Fonds-News KW 28 | 09.07.2024

Das Wertpapiersettlement in Nordamerika wurde beschleunigt

Eigentlich zählen die Wertpapiermärkte technologisch zur Avantgarde. Die schnellsten Akteure im Aktiengeschäft messen Handelszeiten in Millisekunden. Bei der Abwicklung und Abrechnung der Geschäfte, bis Papier und Geld endgültig den Besitzer wechseln, geht es allerdings gemütlicher zu.

Das sogenannte Settlement von Wertpapieren ist ein papierlastiger, komplexer und häufig noch manueller Prozess. In europäischen Märkten erfolgt das Settlement derzeit in 48 Stunden oder T+2, wie es in der Fachsprache heißt. Allerdings muss das globale Wertpapiergeschäft seit Kurzem mit einer Beschleunigung leben – und das sorgt für Aufregung in der gesamten Finanzbranche.

Der weltgrößte Kapitalmarkt, die USA, erlebte dazu eine tiefgreifende Reform: Die Frist für die Erfüllung von börslichen Finanzgeschäften halbiert sich auf einen Tag – T+1.

Gültig ist die Reform für sämtliche Wertpapiere in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko. Die US-Regulierer versprechen sich davon erhebliche Effizienzgewinne für Investoren. Die schnelleren Abwicklungszeiten reduzieren aber auch die Gefahr von Zahlungsausfällen und Risiken für das Finanzsystem.

In Europa teilen nicht alle Marktteilnehmer diese positive Sichtweise. Einer der größten, die europäische Lobby der Asset-Manager (Efama) hat dazu gewichtige Bedenken.

Denn mit den unterschiedlichen Regimes in Amerika und Europa erhöhten sich die Ansprüche an die Abwicklungssysteme, aber auch an das Risikomanagement von Fondsgesellschaften und anderen Vermögensverwaltern noch einmal deutlich.

Insbesondere, wenn Kauf- und Verkaufwährungen untereinander differenzieren. Das heißt: Es könnten große Fremdwährungsgeschäfte unvollendet bleiben.

Um dieses Risiko zu minimieren gründeten große Banken die CLS Bank International, um das Settlement globaler Wertpapiergeschäfte sicherer zu machen. CSL = Continuous Linked Settlement. Über die CLS werden täglich bis zu 6 Billionen US-Dollar in bis zu 18 Währungen abgewickelt.

Die Efama befürchtet nun, dass europäische Asset-Manager durch die verkürzten Abwicklungsfristen in den USA und die Zeitverschiebung für die Abwicklung ihrer Dollar-Geschäfte „nur noch sehr begrenzten Zugriff auf CLS haben“.

Laut einer Branchenumfrage der Lobby aus dem Frühjahr betrifft das bis zu 40 Prozent der Trades in Dollar-Währungspaaren. „Dass damit an normalen Handelstagen 50 bis 70 Milliarden Dollar in den wichtigsten Währungen der Welt aufs Spiel gesetzt werden, sollte bedeutende Sorgen wecken“, betont die Efama.

Anpassungsdruck für Europa?

Die europäische Finanzaufsicht Esma hat in einer Marktbefragung bereits Einschätzungen gesammelt. Bis zum Jahresende will sie der Europäischen Kommission ihren Bericht vorlegen.

Man kann davon ausgehen, dass die in der Efama gebündelten Vermögensverwalter und Pensionskassen, ebenfalls die Zeit nutzen werden bis zum Jahresende aus den  Erfahrungen der nordamerikanischen Marktteilnehmer zu lernen, um selbst Fehler zu vermeiden. Eine Umstellung auf T+1 müsste dann auf jeden Fall synchron in der EU, Großbritannien und der Schweiz ablaufen. Unterschiedliche Abwicklungsregime innerhalb Europas könnte sich die Finanzbranche nicht leisten.

HFG

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