Ausblick für Anleger:innen

Während die Börsen derzeit stark von politischen Entwicklungen geprägt sind und besonders der weitere Verlauf des Konflikts im Iran die Märkte beeinflusst, rücken andere langfristig entscheidende Faktoren vorübergehend in den Hintergrund. Deshalb widmen wir uns heute einem Thema, das aktuell weniger Aufmerksamkeit erhält, für die zukünftige Entwicklung der Kapitalmärkte jedoch von zentraler Bedeutung ist.

KI dominiert die Börsen – doch neue Unsicherheiten entstehen

Künstliche Intelligenz bleibt auch 2026 der dominierende Treiber an den Finanzmärkten. Die Bewertungen vieler großer Technologieunternehmen sind durch den massiven KI‑Optimismus in die Höhe gestiegen, unterstützt von weiterhin soliden Unternehmensgewinnen. Dass selbst Schwergewichte wie Nvidia erneut besser als erwartet geliefert haben, ist ein weiterer Beleg für die operative Stärke der Branche. Trotzdem zeigen die Marktreaktionen zuletzt ein neues Muster: Selbst nach hervorragenden Quartalszahlen fallen KI‑Aktien teils merklich zurück. Die Begründung: Sorge vor ausufernden Investitionskosten und der Frage, ob sich diese Milliardenaufwendungen am Ende rechnen werden. Dass selbst Google Anfang 2026 rund 15.000 Mitarbeiter entlassen hat, unterstreicht zusätzlich, welch enormen finanziellen Spagat selbst die größten Konzerne im Zuge der KI‑Investitionswelle bewältigen müssen. Branchenweit ist 2026 ein massives „Restrukturierungsjahr“: Laut mehreren Berichten sind neben Google auch Amazon, Microsoft und andere große Tech‑Konzerne Teil einer breiten Welle von Entlassungen, die stark durch Automatisierung und KI‑Investitionen getrieben wird.

Investitionsdimensionen erreichen historische Größenordnungen

2026 erwarten Analyst:innen Investitionssummen für KI‑Infrastruktur von rund 600 bis 650 Milliarden US‑Dollar, beinahe dem Dreifachen des Jahres 2024 und dem Vierfachen des Jahres 2023. Die Ausgaben konzentrieren sich auf hochleistungsfähige Rechenzentren, Halbleiter, Energieversorgung und den Ausbau globaler Cloud‑Infrastruktur.

Diese Entwicklung wird besonders sichtbar bei Alphabet/Google: Das Unternehmen hat Anfang 2026 ein gigantisches Multi‑Währungs‑Bond‑Programm gestartet – darunter sogar eine extrem seltene 100‑jährige Anleihe, um den KI‑Ausbau zu finanzieren. Die Nachfrage war enorm, teils zehnfach überzeichnet, was den Kapitalbedarf und die Marktstimmung unterstreicht.

Fremdfinanzierung nimmt stark zu – aber nicht jeder hält Schritt

Während Microsoft dank enormer Cashflows die Investitionen noch weitgehend über den laufenden Geschäftsbetrieb finanzieren kann, geraten andere große Tech‑Konzerne zunehmend unter Druck. Oracle etwa kämpft mit steigenden Finanzierungskosten, da sowohl Aktien‑ als auch Kreditmärkte das Verhältnis zwischen Cashflow und die Höhe der jährlichen KI-Investitionen mit Respekt beobachten. Die Kapitalausgaben wachsen schneller als die freien Cashflows – begleitet von einem verbesserten, aber hochvolatilen Partnerschaftsumfeld mit OpenAI.

KI‑Dominanz als Wettkampf – mit Zwang zum Mitmachen

Für viele Unternehmen entsteht ein gefährlicher Zwang: Wer nicht mitinvestiert, verliert den Anschluss. Oracle ist ein Beispiel für diesen Druck, aber auch andere Softwareanbieter geraten zunehmend unter Erwartungsstress der Märkte. Die Börse deutet an: Die KI-Welle kann sehr rasch einzelne Branchen unter Druck bringen und alteingesessene Geschäftsmodelle über Nacht veraltet aussehen lassen.

Parallel investiert die KI‑Branche selbst massiv weiter

Zuletzt investierten Amazon: 50 Milliarden US-Dollar, Nvidia und Softbank je 30 Milliarden US-Dollar in OpenAI. Insgesamt fließen somit weitere 110 Milliarden US-Dollar in OpenAI, den „Vater“ von ChatGPT, bei einer Bewertung von 730 Milliarden US-Dollar. Dieser gewaltige Geldfluss zeigt, wie stark die Dynamik der Branche weiterhin ist. OpenAI meldet zudem historische Reichweitenrekorde: 900 Millionen wöchentliche aktive Nutzer, über 50 Millionen zahlende Privatkunden und über 9 Millionen zahlende Unternehmenskunden.

Damit ist klar: Die Monetarisierung – ein früher Schwachpunkt – schreitet nun zügig voran und legitimiert viele Investitionen.

Belastungsprobe für Kreditmärkte

Die gewaltige Investitionswelle erfordert enorme Fremdfinanzierungmittel – teilweise über sehr lang laufende Anleihen wie bei Alphabet, dem Mutterkonzern von Google. Die Kreditmärkte müssen zunächst beweisen, dass sie dieses Volumen nachhaltig aufnehmen können, ohne Blasen zu erzeugen. Auch der fast zwei Billionen US-Dollar groß geschätzte Private Debt-Markt ist tief mit der Finanzierung der großen KI-Projekte verschränkt, deren Anleger:innen vermehrt in den letzten Wochen versucht haben Geld abzuziehen.

Korrekturen im KI‑Sektor – Wer sind die nächsten Wackelkandidaten?

Während große KI‑Firmen bereits korrigiert haben, werden nun zweite und dritte Reihen des Marktes zunehmend kritisch betrachtet. Ein Beispiel aus jüngster Zeit: Ein einziger Blogbeitrag von Anthropic, ein US‑amerikanisches KI‑Forschungsunternehmen, das besonders für sein großes Sprachmodell Claude bekannt ist, bescherte der IBM-Aktie einen Kursrückgang von rund 13 % – stärkster Tagesverlust seit dem Jahr 2000. Dieser Kursrückgang war die Konsequenz aus der Tatsache, dass der Blogeintrag verkündete, dass Anthropic, nun ein KI-Tool auf den Markt bringt, das alte COBOL-Codes in moderne Betriebssystem-Sprachen umwandeln kann und ab sofort in direkter Konkurrenz zu IBMs traditioneller Modernisierungsberatung steht. Die USA wickeln über die uralten COBOL-Systeme noch knapp 95 % der Bankomattransaktionen ab. Ein Faktum, dass für IBM bislang einen lukrativen Geschäftszweig darstellte.

Marktrotation möglich: Rückkehr der Value‑Werte?

Sollten steigende Kapitalkosten und fallende Margen die großen KI‑Akteure belasten, könnten Value‑Werte profitieren – vor allem Energie, zum Teil Finanzen und die Industrie. Hinweise darauf liefern bereits vereinzelte Marktbewegungen in Europa und Südostasien sowie der steigende Relative‑Strength‑Index vieler Nicht‑Tech‑Branchen. Gleichzeitig bleibt KI ein struktureller Megatrend – eine vollständige Abkehr wäre daher unwahrscheinlich und unverhältnismäßig. KI wird ein Wachstumsgarant für viele Jahre sein.

Die KI‑Revolution ist aber in einer neuen Phase angekommen: weg vom Hype, hin zur harten Frage nach Rentabilität, Finanzierbarkeit und globaler Verteilung der Wertschöpfung.

Ausblick: Wird 2026 das Jahr der Marktbreite?

Während die KI‑Giganten weiter investieren, beginnt der Markt nach Nachhaltigkeit statt Narrativ zu filtern. Viel spricht dafür, dass 2026 ein Jahr wird, in dem KI‑Gewinner differenzierter bewertet werden, Value‑Sektoren stärker Beachtung finden, internationale Märkte mehr Kapital anziehen und KI‑Investitionen sich erstmals am realen Cashflow‑Potenzial messen lassen müssen. KI wird weiter der Mega-Wachstumstreiber bleiben. Die Börsianer:innen verlangen aber zunehmend, dass mit KI und der dazugehörenden Infrastruktur auch Geld verdient wird.

Für Anleger:innen bedeutet das: Diversifikation ist und bleibt entscheidend. Die Steiermärkische Sparkasse bietet Ihnen hierfür unter anderem ein breites Spektrum an interessanten hauseigenen Investmentfonds an.

WF

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