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Fonds-News KW 22 | 27.05.2025
Geschockt, erleichtert, jedoch genervt
Letzte Woche am Freitag: US-Präsident Donald Trump schlägt 50-Prozent-Zoll für EU-Waren ab dem 1. Juni 2025 vor. Am Wochenende dann die Wende: Trump verschiebt neue Zölle gegen die EU bis zum 9. Juli 2025.
Als Reaktion auf die Ankündigung eines großen amerikanischen Technologieunternehmens (Apple) die Produktion von China nach Indien verlegen zu wollen, hat er Zölle in Höhe von 25 Prozent auf dessen Smartphones angedroht, so lange die Produkte nicht in den USA für den US-Markt hergestellt werden. Die Dimension dieser Drohung ist neu, denn sie betrifft ein einzelnes Unternehmen, obschon Donald Trump betonte, auch andere Smartphone-Hersteller mit Zöllen zu belegen, sollten sie ihren Produktionsstandort verlegen wollen. Dass eine einzelne Branche, wie jene der Autoproduktion, schon hervorgehoben wurde, ist bereits bekannt im Zollstreit.
Mit dieser kurzfristigen Aussetzung der angekündigten Strafzölle gegen die EU sorgt der US-Präsident zu Beginn dieser Börsenwoche für Erleichterung. Doch das wiederholte Spiel aus Drohung und Rückzieher nutzt sich ab, ja nervt und senkt das Vertrauen in die USA. Donald Trump kann nicht aufhören, die Welt und die Finanzmärkte zu provozieren. Täglich kommt ein neuer Post auf seinem Netzwerk Truth Social, der für Aufregung und entsprechend auch für volatile und somit stark schwankende Marktbewegungen sorgt.
Als Begründung, warum Trump am Freitag letzter Woche mit seiner Zollankündigung gegenüber der EU die Börsen auf Talfahrt schickte, nannte er festgefahrene Verhandlungen und angebliche Diskriminierung amerikanischer Konzerne durch Brüssel.
Am Wochenende folgte dann die Wende nach einem angeblich sehr guten Gespräch mit der EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen. Die EU sei wohl bereit, die Verhandlungen „entschlossen und zügig“ laut von der Leyen voranzutreiben.
Was gilt noch?
Was gilt noch nach dem „Liberation Day“, dem großen „Tag der Befreiung“, der Anfang April von Donald Trump verkündet wurde?
Der US-Präsident hat die „reziproken“ Zölle am 9. April, am gleichen Tag des Inkrafttretens, wieder ausgesetzt für eine Pause von 90 Tagen.
China war zunächst als einziges Land explizit von der 90-tägigen Zollpause ausgenommen. Vorübergehend galten sogar Zölle in der Höhe von 145 Prozent auf chinesische Produkte. China hatte dann mit Gegenzöllen auf US-Importe reagiert. Im Mai jedoch führten die USA und China konstruktive Gespräche in Genf und fanden eine überraschende Übereinkunft im Handelsstreit. Beide Länder versprachen, ihre Strafzölle für 90 Tage zu reduzieren die USA auf 30 Prozent, China auf 10 Prozent.
Als weiteres Land hat dann Großbritannien im Mai eine Handelsvereinbarung mit den USA erzielt. Zahlreiche weitere Länder hoffen, in dieser 90-tägigen Zollpause mit der Trump-Administration eine bilaterale Lösung zu finden.
Die bereits eingeführten Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte treffen besonders Kanada, Brasilien und Mexiko und in geringerem Ausmaß auch europäische Länder. Die EU hat als Reaktion auf die US-Stahlzölle Gegenzölle in Etappen auf bestimmte US-Produkte in der Höhe von bis zu 25 Prozent beschlossen. Auch hier hat jedoch die EU-Kommission angekündigt, diese Maßnahmen vorerst für 90 Tage auszusetzen. Der Wille zur Deeskalation steht für die EU nach wie vor im Vordergrund.
Das Ziel von US-Zöllen
Donald Trump hatte bereits vor seiner Amtseinführung im Januar 2025 mit Zöllen gedroht. Er will mit diesem Instrument eine Reihe von Zielen erreichen. Die Zölle sollen die amerikanische Industrieproduktion ankurbeln und im besten Fall zu einer Reindustrialisierung der USA führen, neue Arbeitsplätze schaffen, das Handelsbilanzdefizit verringern und die Steuereinnahmen erhöhen. Zölle sind natürlich auch ein Druckmittel in Verhandlungen.
Was bedeutet all das für die Welt?
Die Weltwirtschaft ist extrem verflochten. Viele Firmen sind international, über die Kontinente hinweg, engagiert. Diese fein gesponnenen ökonomischen Beziehungen könnten teilweise zerstört werden. Und darunter werden dann auch die amerikanischen Konsumenten und Unternehmen leiden.
Auch die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen leiden und schwanken. Grundsätzlich zahlen die Importeure die Zölle. Wer sie am Schluss jedoch wirklich trägt, hängt davon ab, wie gefragt ein Produkt ist. Die meisten Unternehmen werden versuchen den Zoll auf ihre Kunden abzuwälzen. Gibt es keine wirkliche Alternative zu einem bestimmten Produkt, dann wird das Unternehmen mit dieser Strategie erfolgreich sein, sonst jedoch nicht.
Viele Produkte werden durch Zölle teurer, die die Inflation anheizen. Die Nachfrage sinkt dann gleichzeitig nach vielen Waren, und das wird wieder die Konjunktur belasten. Eine Stagflation, eine Kombination von Inflation und stagnierender Wirtschaft, wäre dann das schlechteste Resultat.
Auswirkungen auf den US-Dollar
Würden die Zölle dazu führen, dass die Produktion verstärkt und eben von vielen Unternehmen in die USA verlagert werden würde, verknappt sie dort das Arbeitsangebot (bei einem Arbeitsmarkt, der ohnehin schon eng ist), was zu höheren Löhnen und daraus folgend einem höheren Preisdruck führt. Reagiert dann die US-Notenbank Fed mit einer restriktiveren Geldpolitik und überkompensiert den Preisanstieg, dann würde der US-Dollar davon profitieren.
Aktuell jedoch ist das Hin und Her in der Handelspolitik nicht der einzige Grund für den schwachen US-Dollar. Ein großes Problem ist auch die fehlende Budgetdisziplin in den USA. Trumps umstrittenes Steuergesetz „One Big Beautiful Bill Act“ bringt, falls nach dem Repräsentantenhaus auch vom Senat angenommen, eine gigantische Steuersenkung und wird das bereits enorm hohe US-Defizit weiter erhöhen. Viele Anleger:innen erwarten, dass die amerikanische Regierung künftig deutlich mehr Schulden machen muss. Daher fordern sie höhere Zinsen auf US-Staatsanleihen, Treasuries, da sie ja als Anleger:innen dem Staat Geld borgen. Die Renditen der US-Treasuries bewegten sich vergangene Woche deutlich nach oben.
Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA
Am 16. Mai stufte die Ratingagentur Moody´s die Kreditwürdigkeit der USA von der höchsten Stufe Aaa herab. Somit sind die US-Staatsanleihen, nur ein reines AA+/Aa1-Investment mit jedoch stabilem Ausblick. Für das nächste Jahrzehnt wird ein stetig steigendes Defizit erwartet, was vor allem auf Sozialleistungen, steigende Zinszahlungen und verlängerte Steuererleichterungen zurückzuführen ist. Die Netto-US-Verschuldung könnte auf beachtenswerte 134 % des BIPs steigen.
Es bleibt volatil
Die momentane Normalität sieht so aus, dass der US-Präsident mit der Zollkeule droht, und die Börsenkurse tauchen ab. Unter dem Eindruck der harschen Marktreaktion rudert Donald Trump dann wieder zurück und setzt auf Deeskalation. Worauf sich die Märkte wieder erholen. Und die Schleife geht dann in die nächste Runde.
Anhaltend wichtig ist, auf eine breite Streuung und somit Diversifikation zu achten, sowohl im Anleihen- als auch im Aktienteil.
Wir als aktive Fondsmanager:innen für die Avantgarde- und TOP-Fonds in der Steiermärkischen Sparkasse haben in den variablen Publikumsfonds die Aktien-Anleihen-Quote wieder etwas gesenkt – auf neutral. Da das Momentum auf der Seite Europas und im Speziellen auf der EU liegt – auch aufgrund großer Investitionsvorhaben – haben wir Europa / die Eurozone zu Lasten der USA etwas erhöht.
Und einmal mehr ist es in diesen hochvolatilen und sehr schwankungsintensiven Finanzmärkten von Vorteil, den sogenannten Cost Average Effekt – das Durchschnittskostenprinzip – vorteilhaft zu nutzen in Form eines s Investmentplans, eines zum Beispiel monatlichen Ansparplans.
CEB
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