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Fonds-News KW 8 | 20.02.2024
Wann ist ein Aktienmarkt billig, wann teuer?
USA: Der Konjunkturmotor
Die letzten Konjunkturdaten in den USA zeigen ein gemischtes Bild, insgesamt bleibt unter dem Strich allerdings ein erstaunlich robuster Eindruck der amerikanischen Wirtschaft über. Zwar ist die Industrieproduktion in den USA im Januar leicht gesunken und auch die Kapazitätsauslastung war bescheidener. Die Arbeitslosigkeit bzw. die Erstanträge für Arbeitslosenhilfe sind jedoch auf tiefem Niveau nochmals gefallen und signalisieren de facto Vollbeschäftigung. Auch der Einzelhandel zeigt ein wenig nach unten, der Einkaufsmanager für die Industrie zeigt aber bereits wieder leicht nach oben. Der Markt musste in der Vorwoche vor allem die neuersten Inflationsdaten verdauen, da diese in den USA entgegen der Prognose sogar wieder leicht zulegten. Einmal mehr bestätigt sich, dass der Weg für einen weiteren Inflationsrückgang nun besonders schwer wird. Die Situation in Europa sieht nicht viel anders aus. Die Inflationsdaten zeigen nun einen langsameren Weg der Rückbildung an, anders als in den USA befindet sich Europa allerdings auf einen deutlich schwächeren Wachstumspfad und in einigen wichtigen Industrieländern wie Deutschland sind rezessionsähnliche Bedingungen gegeben. Dieser Zustand ist allerdings bekannt und in den Märkten eingepreist.
Der Aktienmarkt ist in den letzten Wochen mit Schwung ins neue Jahr gestartet. Seit dem Herbst des Vorjahres ist er nun in positivem Fahrwasser und die Frage, die es nun zu beantworten gilt, ist, ob die aktuellen Bewertungen am Aktienmarkt in Relation zu den genannten Wirtschaftsdaten zu vertreten sind oder der Hype vor allem in Bezug auf „Künstliche Intelligenz“ die Kurse zu weit haben laufen lassen.
Ist der Aktienmarkt noch günstig bewertet?
Was ist billig, was ist teuer? Diese grundlegende Frage ist in der Regel gar nicht so leicht zu beantworten. Gerade da dies trotz des Versuches möglichst objektiver Kriterien nach wie vor höchst subjektiv bleibt, haben wir auf den Börsen das Phänomen immer wiederkehrender Schwankungen.
Methoden zur Einschätzung von Märkten
Anleger:innen stehen eine Vielzahl von Methoden zur Verfügung, um aussichtsreiche Märkte zu identifizieren. Dabei sind diese Methoden grob in zwei Lager aufzuteilen, deren Anhänger:innen stets das andere Lager in dessen Methodik kritisiert. Die zwei Lager sind die technische Analyse (Charttechnik) und die Fundamentalanalyse. Beide Methoden haben völlig unterschiedliche Zugänge zum Markt und werden vor allem von unterschiedlichen Anleger:innen-Typen bevorzugt.
Professionelle Investor:innen wie beispielsweise Fondsmanager:innen präferieren aufgrund ihres langfristigen Horizonts die Fundamentalanalyse. Auch wird die Tatsache begrüßt, dass in die Fundamentalanalyse primär geschätzte Zukunftsdaten der Unternehmen einfließen. Aufgrund von Bilanzdaten und deren Ableitung in die Zukunft werden unterschiedliche Kennzahlen berechnet und dienen einerseits zur Normierung andererseits zur Vergleichbarkeit von Markteinschätzungen.
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
Aber auch Privatanleger:innen kommen an der Fundamentalanalyse nicht vorbei und schätzen vor allem Kennzahlen, die leicht zu berechnen sind und bei denen die Daten mit Hilfe diversester Quellen im Internet ohne viel Zeitwand nachzulesen oder selbst zu berechnen sind. Neben Kennzahlen wie Kurs-Buchwert-Verhältnis, Gewinnwachstumsrate oder Eigenkapitalrendite hat sich vor allem das einfache und damit effektive Maß des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) in der Praxis durchgesetzt. Eine Weiterentwicklung auf etwas anspruchsvollerem Niveau ist hierbei die Gewinne nicht aus dem aktuellen Geschäftsbericht zu entnehmen, sondern die zukünftigen Gewinnschätzungen der Analysten heranzuziehen. Hierbei verlässt man dann logischerweise die Ebene der Objektivität, sichert sich allerdings mit Zukunftsdaten zu agieren. Die aktuellen Börsenkurse sind ja stets die Einschätzung der Zukunft und nicht der Vergangenheit.
Was ist ein KGV eines Marktes und was sagt dies aus?
Nehmen wir jenen Aktienmarkt her, den wir schon am Anfang durch die aktuellen Wirtschaftsdaten ein wenig beleuchtet haben und deren Daten besonders genau sind. Der amerikanische Markt wird neben dem berühmten DowJones Index, vor allem vom breiten 500 Titel umfassenden S&P500 repräsentiert. Daneben existiert vor allem noch die NASDAQ als Börse von primär Technologietiteln und der Russel 2000 als Index für kleinere Unternehmen. Schauen wir uns für unser Beispiel den S&P500 Index an. Das Forward-KGV, also die KGV-Variante mit Zurhilfenahme von zukünftigen Gewinnschätzungen beträgt aktuell rund 20. Das KGV gibt an wie oft der Jahresgewinn erzielt werden müsste, um den aktuellen Aktienkurs bzw. in unserem Fall den Kurs des Index zu „verdienen“. Bei einem KGV (englisch: price-earnings ratio (kurz: P/E ratio)) von 20 sind also zwanzig Jahresgewinne anzusetzen. Der Kurs je Aktie/Index wird durch den Gewinn je Aktie/Index (=Bilanzgewinn durch ausstehende Aktien) geteilt. Aus der Berechnungsmethodik heraus wird ersichtlich, dass die KGV-Kennzahl möglichst niedrig sein soll, um von einem „tendenziell“ billigen Markt zu sprechen. Ein KGV von beispielsweise 15 ist also besser für den Investor als ein KGV von 25.
Ist ein KGV von 20 billig?
Wie billig oder wie teuer ist nun ein KGV von rund 20? Hierfür schauen wir uns am besten die historische KGV-Entwicklung dieses Index an. Da die historische Entwicklung an unterschiedlichen Märkten deutlich voneinander abweichen kann, ist nur ein Vergleich des gleichen Index sinnvoll. So hat der Technologiewertindex NASDAQ in der Regel ein höheres KGV als der S&P500, da durch dauerhaft höhere Wachstumsraten über die letzten Jahrzehnte die Gewinnsteigerungserwartung berechtigterweise höher ausfallen darf und damit höhere KGVs rechtfertigt. Der S&P500 hat historisch ein KGV mit einem Durchschnitt von 16,3. Damit ist 20 schlechter bzw. teuer wie sein langjähriger Durchschnitt. Damit können wir den S&P500 als aktuell etwas teurer einschätzen.
Da seine historischen KGV-Spitzen durchaus auch um die 24 oder sogar darüber waren, ist somit dennoch noch Luft nach oben und weitere Kursfantasien dadurch nicht getrübt. Die Sache ist aber hierbei aber zusätzlich noch etwas komplizierter, da wir aktuell im S&P500 den Sonderfall haben, dass einige Aktien (Apple, Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla) 2023 besonders gut performed haben und sich dies 2024 im Paket bisher mit Ausnahme von Tesla weiter fortsetzt. Gibt man noch die nächsten Verfolger hinzu erhält man für die Top 10 Werte im S&P500 Index ein KGV von 30. Dieses KGV liegt deutlich über dem Gesamtwert von 20 und drückt den restlichen Indextopf der verbleibenden 390 Werte in die Nähe seiner historischen Durchschnittwerte. Der S&P500 kann somit ohne die Top10 in seiner Breite als angemessen beurteilt werden.
Welche Elastizität hat das KGV?
Nachdem wir uns nun die absolute Höhe im Vergleich zur Historie angesehen haben, betrachten wir zum Schluss noch die Elastizität der KGV-Kennzahl. Logischerweise verändert sich das KGV mit steigenden Kursen und nimmt zu. Dies erfolgt langsam und kontinuierlich entsprechend der Indexentwicklung. In der Praxis viel relevanter sind die Daten im Nenner der Kennzahlendivision. Dort können Gewinnrevisionen rasch größere Veränderungen der zukünftigen Gewinnschätzungen auslösen. Ein geringer geschätzter Gewinn senkt somit den Nenner und erhöht das KGV; ein höherer Gewinn senkt bei gleichbleibendem Kurs das KGV. Entscheidende Einflussgröße für die weitere Entwicklung des KGV ist somit die zukünftige Gewinnerwartung und wieviel davon gefühlt schon in den aktuellen Kursen als Markterwartung enthalten ist.
Das KGV ist somit eine tolle Kennzahl, um spezifische Märkte rasch einschätzen zu können, die genaue Interpretation dieser Kennzahl und die zum Teil von Analyst:innen geschätzten Einflussgrößen, bedeuten aber stets einen subjektiven Einfluss auf diese Kennzahl.
Mit etwas Geschick hat der Investor in Form des KGVs ein Schweizer Messer in der Hand und hat gute Möglichkeiten interessante Märkte rasch für sich zu entdecken. Damit können Sie ähnlich wie die Börsengröße Warren Buffet aus Fundamentaldaten möglichst attraktive Märkte selektieren.
Wenngleich alle Marktteilnehmer:innen noch immer aufgrund der inversen Zinskurve wie das Kaninchen vor der Schlange auf eine drohende Rezession in den USA schauen, so sind die nach wie vor robusten Gewinnentwicklungen in den USA eine gute Basis, dem Markt eine angemessene Bewertung zu geben. Natürlich muss man weiterhin auf Sicht fahren, aber viele Kennzahlen, wie das soeben besprochene KGV, lassen die Ampel auf den Aktienmärkten weiterhin auf grün stehen. Für weitere Informationen und Anlagegespräche stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Nutzen Sie unser umfassendes Beratungsangebot im Wertpapierbereich!
WF
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