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Fonds-News KW 40 | 01.10.2024
Inflation Eurozone im Tiefflug und China an der Börse im Höhenflug
Inflationsraten sinken
Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im September zwar etwas eingetrübt, doch erfreulich für die EZB, die Europäische Zentralbank, ist, dass sich die Inflationserwartungen der Verbraucher im August verringert haben. Laut einer Umfrage der EZB erwarten die Konsumenten auf Sicht von 12 Monaten eine Preissteigerung um 2,7 % - dies ist der niedrigste Wert seit September 2021.
Die Inflationserwartung für die nächsten drei Jahre haben sich ebenfalls leicht verringert. Hier wird nun mit einer Inflation von 2,3 % gerechnet. All diese Erwartungshaltungen können sich noch weiter verbessern, sobald sich der Trend der sinkenden Inflationsraten bestätigt.
Erste konkreten Daten zur Inflation gab es zwischenzeitlich aus Frankreich, die niedriger als erwartet ausfielen. Die Inflationsrate fiel von 2,3 % im Juli auf 1,8 % im August. Die Inflation in Spanien hat sich ebenso stark abgeschwächt. Im September stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um nur mehr 1,7 % nach 2,4 % im August und nach 2,9 % im Juli. Die Inflation ist in Spanien somit zum vierten Mal zurückgegangen. In Italien hat sich der Preisauftrieb im September ebenso deutlich abgeschwächt. Die Inflation fiel von 1,1 % auf 0,7 %. Die italienische Inflationsrate liegt so merklich unter dem Inflationsziel der EZB, die ja auf mittlere Sicht eine Rate von 2 % für den gesamten Währungsraum anstrebt.
Und last but not least ist die deutsche Inflation auch gesunken und zwar von 1,9 % im August auf 1,6 % im September, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden in einer ersten Schätzung mitteilte. Die jährliche Kerninflation, bei der Nahrungsmittel und Energie ausgeklammert werden, wird auf 2,7 % geschätzt, verglichen mit 2,8 % im August.
Somit ist die Inflation in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit rund dreieinhalb Jahren gefallen. Niedriger war die Teuerungsrate zuletzt im Februar 2021. Vor allem für Energie mussten Verbraucher im September deutlich weniger zahlen als im August (minus 7,6 %), während die Preise für Lebensmittel leicht zulegten (im Schnitt wurden 1,6 % mehr verlangt als im September 2023) und sich Dienstleistungen mit 3,8 % durchschnittlich verteuerten. Viele Unternehmen versuchen, gestiegene Personalkosten an ihre Kunden weiterzureichen.
Schon in den vergangenen Monaten hat sich der Preisauftrieb deutlich abgeschwächt. So lag die Inflationsrate im August bei 1,9 % nach 2,3 % im Juli. Die viel beachtete Kerninflation ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel ging ebenso leicht zurück von 2,8 % auf 2,7 %.
Preisdruck nimmt stetig ab
Ökonomen gehen davon aus, dass die Inflation weiter sinkt. In ihrem kürzlich veröffentlichten Herbstgutachten rechnen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für das laufende Jahr mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 2,2 % nach sage und schreibe 5,9 % 2023. Im kommenden Jahr werde dann die Inflation nur noch bei 2,0 % liegen.
Nach einer aktuellen Umfrage des ifo-Instituts wollen immer weniger Unternehmen in Deutschland ihre Preise erhöhen. Die Ifo-Preiserwartungen sanken im September auf den niedrigsten Wert seit Februar 2021.
Konsum stockt trotzdem
Die Konsumlaune der Verbraucher in Deutschland wurde jedoch bis dato, durch den Rückgang der Inflation, noch nicht angekurbelt, trotz gestiegener Löhne. Die Wirtschaftsexpert:innen hielten in ihrem Herbstgutachten fest, dass viele Menschen ihr Geld lieber auf die hohe Kante legen, anstatt es in den Bau eines Eigenheims oder für den Konsum auszugeben.
Für die derzeit schwächelnde Konjunktur sind das keine guten Aussichten, gilt der private Konsum doch als wichtige Stütze für die schwache deutsche Wirtschaft, die am Rande der Rezession steht. Expert:innen machen für den stockenden Konsum auch die auf längere Sicht gesunkene Kaufkraft der Verbraucher verantwortlich. Ursprünglich hatte der russische Angriff auf die Ukraine eine Inflationswelle ausgelöst, in deren Folge die Energiepreise rasant gestiegen sind.
Sinkt die Inflation in Deutschland und im Euroraum insgesamt, würde das der EZB Spielraum für weitere Leitzinssenkungen verschaffen. Die erste Zinssatzsenkung hat es ja nach der Inflationswelle im Juni gegeben, gefolgt von einer weiteren um 0,25 % auf 3,5 % für den richtungsweisenden Einlagenzinssatz. An den Börsen wird mit großer Wahrscheinlichkeit mit weiteren Zinsschritten in den kommenden Monaten gerechnet. Ob das jedoch bereits im Oktober der Fall sein wird, ist fraglich.
Man muss auch festhalten, dass für die EZB die binnenwirtschaftlichen Preisentwicklungen im Vordergrund stehen, und die sind auch in Deutschland weit über 2 %. Auf die Energiepreise hat die EZB wenig Einfluss, und es ist auch kaum einschätzbar, wo die Reise an den Öl- und Gasmärkten angesichts immer größerer geopolitischer Spannungen hingehen wird.
Risk on: Zinssenkungen befeuern die Spekulation
Die Geldpolitik wird von Amerika über Europa bis nach China gelockert. Riskantere Investments wie Aktien und Kryptowährungen sind damit vermehrt gefragt. Chinas Zentralbank senkt die Zinsen und versorgt den heimischen Aktienmarkt zusätzlich mit Liquidität. Die Börsen in Hongkong und auf dem chinesischen Festland haben in einer ersten Reaktion einen Freudensprung hingelegt.
Doch nicht nur in China wird die Geldpolitik gelockert. Auch die EZB, die Bank of England, die Schweizerische Nationalbank, die Bank of Canada, sowie die Zentralbanken Dänemarks und Neuseelands blasen ins selbe Horn. Auch in Schweden hat die Riksbank die Zinsen gesenkt.
Und so tat es auch die Fed, die US-amerikanische Zentralbank Federal Reserve. Die Märkte spekulieren darauf, dass die Liquidität weiter zunehmen wird. Förderlich wirken derzeit ebenso der schwächere US-Dollar, der Rückgang des Ölpreises, sowie niedrigere Renditen am Bondmarkt und die Aussicht auf weitere Gewinnsteigerungen der Unternehmen. Das für heuer erwartete Gewinnwachstum beträgt für den globalen Aktienmarktindex + 6,2 % (J/J) und im nächsten Jahr + 12,3 % (J/J).
Das Risk Barometer der NZZ signalisiert Auftrieb. Der S&P 500 handelt in den USA auf Rekordniveau. Auch einige Aktien aus dem Halbleitersektor verzeichnen seit der Fed-Entscheidung einen beachtlichen Kursgewinn. Kryptowährungen, wie Bitcoin und Ethereum, haben ebenso einen Satz nach oben gemacht. Es gilt jedoch zu beachten, dass die Schwankungsbreite, die Volatilität, sehr hoch bleibt. Kryptowährungen fungieren wie eine Wette auf den amerikanischen Aktienmarkt, mit einem Hebeleffekt.
Der US-Versorgersektor (Utilities) profitiert besonders vom anhaltenden Boom rund um die Künstliche Intelligenz AI. Die dafür erforderlichen Rechenzentren benötigen sehr große Mengen an Elektrizität. Die Gewinnschätzungen für diesen US-Verbrauchersektor sind daher heuer und im nächsten Jahr positiv. Für 2024 wird ein Gewinnwachstum von + 8,7 % erwartet und nächstes Jahr ein Gewinnanstieg um + 10,0 % (J/J) prognostiziert.
Chinas Notenbank lockert Geldpolitik
Chinas Notenbank, die Peoples Bank of China, hat die Finanzmärkte Ende September mit einer weiteren Lockerung der geldpolitischen Ausrichtung überrascht. Die Leitzinsen wurden um 0,2 % auf 1,5 % gesenkt. Darüber hinaus wurden die Kapitalerfordernisse für Banken um 0,5 % gesenkt, wodurch sich für den chinesischen Bankensektor der Spielraum für neue Kreditvergaben erhöht. Je nach Marktlage hat die Peoples Bank of China eine weitere Senkung der Kapitalerfordernisse im Ausmaß von 0,25 % bis 0,5 % in Aussicht gestellt. Um den stark angeschlagenen Immobilienmarkt und die Konjunktur zu stützen, wurde der Zinssatz für bereits bestehende Immobilienfinanzierungen um 0,5 % gesenkt. Zusätzlich wurde auch die mindestens erforderliche Eigenmittelquote bei Immobilienfinanzierungen von 25 % auf 15 % gesenkt.
Die Zinssenkung ist Teil eines umfassenden Programms zur Wiederherstellung des Vertrauens in die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. China leidet, abgesehen von der Immobilienkrise, an der hartnäckigsten Deflation seit Ende der Neunzigerjahre. Das chinesische Politbüro hat nun drei Themen im Fokus. Die Parteiführung nennt erstmalig klar die Notwendigkeit einer stärkeren, antizyklisch ausgerichteten Fiskalpolitik. Sie will auch den Preisverfall am Immobilienmarkt stoppen und Stabilität schaffen. Weiters will das Politbüro explizit die Haushaltseinkommen stützen – ein neuer wirtschaftspolitischer Fokus und eine klare Richtungsänderung in der Wirtschaftspolitik Pekings.
Die Details der fiskalpolitischen Massnahmen sind noch rar. Eindeutige Profiteure der Stützungspakete auszumachen ist noch nicht möglich. Der erste logische Nutznießer war bzw. ist der chinesische Aktienmarkt, der direkt von den Liquiditätshilfen der Peoples Bank of China profitiert. Das trifft sowohl auf den MSCI China, den CSI 300 Index mit den chinesischen A-Aktien und ebenfalls auf den Hang Seng in Hongkong, der zahlreiche Finanzinstitute und Immobilienentwickler umfasst.
In Erwartung von Stimulus Programmen in China könnten auch einige der Rohstoffmärkte und eben Preise für Kupfer, Eisenerz und Aluminium anziehen, sowie in Folge die Rohstoffaktien positiv performen.
Global diversifiziert veranlagen
Einmal mehr zeigt sich, dass eine breit aufgestellte, globale Aktienveranlagung auch die Emerging Markets, wie vorrangig China und Indien, sowie Asien-Pazifik enthalten sollte.
CEB
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