
Kistenweise gesunder Genuss
Willkommen bei den Erdlingen. In St. Leonhard am Hornerwald, mitten im Waldviertel, in einer Gegend geprägt von sanften Hügeln und grünen Wiesen, haben es sich Heinz Wagner und Martina Grill vor drei Jahren zur Aufgabe gemacht frisches, regionales Gemüse in garantierter Bioqualität anzubauen und zu verkaufen.
Mit vollem Eifer und ehrlich gelebter Regionalität ist es ihr Anliegen, naturnah angebautes Gemüse an jene Kundinnen und Kunden zu bringen, die Qualität schätzen und heimische Produkte bevorzugen. Wer die Erdlinge-Biokiste vom Biogemüse-Hof Wagner abonniert, kommt alle 14 Tage in den Genuss von verschiedenen saisonalen Gemüsesorten.
Heinz Wagner steht vor seinem Gewächshaus und deutet auf den Hügel gegenüber. Man erkennt die weißen Bahnen hinter den Baumstämmen, die Sonne steht tief. Das Vlies schützt den Radicchio. Ein wenig Zeit hat er noch, bevor er geerntet wird. Und auch der Rettich hält viel Frost aus, „er wird das letzte Gemüse sein, das wir vor dem Winter vom Feld holen“, erzählt er. Heinz stammt ursprünglich aus Eferding in Oberösterreich und ist mit der Landwirtschaft und dem Gemüseanbau groß geworden. „Ich wusste schon mit vier Jahren, dass ich Landwirt werden will. Ich bin aus beruflichen Gründen ins Waldviertel übersiedelt, habe in St. Leonhard vor zehn Jahren ein Haus gekauft und bin geblieben. In dieser Gegend muss man schon Ahnung von der Landwirtschaft haben, sonst ist es hart.“
Biogemüse direkt ins Haus geliefert
Nach beruflichen Veränderungen suchten Martina Grill und Heinz Wagner neue Herausforderungen und entschloss sich, Gemüse anzubauen und zu vermarkten. Seit der Gründung des Biogemüse-Hofs „Die Erdlinge“ sind drei Jahre vergangen und das Geschäft mit den Biokisten hat sich gut entwickelt. „Wir hatten damals einige Ideen im Kopf, aber der Zufall wollte es, dass wir einen bereits etablierten Kundenstock übernehmen konnten. Helmut Butolen hatte vor mehr als dreißig Jahren begonnen, Gemüse im rauen Waldviertel anzubauen und an bewusst lebende Menschen zu verkaufen. Damit wollen wir weitermachen.“ Das Bewusstsein bei den Konsumenten für einen gesunden Lebensstil steigt – und die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln und regionalen Produkten sowie die Lust am Kochen mit frischen Zutaten ebenso. Heute beliefert der Biohof rund 250 Kundinnen und Kunden von Langenlois bis Korneuburg, von Krems bis Wien. „Wir haben nach diesen drei Jahren fast ausschließlich Stammkunden, die ein Biokisten-Abo abgeschlossen haben und alle zwei Wochen von uns das saisonale Gemüse zugestellt bekommen“, erzählt die gelernte Gärtnerin Martina Grill.
Vielfalt dank ökologischer Landwirtschaft
Karotten, Kartoffeln, Zwiebel, Chioggia-Rüben, Paradeiser, Melanzani, Salat, Kohlsorten und vieles mehr: Es gibt kaum etwas, das auf den rund 5.000 Quadratmetern Fläche nicht angebaut wird, und von Jahr zu Jahr kommen neue Kulturen hinzu. Gewirtschaftet wird rein biologisch, und dabei sind den Gemüselandwirten der Erhalt und die Entwicklung der Felder besonders wichtig. Die Fruchtfolge, sprich der Feldwechsel, und auch immer wieder Gründüngungen anzubauen, damit sich der Boden wieder ausruhen kann, ist daher selbstverständlich.
Seit Herbst letzten Jahres steht das neue Gewächshaus. Und es ist nicht die erste Investition. „Wir haben zuallererst in Maschinen investiert, um die Arbeit zu zweit überhaupt bewältigen zu können. Letztes Jahr ist das Gewächshaus hinzugekommen und in ein bis zwei Jahren wollen wir in eine Mehrzweckhalle investieren“, so Wagner. Geerntet wird das Gemüse übrigens händisch, bei der Aussaat hilft die Familie mit, „und dieses Jahr im Sommer hatten wir Unterstützung von einem Lehrling aus der Gartenbauschule“, erzählt Martina Grill.
Lebensmittelkooperationen
Rund 100 Tonnen Gemüse werden auf dem Biohof jährlich geerntet. Das zweite Standbein der Erdlinge sind sogenannte Lebensmittel- oder Food-Kooperativen, die regelmäßig beliefert werden. Diese „foodcoops“, wie sie auch genannt werden, gibt es mittlerweile österreichweit. Dabei bestellt eine Gruppe Menschen gemeinsam große Mengen an Lebensmitteln und umgeht den Zwischenhandel. So bekommt der Produzent den Preis, den das Produkt tatsächlich verdient. Dabei steht der Handel mit ökologischen Lebensmitteln, von regionaler und fair gehandelter Ware im Vordergrund und so kommen auch Menschen mit kleinem Geldbeutel in den Genuss nachhaltig erzeugter und gehandelter Lebensmittel.
Vitamine das ganze Jahr
Im Gewächshaus gedeiht mittlerweile die vierte Kultur. „Das Gewächshaus war wichtig, um Fruchtgemüse wie Paradeiser, Schlangengurken und Melanzani anbauen zu können. Jetzt im Winter nutzen wir den Platz für verschiedene Salat- und Spinatsorten wie Winterpostelein, Hirschhornwegerich und Mangold, aber auch asiatische Salatvariationen wachsen hier hervorragend“, erzählt der Biogemüse-Bauer. „Gerade haben wir Tatsoi angepflanzt, damit wir auch im Winter immer etwas Grünes im Wagner-Gemüsekisterl haben.“ Auch für den Überschuss hat sich die Familie etwas überlegt und ihr drittes Standbein gefestigt. „Zum Glück haben wir inzwischen ein gut funktionierendes Netzwerk und wir können Übermengen an private Wiederverkäufer und Bauern weitergeben, die auf Märkten verkaufen oder selbst zu wenig Gemüse haben, um ihre eigenen Biokisten zu bestücken.“
Es vergeht kein Tag, an dem Heinz Wagner und Martina Grill nicht auf den Feldern arbeiten. Auch die beiden Kinder Mirella und Luana wachsen mit dem Rhythmus der Natur auf und genießen ihre Freiheit inmitten des Waldviertels. Ein bisschen Abenteuer ist immer dabei.
BioHof Wagner – Die Erdlinge
3572 St. Leonhard/Hornerwald Nr. 76
T: 0699 / 10656659
E:martina@biokiste-erdlinge.at
www.biokiste-erdlinge.at