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Fonds-News KW 10 | 04.03.2025
Zoll – das Lieblingswort von Donald Trump
Donald Trump war 45. Präsident der USA und ist nach seiner erneuten Wahl im November des Vorjahres seit 20. Jänner 2025 auch der 47. amerikanische Präsident. Obwohl aus seiner ersten Amtszeit sein Arbeitsstil vertraut war, musste man nun sehr schnell erkennen, dass die Einarbeitungszeit ins Amt deutlich rascher erfolgt ist und das Tempo, mit dem er fast täglich einschneidende Maßnahmen verkündet, raubt vielen den Atem.
Vor der Wahl sagte er wiederholt in Wahlkampfreden: „Für mich ist das schönste Wort im Wörterbuch der ‚Zoll‘; es ist mein Lieblingswort.“
Im Herbst des Vorjahres gab es unter Journalisten, Wirtschaftsfachleuten und Regierungen noch Diskussionen wieviel vom Wahlkampfgetöse in der Wirklichkeit ankommen wird. Diese Diskussion ist passe. Die Ankündigungen, Dekrete und sonstigen Umsetzungsmaßnahmen zeigen, wie entschlossen Donald Trump seine Ziele verfolgt. Vor allem Zölle, also Abgaben auf die Einfuhr von Waren, sind für ihn ein geeignetes Mittel das gewaltige Handelsbilanzdefizit seines Landes abzubauen. So beträgt das Handelsbilanzdefizit mit der EU rund 150 Milliarden Euro jährlich. Die USA importiert also um 150 Milliarden Euro EU-Waren mehr als sie US-Waren nach Europa exportiert. Diese Entwicklung ist schon sehr lange zu beobachten und Donald Trump fühlt sich von Europa nach eigenen Worten übervorteilt, er nennt das „eine Schande“. Gegenüber China beträgt das Handelsbilanzdefizit sogar umgerechnet rund 242 Milliarden Euro.
Aber auch andere Länder wie Mexiko, Kanada oder China sind in seinem Fadenkreuz. Meist sind die Gründe wirtschaftlich begründet, manchmal dienen die Zolldrohungen auch dem Erreichen anderer Ziele. So setzte er die Grenzsicherung mexikanischer Soldaten durch oder erzielte Fortschritte bei der Drogenbekämpfung in Kanada.
Bei den meisten Ländern oder Regionen stehen aber wirtschaftliche Interessen im Vordergrund und sind Teil seines MAGA („Make America great again“)-Plans.
2018 führte Washington Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte ein. Trump nutzte dafür eine Rechtsvorschrift, die Beschränkungen erlaubt, wenn Einfuhren die nationale Sicherheit der USA beeinträchtigen könnten. Die EU reagierte mit Vergeltungszöllen auf Harley-Davidson-Motorräder, Bourbon-Whiskey und Jeans. Auch der transatlantische Streit wegen unzulässiger Beihilfen für Airbus und Boeing eskalierte.
Wie wirken Zölle auf die Wirtschaft?
Zölle haben auf den ersten Blick Vorteile für ein Land wie die USA, da sie Importe aus dem Ausland teurer machen und den Absatz heimischer Produkte bevorzugen. Die heimische Industrie wird geschützt und die höhere Nachfrage generiert Arbeitsplätze oder sichert bestehende ab. Auch wird das Wirtschaftswachstum im eigenen Land gefördert und schafft weiteren Wohlstand. Das ist alles richtig und vorteilshaft, wenn es nicht auch eine Kehrseite dieser Medaille geben würde.
Die Einführung neuer Zölle führt bei aggressiver Vorgangsweise zu Vergeltungsmaßnahmen in Form von Gegenzöllen, die bis zu einem regelrechten Handelskrieg ausarten können. Auch können Produkte, die in den USA produziert werden, möglicherweise teurer werden, wenn die Vorleistungen größtenteils importiert werden müssen und somit das Gesamtprodukt teurer wird. In der heutigen Wirtschaftswelt sind die Produktionsketten und Lieferketten derart verschachtelt und komplex, dass Unternehmen oft selbst nicht genau wissen, wie hoch der dann neu zu verzollende Anteil eines Produktes ist. Die Verunsicherung in der Wirtschaft wird somit massiv gefördert. Die Erhöhung der Produktionskosten und die Steigerung der Preise könnten trotz theoretischen Einmaleffekt solcher Zölle zu einem Ansteigen der Inflationsrate führen, welche sich verselbständigt und weit über das Maß der eigentlichen Zolleinführung hinausgeht.
Nachhaltig höhere Inflation bringt aber auch die Notenbanken auf den Plan ihre im Vorjahr begonnen Zinssenkungsrunden zu überdenken. So ist es nicht verwunderlich, dass die US-Notenbank FED in den letzten Wochen die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen deutlich zurückschraubte. Die FED kündigte eine Zinssenkungspause an und will nun abwarten, welche Implikationen die von Trump angekündigten Zölle haben werden. Wenngleich die letzten Konsumentenvertrauensdaten in den USA enttäuschten, so läuft die Wirtschaft in den USA robust und somit ist die Position des Abwartens der FED durchaus nachvollziehbar. Europa kämpft hier mit deutlich geringeren Wachstumsraten, sodass hier im Gegensatz zu den USA weitere Zinssenkungen der EZB (Europäische Zentralbank) vom Markt als gegeben angenommen werden.
Wäre die FED am Ende des Tages aufgrund erhöhter Inflation wegen der neuen Zölle sogar gezwungen die Zinsen wieder zu erhöhen, würde die wirtschaftliche Entwicklung in den USA belastet werden und die Vorteile einer Zolleinführung würden zum klassischen Bumerang werden. Aber auch für Europa oder China sind die Einführung von Zöllen für die ohnedies nicht überschäumende wirtschaftliche Entwicklung sehr belastend. Andere Länder, vor allem in Asien, welche noch nicht auf der Zollliste von Donald Trump stehen, könnten als die heimlichen Profiteure aus den gegenseitigen Zolleinhebungen hervortreten. Ähnlich wie 2018 bei den ersten Zolldrohungen von Donald Trump wichen vor allem chinesische Firmen in das benachbarte Ausland aus, um dort die Waren herzustellen und von dort ohne zusätzlichen Zollbelastungen in die USA zu liefern.
Wen treffen Zölle?
Es würde aber einen völlig falschen Eindruck erwecken, wenn man so tut, als wäre die Welt bis heute zollfrei gewesen. Zölle sind trotz großer Bemühungen eines freien Handels aktuell allgegenwärtig. Europa hebt für viele Produkte kräftige Zölle ein. Und so spricht Donald Trump stets von „reziproken Zöllen“. Also Zölle, die genau den bestehenden Zöllen entgegentreten sollen. Bei Fahrzeugen wie Pkw und Lkw verlangt die EU einen um knapp 6 Prozent höheren Zoll als die USA. Schließt Trump die Lücke, wären in diesem Bereich deutsche Exporte im Wert von rund 34 Mrd. Euro betroffen. Ein schwerer Schlag für die Autoindustrie, die sich ohnehin in einem kostspieligen Transformationsprozess weg vom Verbrenner zur E-Mobilität befindet und nochmals belastet wird. Daneben ist vor allem auch der Maschinenbau in ähnlicher Dimension getroffen. Die EU verlangt bei der Einfuhr von Stahl und Aluminium hohe Zölle, vor allem höher als die USA. Und so müssen Forderungen von Donald Trump nach 25-Prozent-Zöllen für EU-Produkte richtig eingeordnet werden. Sie schmerzen gewaltig, folgen aber sehr wohl einer Logik.
Nun ist EU-Verhandlungsgeschick gefragt
Auch wenn die Logik zum Teil nachvollziehbar ist, die Märkte blicken gespannt und verunsichert auf die aktuelle Entwicklung. Unsicherheit, die im Moment keiner brauchen kann. Die Märkte haben auf der Technologieseite mit dem deutlich kostengünstigeren chinesischen Pendant „Deepseek“ erst vor ein paar Wochen einen Brocken zu verdauen bekommen. Da sind weitere Verunsicherungen auf der Zollseite wenig hilfreich, zumal die westlichen Märkte schon gut gelaufen sind und eine Verschnaufpause durch weitere Zollankündigungen provoziert werden könnte.
Trumps Politik schafft auch völlig neue Chancen auf den Märkten
Trump wäre aber nicht Trump, wenn er den Börsen nicht auch neue Perspektiven aufzeigen würde. So würde ein Friedens- oder Waffenstillstandsabkommen und der damit in Fahrt kommende Wiederaufbau in der Ukraine mit geschätzten Kosten von 500 Milliarden US-Dollar eine riesige Nachfrage generieren. Gelingt dieser Prozess nicht und ist Europa weitgehend auf sich allein gestellt die Situation in der Ukraine zu managen, sind gewaltige Investitionssummen in Europa notwendig. Diese würden aber Nachfrage und Beschäftigung generieren, erhöhen aber auch den Kapitalbedarf der führenden europäischen Länder, was wiederum die Kapitalzinsen mittelfristig nach oben treiben könnte.
Wer langfristig diversifiziert braucht nicht ständig auf Trumps Wortmeldungen warten
Die Politik Trumps, Zölle und andere wirtschaftliche Ankündigungen. werden auch an den Börsen ihre Spuren hinterlassen. Die Risiken werden zunehmen, daneben werden aber zusätzliche Chancen entstehen. Für den Anleger bedeutet dies wachsam und flexibel zu bleiben. Vor allem aber gilt weiterhin die Devise möglichst breit aufgestellt zu sein und den Fokus auf die langfristigen Wachstumsmöglichkeiten der Märkte zu lenken. Hierfür sind vor allem breit aufgestellte Investmentfonds das Mittel der Wahl. Wir in der Steiermärkischen Sparkasse haben mit den erfolgreichen und prämierten hauseigenen Investmentfonds auch für Sie, als wirtschaftlich interessierte/n Leser:in, die passenden Investmentinstrumente. Kommen Sie zu uns und nutzen Sie unsere Expertise!
WF
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