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Fonds-News KW 10 | 03.03.2026
Marktupdate: wirtschaftliche Folgen der Eskalation im Nahen Osten
Die jüngsten Angriffe der USA und Israels auf militärische Ziele im Iran und die unmittelbaren Gegenschläge auf israelische und US‑Stützpunkte haben die geopolitische Lage im Nahen Osten innerhalb weniger Stunden deutlich verschärft. Diese Spannungen wirken sich weit über die Region hinaus aus, da sie ein zentrales Element des globalen Energiesystems treffen: die Straße von Hormus. Während politisch noch vieles unklar ist, zeichnet sich wirtschaftlich bereits ab, dass das Nadelöhr für Öl und Flüssiggas wieder stärker in den Fokus der Finanzmärkte rückt.
Die Straße von Hormus – ein neuralgischer Punkt für Energie und Handel
Die Straße von Hormus ist seit Jahrzehnten einer der sensibelsten Transportwege der Weltwirtschaft. Durch die nur wenige Dutzend Kilometer breite Meerenge fließen rund 20 Millionen Barrel Rohöl pro Tag – etwa ein Fünftel des globalen Verbrauchs – sowie ungefähr 20 Prozent des weltweiten LNG‑Handels. Besonders asiatische Volkswirtschaften wie China, Indien, Japan und Südkorea sind auf diese Lieferungen angewiesen, aber auch Europa erhält über diesen Korridor indirekt einen Großteil seines Energiebedarfs aus der Golfregion.
Seit dem Wochenende ist der Schiffsverkehr zwar nicht vollständig zum Erliegen gekommen, aber deutlich gestört. Reedereien fahren langsamer, warten vor den Häfen der Vereinigten Arabischen Emirate oder weichen auf alternative Routen aus. Versicherungsunternehmen heben die Prämien teils drastisch an, und das reine Risiko einer Eskalation reicht aus, um die Kosten in die Höhe zu treiben. Historisch hat sich gezeigt, dass selbst temporäre Störungen rund um die Straße von Hormus schnell globale Märkte beeinflussen – diesmal ist es nicht anders. Auch wenn der physische Energiefluss weiterhin gegeben ist, erzeugt bereits die Unsicherheit eine spürbare Marktveränderung.
Ölpreisanstieg, Kostenwelle und Inflationsdruck
Der Ölpreis reagierte sofort und stieg zu Wochenbeginn auf bis knapp 79 US‑Dollar pro Barrel. Dieser Anstieg ist zunächst eine typische „Krisenprämie“, die vor allem auf Unsicherheit und die Vorsicht der Marktteilnehmer zurückzuführen ist. Allerdings hängt die zukünftige Preisentwicklung entscheidend davon ab, wie lange und in welchem Umfang die Hormus‑Route beeinträchtigt bleibt.
Ein kurzfristig höherer Ölpreis ist für die meisten Volkswirtschaften verkraftbar. Problematisch wäre jedoch eine Phase anhaltend höherer Preise – insbesondere oberhalb von 100 US‑Dollar pro Barrel. In diesem Szenario würden Energiekosten wieder stärker in die Inflation durchschlagen. Heizkosten, Transportpreise und Produktionskosten würden steigen und Unternehmen gezwungen sein, Teile dieser Belastungen an die Verbraucher weiterzugeben. Die Notenbanken hätten es dadurch schwerer, Inflationsrisiken einzudämmen, und müssten die Debatte über Zinssenkungen erneut verschieben. Für Europa wäre dies besonders relevant, weil der wirtschaftliche Erholungspfad ohnehin noch nicht sehr robust ist.
Auch die Transportkosten entwickeln sich zu einem entscheidenden Faktor. Schon jetzt liegen die Versicherungsprämien für Tanker um ein Drittel höher, und die zunehmende Unsicherheit führt zu längeren Lieferzeiten. Sollte die Passage längerfristig beeinträchtigt bleiben, könnten diese Kostenwellen auf andere Branchen übergreifen – von der Chemieindustrie über Logistik bis hin zu Konsumgütern.
Konjunkturelle Risiken – wie stabil bleibt die Weltwirtschaft?
Trotz der angespannten Lage ist die aktuelle ökonomische Belastung überschaubar. Die globalen Lagerbestände für Öl und LNG sind deutlich besser gefüllt als in früheren Krisen, und die OPEC+ hat signalisiert, im Ernstfall zusätzliche Mengen auf den Markt zu bringen. Auch die Industrieproduktion in wichtigen Volkswirtschaften wie den USA oder Teilen Asiens zeigt sich bislang stabil.
Dennoch gilt: Sollte der Konflikt mehrere Wochen anhalten, wäre ein deutlicher wirtschaftlicher Dämpfer wahrscheinlich. Besonders Europa und Asien wären verwundbar, da sie stark von Energieimporten abhängig sind. In einem Szenario mit länger anhaltender Störung der Hormus‑Passage, steigenden Frachtpreisen und Brent‑Öl über 110 US‑Dollar wäre ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität nicht auszuschließen. Die Rezessionsrisiken würden spürbar steigen, auch weil die Notenbanken in einem solchen Umfeld weniger Spielraum hätten, um gegenzusteuern.
Besonders kritisch wäre in diesem Zusammenhang der LNG‑Markt: Katar muss nahezu jede seiner Flüssiggas‑Lieferungen durch die Straße von Hormus verschiffen; im Gegensatz zum Öl existiert keine belastbare alternative Route. Entsprechend zeigen Reedereidaten und Marktberichte bereits erste Verzögerungen, Kurswechsel und temporäre Aussetzungen von LNG‑Transits, was die globale Angebotslage zusätzlich verengt. Für Europa, das seit 2022 verstärkt auf LNG als Ersatz für russische Pipeline-Importe setzt, stellt dies einen wesentlichen Risikokanal dar: Jede anhaltende Behinderung der katarischen Exporte würde die europäischen Gaspreise empfindlich treffen und die Energiekosten für Industrie und Verbraucher erhöhen.
Zum jetzigen Zeitpunkt jedoch überwiegt die Einschätzung, dass der Konflikt zwar eine Belastung darstellt, aber die globale Wirtschaft noch nicht in eine Rezessionsdynamik zwingt. Die Märkte reagieren nervös, aber geordnet. Es gibt Ausschläge bei Energiepreisen und Währungen, aber keine Anzeichen einer systemischen Marktverwerfung. Viel hängt davon ab, ob es in den kommenden Tagen gelingt, die Eskalationsspirale zu stoppen oder zumindest zu begrenzen.
Einordnung für Anlegerinnen und Anleger
In Zeiten geopolitischer Unsicherheit ist es besonders wichtig, Ruhe zu bewahren und die langfristige Perspektive nicht aus dem Blick zu verlieren, vielleicht sogar temporär Chancen zu nutzen. Kurzfristige Marktreaktionen sind oft ausgeprägt, verlieren aber meist schnell an Bedeutung, sobald sich die Lage stabilisiert oder die tatsächlichen wirtschaftlichen Folgen klarer einschätzbar werden. Eine breit gestreute, langfristig ausgerichtete Anlagestrategie bleibt daher der sinnvollste Ansatz. Für uns steht weiterhin fest: Die aktuelle Lage erfordert Wachsamkeit, jede Überreaktion wäre allerdings fehl am Platz.
Auch wenn die kommenden Tage bewegter bleiben dürften, ist eine strategische Neuausrichtung auf Basis kurzfristiger Nachrichten nicht angezeigt. Gleichzeitig sollte man berücksichtigen, dass geopolitische Risiken nicht nur Belastungen, sondern auch potenzielle Entlastungsszenarien erzeugen können. So könnte – abhängig vom weiteren politischen Verlauf – auch ein Rückkehr Irans als vollwertiger Anbieter auf den globalen Ölmarkt denkbar sein. Iran exportiert aktuell zwar weiterhin Erdöl, jedoch nur eingeschränkt und unter hohem Sanktionsdruck, weshalb die Lieferungen über Schattenflotten, Preisabschläge und Umwegtransporte erfolgen. Die beobachteten Exportmengen liegen – je nach Zeitraum – zwischen circa 1,3 und 1,8 Millionen Barrel pro Tag, nahezu vollständig an China, jedoch mit deutlichen Behinderungen und zusätzlichen Kosten durch strengere US‑Sanktionen und Tankerbeschränkungen.
Sollte es politisch zu einer Entspannung kommen oder Sanktionen gelockert werden, könnte Iran mittelfristig wieder größere, regulär gehandelte Mengen auf den Markt bringen. Dies würde das globale Ölangebot erhöhen, was – anders als die derzeitige Risikoprämie – einen entlastenden Effekt auf Energiepreise und damit potenziell positiven Impuls für die Weltwirtschaft haben könnte. Ein solches Szenario ist aktuell zwar spekulativ, aber keineswegs ausgeschlossen und gehört in eine ausgewogene Risikobetrachtung.
Fazit
Die wirtschaftlichen Risiken bleiben spürbar – insbesondere aufgrund der angespannten Lage rund um die Straße von Hormus und der Möglichkeit steigender Energiepreise. Doch trotz aller Unsicherheiten bleibt die Lage derzeit gut beherrschbar. Für Anlegerinnen und Anleger gilt deshalb: besonnen bleiben, langfristig denken und gut diversifiziert investieren.
Die hauseigenen Fonds der Sparkasse sind dabei bewusst breit diversifiziert, decken verschiedene Anlageklassen, Regionen und Themenfelder ab und eignen sich daher als robuste Basisbausteine für nahezu alle Marktphasen – sowohl in ruhigeren Zeiten als auch in geopolitisch herausfordernden Perioden.
Wie immer gilt: Wenn Sie Fragen zu Ihrem Depot oder zur aktuellen Marktlage haben, steht Ihnen Ihre Beraterin bzw. Ihr Berater jederzeit gerne zur Verfügung. Gerade in bewegten Zeiten sind wir als Beraterbank gerne für Sie da!
WF
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