Mann auf Bürosessel über einen abwärts zeigenden Pfeil talwärts rasend

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Fonds-News KW 32 | 06.08.2024

Ausverkauf an den Börsen

Schwarzer Montag

Mit dem Sommerschlussverkauf – vorrangig in der Konsumgüterbranche - rechnet man zuweilen, ja, darauf freut sich der eine oder die andere Konsument:in sogar. Wohl nicht jedoch unbedingt mit dem Ausverkauf an den globalen Börsen, der zum Ausklang der letzten Woche gestartet ist und sich Anfang dieser Woche fortsetzte.

In Japan verlor der japanische Leitindex Nikkei 225 von Sonntag auf Montag weitere 12,4 %, nachdem das japanische Leitbarometer schon am Freitag letzter Woche fast 6 % eingebüßt hatte. Dies ist der heftigste Rückschlag seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011. Ebenso litten die Märkte in Taiwan oder Südkorea, allesamt techlastig.

In den USA setzte sich die Talfahrt an der zuletzt gut gelaufenen Technologiebörse Nasdaq schwungvoll fort. Die Sorgen über eine drohende Rezession in den USA hatten schon zuletzt die zunehmenden Hoffnungen auf eine Zinssenkung im September in den Hintergrund gedrängt. Es büßten jedoch auch die marktbreiten Indizes, wie ein Dow Jones Industrial oder ein S&P 500 kräftig ein.

Auch die europäischen Börsen müssen im Sog von Japan und den USA Federn lassen. An den Bondmärkten schickten die schlechten US-Arbeitsmarktdaten die Renditen stramm auf Talfahrt – vorrangig in den USA, jedoch schlossen sich die europäischen Staatsanleihen gleich mit an.

An den Währungsmärkten gab es ebenso ungewöhnlich starke Bewegungen, wobei der Euro zum US-Dollar davon profitieren konnte, dass die Renditen in den USA wesentlich stärker zurückgesetzt haben als in der Eurozone.

Ein Rückblick

An den Börsen herrschte bis vor kurzem – passend zum Sommer – noch viel Sonnenschein – zumindest an der Indexoberfläche. Der MSCI-Weltaktienindex kletterte bis Mitte Juli unbeirrt in die Höhe. Es waren jedoch wenige großkapitalisierte Aktien wie Nvidia, Microsoft oder Alphabet, die als Profiteure des Booms rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) galten. Der große Rest des Marktes kam seit Jahresbeginn nicht so stark mit.

Im Juni änderten sich dann die US-Inflationszahlen – die Teuerung sank gegenüber dem Vormonat. Damit wurden auch die Zinssenkungsphantasien neu belebt. Es profitierten jedoch vorrangig klein- und mittelkapitalisierte Werte, die sich speziell im Russell 2000 Index wiederfinden und Titel aus vernachlässigten, defensiveren Branchen wie Versorger / Utilities und Gesundheit / Healthcare. Aus der aktuellen Korrektur können sie sich jedoch ebenfalls nicht vollkommen entziehen.

Die Gründe

Auslöser der gegenwärtigen Verkaufswelle dürfte ein Mix aus Notenbankentscheiden, durchwachsenen Unternehmensresultaten und schwachen Wirtschaftsdaten gewesen sein. Schwache Arbeitsmarktdaten in den USA stehen dabei im Vordergrund. Die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft stieg um 114.000 an, was dem schwächsten Wert seit dem Ende der Pandemie entspricht. Zudem erhöhte sich die Arbeitslosenquote den vierten Monat in Folge auf 4,3 %. Dies löste einen von vielen Marktteilnehmern beobachteten Rezessionsindikator, die sogenannte Sahm-Rule aus. Dieses Barometer setzt den dreimonatigen gleitenden Durchschnitt Arbeitslosenquote in Relation zu ihrem Tiefpunkt der vergangenen zwölf Monate.

Die US-Notenbank Fed hat entgegen den leisen Hoffnungen im Markt die Leitzinsen noch nicht gesenkt und auf das nächste Treffen im September verwiesen. Noch wichtiger dürfte aber der Zinsschritt nach oben der Bank of Japan BoJ am Mittwoch vergangener Woche gewesen sein. Erst im März hatte die Notenbank die seit 2016 verfolgte Nullzinspolitik beendet.

Mit ihrem Zinserhöhungsschritt von 0,1 % auf 0,25 % stärkte die BoJ den japanischen Yen weiter. Das löste eine heftigere Bewegung im Währungspaar USD-JPY aus, was sich massiv auswirkt. Carry Trades werden aufgelöst, bei denen sich Spekulanten zu Nullzinsen im japanischen Yen verschuldet hatten und zu höheren Erträgen im Ausland angelegt haben. Der größte Leidtragende der Yen-Aufwertung ist aber schlussendlich die japanische Börse selbst. Diese plötzliche Währungsaufwertung in Japan war auch immer eine Gefahr, die über dem Nikkei 225 schwebte.

Wie könnte es weitergehen?

Nach den ersten Schockwellen sollte sich die Betrachtung der Fundamentaldaten wieder durchsetzen. Und jene fallen durchwegs positiv für Japan aus. Die japanischen Unternehmen haben die jahrzehntelange Deflation genutzt, um ihre Bilanzen zu sanieren und große Cash-Bestände aufzubauen. Dank den Strukturreformen, die noch der damalige Premier Shinzo Abe einleitete, wurden die Unternehmen durchwegs aktionärsfreundlicher und führen zum Beispiel riesige, liquide Mittel über Dividenden und Aktienrückkäufe zunehmend an die Aktionäre zurück.

Eine generell rasche Erholung an den Börsen hat erst dann Aussichten auf Erfolg, wenn die US-Wirtschaft tatsächlich ein Soft Landing hinlegen könnte. Das ist auch nach der jüngsten Eintrübung des Einkaufsmanagerindex für die Industrie und des schwachen Arbeitsmarktberichts von Freitag immer noch das Basisszenario der meisten Experten. Ein beherztes Eingreifen der Notenbanken dürfte Unterstützung bieten.

Notenbanken und Zinssenkungen

Eine Senkung des US-Leitzinses um 50 Basispunkte auf 4,75 % bis 5 % gilt momentan beim nächsten Fed-Treffen vom 17. / 18. September als ausgemacht. Es könnte jedoch auch wesentlich früher ein Zinsschritt nach unten gesetzt werden, eventuell schon in den nächsten Tagen. Immer mehr Marktteilnehmer:innen gehen davon aus.

Ist nun ein solcher außerordentlicher, noch dazu eventuell vorgezogener, Zinsschritt ein gutes Zeichen? Das wird sich erst herausstellen. Ob eine Rezession damit verhindert werden kann, ist ebenso offen.

Sollte sich das Basisszenario tatsächlich von einem Soft Landing in Richtung Rezession ändern, dann dürften die mittlerweile niedriger bewerteten Techtitel dennoch weiter korrigieren, ebenso die breiten US-Marktindizes.

Es bleibt unruhig an den Märkten

Jetzt heißt es zuerst einmal „Risk-off“ an den Finanzmärkten. Auch weniger skeptische Anleger:innen rechnen in Folge mit unruhigen, nervösen Märkten. Neben der sich eintrübenden Konjunktur werden vor allem die Angst vor einem Flächenbrand im Nahen Osten sowie die wieder offene US-Präsidentschaftswahl von Anfang November als belastend gesehen.

Was ist gefragt?

Die Anleger:innen verabschieden sich aus der Technologiebranche. Defensivere Branchen wie Versorger / Utilities und der Basiskonsum / consumer staples, also jene Konsumgüter, die konjunkturunabhängiger sind, werden nachgefragt. Zyklische Sektoren und Künstliche Intelligenz / KI-Gewinner und eben Technologiewerte rücken in den Hintergrund.

Es ist somit eine Flucht in „sichere Häfen“. Die wiederaufflammenden Rezessionsängste ließen die Rohstoffnotierungen und die Anleihenrenditen fallen. Der Volatilitätsindex Vix, der auf Basis von Optionspreisen die von den Anleger:innen erwarteten Kursschwankungen des S&P 500 ableitet, ist in die Höhe geschossen. Ebenso ausgeweitet haben sich die Spreads von Unternehmensanleihen Investment Grade und somit sehr guter bis guter Bonität als auch die Spreads der höher verzinsten und schlechter gerateten High Yield-Anleihen. Typische „sichere Häfen“ wie Gold, der japanische Yen und der Schweizer Franken neigten im Gegenzug zur Stärke.

Auch wir haben in den hauseigenen Fonds auf die jüngsten Marktturbulenzen reagiert. In den gemischten Aktien-Anleihen-Produkten wurde die Aktienquote um 10 % auf Untergewicht gesenkt. Innerhalb der Faktoren stehen nun die Value- und Dividendenwerte wieder stärker im Fokus, als auch die Minimum Volatility Strategien. Im Gegenzug wurden Wachstumswerte / Growthtitel gesenkt, die ja bekanntermaßen technologielastig sind.

Auf der Anleihenseite profitieren wir von einer längeren Duration im EUR-Staatsanleihen -Bereich. Mit Blick auf die Aktienmärkte und deren Korrekturen und auf Basis bereits gestiegener Spreads in den EUR-Unternehmensanleihen / Corporate Bonds haben wir diesen Bereich etwas reduziert zugunsten der EUR-Staatsanleihen.

Auch auf der Branchenseite haben wir den Korrekturen Rechnung getragen und die Sektoren Technologie und Telekommunikation, die ebenso techlastig ist, reduziert. Dafür wurden die konjunkturunabhängigeren Basiskonsumgüter / Consumer Staples und die Versorger / Utilities hervorgehoben, nebst der Gesundheitsbranche / Healthcare.

Solche Marktturbulenzen bringen Vorteile für das monatliche Ansparen, für den Investmentplan. Der Cost-Average-Effekt, das Durchschnittskostenprinzip, kommt nun voll zum Tragen.

CEB

 

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