Fonds-News KW 26 | 25.06.2024

Hohe Staatsverschuldung sorgt wieder für Diskussion

Was haben Kuwait, Turkmenistan, Hongkong und Tuvalu gemeinsam? Ganz einfach: Ihre Staatsverschuldung liegt im einstelligen Bereich, also unter 10% gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die klassischen Industriestaaten können davon ein Lied singen, ist deren Staatsverschuldung in den letzten drei großen Krisen seit 2007 (Finanzkrise, Coronakrise und Energiekrise/Ukrainekrise) gewaltig in die Höhe geschnellt. Die letzte Staatsschuldenkrise in Europa war 2010 und betraf vorwiegend Griechenland, das in Zuge vorgeschriebener Reformen im Rahmen einer europäischen Lösung aufgefangen wurde. Griechenland kämpft noch heute mit der hohen Staatsverschuldung, die aktuellen Wirtschaftszahlen sehen aber recht solide aus, zumindest besser als bei so manch anderem europäischen Staat.

War der Schuldenstand beispielsweise in Großbritannien 2007 bei 36% zum BIP so steht er heute (Stand Ende 2023) bei rund 100% des BIPs-Tendenz weiter steigend. In den anderen G20 Staaten sieht es kaum besser aus. Hier liegt Großbritannien aber „erst“ auf Platz sieben. Trauriger Spitzenreiter ist hier Japan mit 252%, gefolgt von Argentinien mit 154% und Italien mit 137% Staatsverschuldung. Danach folgt an 4. Stelle aber schon die große, mächtige USA mit ebenfalls bereits 122% Verschuldung zum BIP. Deutschland mit 64% ist hier nicht zuletzt aufgrund der Schuldenbremse, welche seit Jahren im Verfassungsrang steht, sehr gut positioniert. Österreich kommt mit Ende 2023 auf rund 78% des BIP, ein im Vergleich noch recht guter Wert, wenngleich auch hier die 60% Obergrenze zum BIP, die im Maastrichter Vertrag vereinbart wurde, schon seit 2004 überschritten ist.

Prinzip von mehr Schulden in der Krise, weniger in guten Zeiten funktioniert selten

Es zeigt sich, dass das Prinzip mehr Schulden in der Krise zu machen und diese in guten Jahren zurückzufahren bei den allerwenigsten Staaten funktioniert. Die Schweiz ist hier eine rühmliche Ausnahme (unter 30% des BIPs) und zeigt, dass es sehr wohl auch Mitten in Europa möglich ist, eine langfristig tragfähige Schuldenpolitik zu verfolgen. Auch diese haben ähnlich wie Deutschland eine Schuldenbremse, die wirkt.

Anstehende Wahlen erzeugen politische Unsicherheit

In ein paar Wochen stehen die Parlamentswahlen in Frankreich an, auch Großbritannien wählt Anfang Juli ein neues Parlament – das alles sind politische Herausforderungen mit denen Europa konfrontiert ist. In Österreich stehen im Herbst Nationalratswahlen auf dem Programm, in Deutschland im Osten wichtige Länderwahlen. Egal welche Regierung hier ans Ruder kommen wird - unpopuläre Maßnahmen scheinen unausweichlich, für Wahlgeschenke gibt es schlicht kein Geld. Vor diesem Hintergrund ist es auch besser verständlich, warum die EZB seit langer Zeit, und für viele Marktbeobachter voreilig, wieder die Zinsen begonnen hat zu senken. Jeder Prozentpunkt niedrigere Zinsen hilft in der Bewältigung des Schuldenbergs. Aber auch die Rentenmärkte reagieren nicht zuletzt wegen der hohen Schuldendienste verschnupft und das 2% Inflationsziel, welches die Notenbanken anstreben, wird langsamer als prognostiziert erreicht werden. Die Demographie, also die Überalterung der Bevölkerung nimmt im Zeichen der Babyboomer-Generation, die nun in Pension geht, rasch zu und die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter stößt auf hohe Nachfrage, welche das Lohnniveau tendenziell nach oben beeinflusst.

Europäische Börsen üben sich in Zurückhaltung

Die europäischen Börsen haben auf die hohe Staatsverschuldung, vor allem aber auf die politische Unsicherheit und der anstehenden Richtungswahlen in den zentralen Ländern Europas in den letzten Wochen verhalten reagiert und damit in der heurigen Performance ein ordentlicher Abstand gegenüber der KI-getriebenen (Euphorie in Aktien, die künstliche Intelligenz weiter vorantreiben) Performance der amerikanischen Börse aufgerissen. Dort werden trotz gutgehender Wirtschaft weiterhin zig Milliarden Euro Steuergeld, in Gestalt des IRA (Inflation Reduction Act) als staatliche Unterstützung der grünen Transformation in die Wirtschaft gepumpt. Die Wirtschaft in den USA läuft in einer Art Sonderkonjunktur und die Staatsverschuldung in den USA erklimmt aufgrund dieser keynsianischen „deficit spending“-Politik Höhen, die vor noch nicht allzu langer Zeit nicht für möglich gehalten wurden.

Galoppierende Neuverschuldung in den USA

Die USA erhöht aktuell rund alle 3 Monate (!) ihren Schuldenstand um 500 Milliarden Dollar. So war dieser Ende 2023 bei rund 34 Billionen Dollar, aktuell bereits bei rund 35 Billionen. Der Zinsendienst hat soeben die Höhe der jährlichen Militärausgaben, die in den USA gewaltig sind, überholt. Auch hier wird der neue oder neue alte Präsident ab 5.11. bzw. ab dem 20. Jänner 2025, dem Tag seiner Angelobung, lernen müssen, kleinere Brötchen zu backen. Die Spielräume werden enger, die Stimulierung für die Wirtschaft geringer und die ohnehin noch filigrane Wirtschaftsentwicklung sollte auf nicht zu starke staatliche Hilfe setzen. Die Machtblöcke dieser Welt werden gerade neu verschoben und definiert. Die Demokratien sind gefordert und die Wirtschaft muss wieder lernen möglichst eigenständig ihren Weg zu gehen. Dieses Dilemma steigender Verschuldung, leerer Staatskassen und strukturell schwächelnder Volkswirtschaften wird die Notenbanken in den nächsten Monaten begleiten. Nicht zuletzt deshalb kommt auch stets in regelmäßigen Abständen der Ruf weiterer Zinssenkungen sowohl in den USA als in Europa.

Notenbanken warten ab

Die Notenbanken haben historisch betrachtet stets den „sicheren“ Weg beschritten und die Zinsen so lange oben belassen bis die Wirtschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit eine starke Abkühlung erfahren hat und erst dann kam man seitens der Notenbanken mit starken Zinssenkungen um die Ecke, um die Wirtschaft zu stützen. Für heuer sind maximal ein bis zwei Zinssenkungen noch eingeplant und auch diese sind keinesfalls ausgemacht. Schlussendlich ein gutes Zeichen, da sie Ausdruck einer kontinuierlichen, prosperierenden Wirtschaft sind.

Erst wenn die Notenbanken kräftig mit den Zinsen nach unten gehen, sollte man nicht der letzte auf der (Börsen-) Party sein. Aktuell gibt es immer wieder leichte Schwächetendenzen in der weltweiten Wirtschaft, die Party ist aber weiter im vollen Gange und die Gäste sind noch alle hier. Das gibt uns Zeit ein paar Wochen ruhig unsere Batterien am Meer oder in den Bergen aufzuladen, bevor wir dann mit voller Energie in einen spannenden Herbst gehen. Bleiben Sie optimistisch, aber wachsam.

Und bedenken Sie bitte: Sind die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch dynamisch und unübersichtlich, eines bleibt immer stabil. Unsere Betreuer:innen sind stets zu Ihren Diensten. Kontaktieren Sie uns und lassen Sie sich beraten. Nehmen Sie unsere Expertise auch in allen Wertpapierfragen in Anspruch und planen Sie gemeinsam mit uns Ihren weiteren Vermögensaufbau. Wir freuen uns auf Sie!

WF

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