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Fonds-News KW 46 | 11.11.2025
Die US-Notenbank Fed setzt neue Akzente – Zinssenkung und Ende der Bilanzverkürzung
Während es die EZB nicht eilig hat die Zinsen weiter zu senken, hat die US-Notenbank in ihrer jüngsten Sitzung einen geldpolitischen Doppelschritt vollzogen: Der Leitzins wurde um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 % bis 4,00 % gesenkt und gleichzeitig endet zum 1. Dezember die Bilanzverkürzung (Quantitative Tightening). Letzteres bedeutet unter anderem, dass die Fed künftig keine Anleihen mehr verkauft und fällig werdende US-Staatsanleihen wieder vollständig reinvestiert. Damit reagiert die Fed auf eine konjunkturelle Abkühlung und zunehmende Arbeitsmarktrisiken, während die Inflation mit rund 3 % weiterhin über dem Zielwert liegt. Die Handelszölle stellen anhaltend ein Inflationsrisiko dar, doch erwartet die Fed durch diese keine nachhaltige Preisbeschleunigungen, sodass die US-Notenbank grünes Licht für ihre Zinssenkung geben konnte. Allerdings kommunizierte die Fed auch, dass weitere schnelle Zinsschritte keineswegs garantiert seien, was die anfänglich positive Marktreaktion dämpfte.
Gründe der Fed
Zwar liegt die Teuerung weiterhin über dem 2-%-Ziel der Fed, doch mehren sich Anzeichen einer Abkühlung am Arbeitsmarkt und einer nachlassenden Konjunkturdynamik. Die Notenbank sieht die „Balance of Risks“ inzwischen stärker auf der Seite der Beschäftigung. Nachlassende Jobzuwächse und die Unsicherheit durch den jüngsten Government Shutdown, der die Datenlage erschwerte, haben die Währungshüter vorsichtig gestimmt. Gleichzeitig will die Fed ihre Inflationsglaubwürdigkeit aber wahren und dämpfte deshalb die Hoffnung auf eine Serie weiterer Zinssenkungen. Fed-Chef Jerome Powell betonte, eine weitere Zinssenkung im Dezember sei „alles andere als ausgemacht“.
Niedrigerer Zinsen und Liquidität als Treiber für Aktienmärkte
Niedrigere Zinsen unterstützen risikobehaftete Anlagen tendenziell, da diese dann vergleichsweise attraktiver werden. Das Ende des Quantitative Tightening bringt zudem den Faktor Liquidität zurück, der die Aktienmärkte ebenso unterstützt. Beides positive Signale für die Aktienmärkte. Allerdings dämpfte Fed-Chef Powell die Erwartungen an weitere Zinssenkungen, was die Märkte anfänglich irritierte. Dennoch bietet die Kombination aus niedrigeren Kurzfristsätzen und stabilisierter Liquidität ein unterstützendes Umfeld. Ein niedrigerer Diskontsatz begünstigt die Bewertungen und zusätzliche Liquidität fördert den Risikoappetit. Zyklische Segmente und Small Caps könnten überproportional profitieren, sobald die Zinsunsicherheit nachlässt. Tech-Werte profitieren über den Diskontsatz, bleiben aber anfällig für Schwankungen in der Zinserwartung.
Entscheidend ist aber warum gesenkt wurde. Eine „präventive“ Senkung bei moderater Inflation und solider Konjunktur stützt Bewertungen stärker als eine „reaktive“ inmitten eines abrupt einbrechenden Makro Umfelds – genau diese Differenzierung lag zwischen den Zeilen der jüngsten Fed Kommunikation, die die Erwartungen für weitere Zinssenkungen dämpfte und künftig weiter stark datenbasiert vorgehen will.
Auch US-Anleihen können profitieren
Für die Anleihenmärkte bedeutet das Ende des Quantitative Tightening weniger Angebotsdruck am langen Ende und eine Stützung der Front-End-Liquidität. Das lange Ende bezieht sich dabei auf langfristige US-Staatsanleihen. Im Zuge des Quantitative Tightening verkauft die Fed langfristige Anleihen oder lässt sie auslaufen, was das Angebot am Markt erhöht und die Kurse drückt (Renditen steigen). Das Ende des Quantitative Tightening bedeutet, dass weniger solcher Anleihen auf den Markt kommen, was den Angebotsdruck reduziert und die Kurse stützt – die Renditen könnten sinken. Das Front-End meint sehr kurzfristige Anleihen. Diese sind sensibler gegenüber Liquiditätsveränderungen, Geldmarktzinsen und Erwartungen zur Geldpolitik. Beendet die Fed das Quantitative Tightening, bleibt mehr Liquidität im Finanzsystem, was die Nachfrage nach kurzfristigen Papieren stützen und die Geldmarktzinsen stabilisieren kann.
Tendenziell sollten mittlere Laufzeiten stärker profitieren, weil sich dort fundamentale Daten (nachlassender Wachstum- und Arbeitsmarktdruck) und technische Faktoren (wegfallender Bilanzabfluss) überlagern. Unternehmensanleihen könnten doppelt profitieren: niedrigere Refinanzierungskosten und eine größere Bereitschaft der Investoren, Kreditrisiko zu tragen, eröffnen Spielraum für eine weitere Einengung der Risikoaufschläge.
Wechsel an der Spitze der Fed kann die Märkte beeinflussen
Parallel zu den geldpolitischen Entscheidungen gewinnt auch die Diskussion um die Nachfolge von Jerome Powell an Dynamik. Ein Wechsel an der Spitze der Fed kann die Markterwartungen erheblich beeinflussen, weil unterschiedliche Kandidaten für unterschiedliche geldpolitische Philosophien stehen. Aktuell gibt es fünf Kandidaten, spätestens gegen Ende November soll die Liste weiter verkürzt werden. Derzeit scheint allen gemein, dass sie grundsätzlich weitere Zinssenkungen zur Unterstützung des Marktes befürworten. Unterschiede dürfte es aber insbesondere in Bezug auf die Geschwindigkeit geben und auch, wie schnell die Fed künftig im Falle eines nachhaltigeren Inflationsanstieges wieder reagiert. Während langsame, vorsichtigere Zinssenkungen für eine Kontinuität im geldpolitischen Kurs stehen, könnten Kandidaten, die aggressivere Zinssenkungen befürworten, risikoreicher Anlageklassen stärker unterstützen. Historisch zeigt sich, dass schon die Spekulation über den künftigen Kurs der Fed die Märkte beeinflussen kann. Für Anleger:innen bedeutet das, die Personaldebatte nicht als „politisches Rauschen“ abzutun, sondern als potenziellen Treiber für Zinsstruktur und Risikoaufschläge.
Risiken sind nicht außer Acht zu lassen
Ein großer Risikofaktor bleibt die Handelspolitik: Höhere Zölle könnten die Verbraucherpreise zumindest temporär nach oben treiben und die Fed zwingen, die Pause zwischen weiteren Zinssenkungsschritten zu verlängern. Gleichzeitig zeigen Notenbankstimmen, dass man für eine maßvolle weitere geldpolitische Lockerung grundsätzlich offen ist, sofern die Arbeitsmarktrisiken zunehmen und der grundsätzliche disinflationäre Trend intakt bleibt. Auch US-Präsident Donald Trump drängt auf weitere Zinssenkungen. Im Spannungsfeld zwischen künftigen Inflations- und Arbeitsmarktberichten bleibt das Umfeld herausfordernd und die Fed wird sehr datenbasiert agieren. Dennoch hat sie ihren Kurs bereits von „restriktiv“ auf „moderat restriktiv“ gestellt, was für die Märkte unterstützend wirken sollte. Kurzfristig sorgt die vorsichtige Kommunikation für Volatilität, mittelfristig sollten die positiven Effekte aber überwiegen. Auch eine Beendigung des Shutdowns sollte von den Märkten positiv aufgenommen werden und zudem die Datenlage für die Fed verbessern.
Auch der anhaltende KI-Boom dürfte sich weiter unterstützend für Aktienmärkte auswirken. Da die Bewertungen in diesen Bereichen aber bereits sehr hoch sind, ist auch hier mit einem gewissen (kurzfristigen) Korrekturpotenzial zu rechnen. Attraktive Gewinne und Gewinnerwartungen dürften sich aber auch künftig unterstützend auswirken, ebenso wie eine mögliche Einigung im Zollstreit.
Die US-Geldpolitik könnte einen wesentlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Märkte haben. Auch wenn sich diese tendenziell unterstützend auswirken sollte, sind die Risiken nicht außer Acht zu lassen. Hierzu dürften in den nächsten Monaten insbesondere eine unerwartet starke Wirtschaftsabkühlung in den USA, eine Zuspitzung im Zollkonflikt oder eine Zunahme der geopolitischen Unsicherheiten zählen. Eine breite Diversifikation, wie wir sie auch in den Fonds der Steiermärkischen Sparkasse haben, ist weiterhin angeraten. Für weitere Informationen steht Ihnen auch Ihre Kundenbetreuer:in gerne zur Verfügung!
TP
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