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Fonds-News KW 08 | 17.02.2026
Seltene Erden – das unsichtbare Rückgrat der Hightech-Welt
Seltene Erden bilden das Rückgrat neuer Technologien: Von Smartphones und Elektroautos über Hochleistungsmagneten, Windturbinen, Sensoren und Hightech‑Chips bis hin zur Verteidigung – alle benötigen Seltene Erden. Die Nachfrage nach diesen Rohstoffen ist daher hoch, wovon Unternehmen profitieren, die an der Erschließung, dem Abbau oder der Verarbeitung von Materialien beteiligt sind. Große Teile der Förderung und Weiterverarbeitung stammen aber aus nur wenigen Ländern. Diese starke Abhängigkeit von einzelnen Produzenten stellt insbesondere für westliche Volkswirtschaften eine Herausforderung dar.
Seltene Erden – gar nicht so selten
Seltene Erden sind eine Gruppe von 17 chemischen Elementen, darunter Lanthanoide, Scandium und Yttrium. Trotz ihres Namens sind sie geologisch nicht extrem selten, doch ihre Gewinnung ist komplex und kostenintensiv. Die Elemente kommen meist nur in geringer Konzentration vor und müssen in aufwendigen Prozessen getrennt werden. Ihre besonderen magnetischen, optischen und katalytischen Eigenschaften machen sie unverzichtbar für moderne Schlüsseltechnologien – ohne Seltene Erden wäre die Energiewende und die digitale Transformation in der heute erwarteten Geschwindigkeit kaum umsetzbar. Diese breite Nutzung erklärt die hohe Nachfrage und damit die strategische Bedeutung dieser Rohstoffe für Volkswirtschaften und Unternehmen.
Chinas Dominanz bringt westliche Länder unter Druck
China hat in den letzten Jahrzehnten kräftig in Rohstofflieferketten investiert und kontrolliert Schätzungen zufolge aktuell rund 60 % bis 70 % der globalen Förderung und über 90 % der Trenn- und Raffineriekapazitäten (Verarbeitung) Seltener Erden. Diese Marktmacht verschafft China erheblichen Einfluss auf die globale Wirtschaft. China kann Angebot und Zeitpunkt von Lieferungen steuern und dadurch Preisspitzen auslösen oder dämpfen. Bereits eine „administrative Verknappung“ – etwa langsamere Genehmigungen – genügt, um Kosten zu erhöhen und Margen zu drücken. Exportkontrollen, die seit April und Oktober 2025 schrittweise ausgeweitet wurden, belasten die globale Wirtschaft. Sie betreffen inzwischen nicht nur die Rohstoffe selbst, sondern auch Technologien zur Verarbeitung und sogar Produkte, die minimale Mengen chinesischer Seltenen Erden enthalten. Auch wenn die USA einen Aufschub der verschärften Exportkontrollen von Oktober erwirken konnten, leidet der Westen darunter, dass er jahrzehntelang Investitionen vernachlässigt hat. Unternehmen und Staaten investierten nicht ausreichend in die Resilienz der Lieferketten und den Aufbau von Lagerbeständen. Europäische und US-Industrien sehen sich daher heute einer strukturellen Abhängigkeit gegenüber.
Neue Allianzen sollen Versorgung stabilisieren
Um diesbezügliche Risiken zu mindern, reagieren Unternehmen mit Vorratskäufen, Re-Designs (z. B. magnetärmere Antriebe) und dem Aufbau alternativer Quellen – kapital- und zeitintensive Maßnahmen. Auch Staaten (-gemeinschaften) versuchen ihren Beitrag zur Sicherung der Versorgung mit den begehrten Rohstoffen zu leisten und Lieferketten zu diversifizieren und zu stabilisieren. Bereits seit Mai 2024 gilt in der EU der „Critical Raw Materials Act“, der die Versorgung Europas mit kritischen und strategischen Rohstoffen sichern soll. Er ist ein zentrales Instrument, um Europas Industrie unabhängiger, sicherer und zukunftsfähiger zu machen. Kernziele sind die Reduktion von Abhängigkeiten, die Erhöhung der europäischen Eigenproduktion und der Aufbau nachhaltiger, widerstandsfähiger Lieferketten, unter anderem durch schnellere Genehmigungen, neue strategische Rohstoffpartnerschaften und Förderung umweltfreundlicher Produktion.
Die Notwendigkeit globaler Allianzen wurde auch bei einem Gipfeltreffen in Washington Anfang Februar 2026 betont. Schwerpunkte des Treffens waren der Aufbau neuer Lieferketten abseits von China, Investitionsprogramme für den Abbau und die Verarbeitung in befreundeten Staaten, bilaterale und multilaterale Rohstoffabkommen zwischen den USA, Japan, der EU und weiteren Ländern sowie eine koordinierte politische Antwort auf chinesische Exportrestriktionen. Die EU hat bereits erklärt, eine engere Allianz mit Washington im Bereich Seltener Erden anzustreben.
Die USA starteten bereits mehrere Initiativen, um ihr Rohstoffnetz neu auszurichten. Die jüngste US‑Initiative „Project Vault“ hat diesbezüglich besondere Bedeutung: Mit rund 12 Milliarden US-Dollar will Washington eine nationale Rohstoffreserve aufbauen – darunter Seltene Erden. Ziel ist es, die Versorgung von US-Unternehmen zu sichern, Preissprünge abzufedern und die Abhängigkeit von China nachhaltig zu verringern - ein Modell, das dem US‑Ölreserve‑System ähnelt.
Grönland: Hoffnungsträger mit Hindernissen
Insgesamt wird der internationale Wettbewerb um kritische Rohstoffe schärfer. Grönland bleibt daher im geopolitischen Fokus – nicht zuletzt, weil dort eines der bedeutendsten und zugleich umstrittensten Seltene‑Erden‑Vorkommen liegt. Die USA sehen die Insel als strategisches Element ihrer Rohstoff‑ und Sicherheitsstrategie, doch politische und infrastrukturelle Hürden sind weiterhin hoch. Die EU hat bereits ein umfassendes Investitionspaket in Grönland und eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit angekündigt. Dennoch ist Grönland kurzfristig keine Entlastung für globale Lieferketten, es bleibt aber ein potenzieller Baustein langfristiger Diversifizierungsstrategien von USA und EU.
Ein Markt im Umbruch
Die Nachfrage nach Seltenen Erden wird weiterhin hoch bleiben, allerdings werden insbesondere politische Maßnahmen (z. B. Exportregeln, staatliche Beschaffung) weiterhin für erhöhte Volatilität bei den Preisen sorgen. Schon kleinere Angebotsverschiebungen können eine deutliche Marktbewegung nach sich ziehen. Strategische Reserven wie Project Vault könnten künftig stabilisierend auf die Preise für Seltene Erden wirken.
Eine anhaltend hohe Nachfrage sowie höhere Preise dürfte auch Unternehmen aus diesem Segment unterstützen, die (geopolitischen) Risiken können aber maßgeblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung nehmen und für Volatilität sorgen. Eine zunehmende Diversifikation kann insbesondere Unternehmen abseits von China begünstigen. Obwohl wir mit Volatilität rechnen, sehen wir langfristig Potenzial im Bereich Seltener Erden. Wir haben daher im TOP-Fonds V – „Der Offensive“, einem der von der Steiermärkischen Sparkasse gemanagten Fonds, seit einiger Zeit eine kleine Position in diesem Segment investiert. Nähere Informationen erhalten Sie auch bei Ihrem Kundenbetreuer / Ihrer Kundenbetreuerin!
TP
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