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Fonds-News KW 17 | 23.04.2025
Handelskrieg der Giganten: USA versus China
Der sich rapide verschärfende Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China, den wichtigsten geopolitischen Mächten der Welt, droht beiden Volkswirtschaften schweren Schaden zuzufügen und weltweit Schockwellen auszusenden.
China – Hauptziel der neuen US-Zollpolitik
Während US-Präsident Donald Trump im Rahmen seiner „reziproken“ Handelspolitik eine 90-tägige Aussetzung der meisten neuen Zölle angekündigt hat, nachdem über 75 Länder dagegen Einspruch erhoben hatten, hat er die Zölle auf chinesische Importe drastisch auf 145 % erhöht. Damit ist China das am stärksten betroffene Land im fortschreitenden Handelskonflikt. Die chinesische Führung hat Trump aufgefordert, die Zölle „vollständig aufzuheben“ und „auf den richtigen Weg des gegenseitigen Respekts zurückzukehren“. Doch obwohl Trump inzwischen Smartphones, Laptops und andere Unterhaltungselektronik von seinen „reziproken“ Zöllen ausgenommen hat, unterliegen die meisten chinesischen Waren weiterhin den Zöllen.
Handelskrieg – Wer ist der größere Verlierer?
Beide Volkswirtschaften sind eng miteinander verflochten. Die jahrelange wirtschaftliche Zusammenarbeit hat beiden Ländern geholfen. Amerikanische Verbraucher hatten einen billigen Zugang zu Kleidung, Schuhen, Elektronik wie iPhones und anderen Konsumgütern, was die Lebensqualität der Mittelschicht erhöht hat. China hat den US-Handel genutzt, um die Produktion auszuweiten und dutzende Millionen seiner Bevölkerung aus der Armut zu befreien. In den Vereinigten Staaten von Amerika bestand die Kehrseite dieses Arrangements darin, dass billige Waren aus China die US-Industrie überschwemmt haben, von der Stahlerzeugung im Rust Belt bis zur Möbelherstellung in North Carolina. Chinakritiker in Washington argumentieren nun, dass die USA ihren „Feind“ erst zur Supermacht aufgebaut haben, indem sie ihre Sucht nach billigen Konsumgütern befriedigt haben.
Sollten Trumps umfassende Zollpläne in der aktuell angekündigten Form umgesetzt werden, wird das zu einer Entkopplung der beiden Volkswirtschaften führen. Die USA und China tauschten allein im Jahr 2024 Waren im Wert von fast 600 Milliarden US-Dollar aus – Ströme, die seit langem ein riesiges Netzwerk gemeinsamer Interessen bilden und als mächtige Eskalationsbremse dienen.
Trumps Zoll-Taktik geht davon aus, dass die Androhung massiver Konsequenzen China zu Verhandlungen zwingen wird. Aber China unter Druck zu setzen könnte nach hinten losgehen, angesichts seines enormen wirtschaftlichen Gewichts und seiner Sensibilität für Kränkungen durch westliche Mächte, die es als Versuch ansieht, seinen globalen Aufstieg zu vereiteln.
China sucht nach Alternativen
Die Zölle wiederum belasten die chinesischen Exporte, verschärfen die Überkapazitäten und verstärken den deflationären Druck. Peking bemüht sich daher aktiv um eine Diversifizierung seiner Handels- und Investitionsbeziehungen. Die laufenden Gespräche mit Japan und Südkorea sowie die Vertiefung der Beziehungen zu den ASEAN-Staaten sind ein bewusster Schritt zur Entwicklung alternativer wirtschaftlicher Verflechtungen. Diese Bemühungen sind jedoch nicht ganz einfach – abweichende Regulierungsstandards, geopolitische Rivalität und sich überschneidende regionale Interessen könnten ihrem Erfolg im Weg stehen.
Daher setzt Peking zunehmend auf eine strategische Neuausrichtung im Inland. Kern dieser Strategie ist ein erneuter Fokus auf die Stärkung von Einkommen und den Konsum der privaten Haushalte. Zu den im März angekündigten Maßnahmen zählen Anpassungen bei der Mindestlohnregelung, die Ausweitung von Renten- und Arbeitslosenleistungen sowie gezielte Subventionen zur Entlastung bei der Kinderbetreuung – allesamt Schritte, um strukturelle Hürden für den privaten Konsum abzubauen. Noch bemerkenswerter ist jedoch, dass Chinas Führung unter Xi Jinping erstmals den Binnenkonsum zum zentralen Pfeiler der nationalen Wirtschaftspolitik erklärt hat. Die Abkehr von einem export- und investitionsgetriebenen hin zu einem konsumorientierten Wachstumsmodell war lange angekündigt – nun scheint dies gezielt umgesetzt zu werden. Der Handelskonflikt mit den USA könnte sich dabei als Katalysator erweisen.
Die Geldpolitik der chinesischen Zentralbank (People’s Bank of China) zieht mit den fiskalischen Maßnahmen an einem Strang. Die jüngsten Abwertungen des Yuan unterstreichen Pekings Strategie, den Exportdämpfer abzufedern, ohne Kapitalabflüsse oder Instabilität am Finanzmarkt zu riskieren. Weitere geldpolitische Lockerungen gelten als wahrscheinlich. Im Raum stehen gezielte Liquiditätsspritzen, Leitzinssenkungen sowie zusätzliche Maßnahmen zur Stützung der Kreditvergabe. Parallel koordiniert sich die Zentralbank eng mit staatlichen Fonds, um die Marktliquidität sicherzustellen und die Volatilität einzudämmen.
Chinas technologische Aufholjagd
Des Weiteren setzt China einen Schwerpunkt im Bereich der künstlichen Intelligenz. Und die Strategie der Regierung, KI als wichtigen Motor des Wirtschaftswachstums zu fördern, beginnt Früchte zu tragen: Investitionen fließen gleichermaßen in Start-ups und etablierte Unternehmen. Es wird erwartet, dass sich die Einführung von KI in allen Branchen beschleunigen wird, was den langfristigen Wachstumsaussichten zugutekommen dürfte. Nirgendwo wird dies deutlicher als im rasanten Aufstieg von DeepSeek, dem KI-Startup, das mit seinem günstigen Large Language Model (LLM) die Aufmerksamkeit des Marktes auf sich gezogen hat. Der Aufstieg des Unternehmens signalisiert sowohl technologische Reife als auch einen potenziellen Wendepunkt.
Jetzt in China investieren?
Die Marktstimmung bleibt angesichts des eskalierenden Handelskriegs fragil und wird zusätzlich durch inländische Herausforderungen wie Deflation, schwachen Konsum und noch immer nicht gelöste Immobilienmarktverwerfungen belastet. Dennoch bietet der technologische Aufschwung, wie er durch Unternehmen wie DeepSeek reflektiert und durch kontinuierliche staatliche Unterstützung gefördert wird, einen positiven Ausgleich zur vorherrschenden Marktunsicherheit. Zudem machen die derzeitigen Bewertungsabschläge chinesischer Aktien sie im internationalen Vergleich attraktiv. Für langfristig orientierte Anleger:innen, die bereit sind kurzfristige Volatilität in Kauf zu nehmen, könnten chinesische Aktien ein interessantes Investment darstellen.
Auch in den Fonds der Steiermärkischen Sparkasse haben wir chinesischen Aktien innerhalb der Emerging Markets Quote hervorgehoben. Dennoch bleibt es wichtig innerhalb der Aktien breit diversifiziert zu sein, um Risiken über verschiedene Länder, Regionen und Branchen hinweg zu streuen und Chancen nützen zu können. Ihre Kundenbetreuer:in berät Sie sehr gerne!
MH
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