
Gemeinsamer Blick hinter die Kulissen: Jeremias Buchinger mit Kundenbetreuer Dominik Wanek
Schön ist, was gefällt
Jeremias Buchinger hat aus einer klassischen Branding-Agentur ein kreatives Kollektiv entwickelt. Ein Modell, das auf flexible Teams statt auf starre Strukturen setzt.
„Bitte keine Werbung. Die machen wir selbst.“ Der Satz auf dem Briefkasten ist der erste Hinweis darauf, dass bei fesch. vieles anders läuft. Hinter der Tür wartet kein steriles Agenturbüro mit Empfangstheke und Glaswänden. Das Haus in der Wiener Straße 55 in Furth bei Göttweig war früher eine Greißlerei. Dort, wo früher ein Kaffeehaus war, steht heute ein großer Holztisch. Hier treffen sich Kundinnen und Kunden mit Jeremias Buchinger. Hier werden Marken entwickelt, Materialien diskutiert und Ideen weitergedacht. Es ist kein Showroom, sondern ein Ort, an dem Ideen entstehen.
Dass dieser Ort heute fesch. heißt, ist keine kosmetische Namensänderung. Der neue Name beschreibt, was aus der Agentur geworden ist. Markenentwicklung war der Ausgangspunkt. Doch die Projekte veränderten sich. Zu einem Corporate Design gesellte sich ein Interiorkonzept. Aus einem Logo wurde eine ganze Markenwelt. Plötzlich ging es nicht mehr nur um Gestaltung, sondern auch um Innenarchitektur, Content, Fotografie, digitale Prozesse oder Eventkonzepte. Die Disziplinen begannen miteinander zu verschmelzen. Also entschied sich Jeremias Buchinger nicht für eine größere Agentur, sondern für ein anderes System.
Die Idee kommt zuerst
Wer das Studio für Design, Digital und Event besucht, begegnet zunächst nur einer Person. Jeremias Buchinger. Tatsächlich steckt hinter dem Studio ein Netzwerk aus Designerinnen, Fotografen, Videografen, Interior-Designerinnen, KI-Spezialisten und weiteren Kreativen. Für jedes Projekt entsteht eine neue Konstellation – nicht nach Organigramm, sondern nach Kompetenz. Wenn Buchinger über neue Projekte spricht, dauert es meist nicht lange, bis er zum Telefon greift. „Ich weiß schon, wen ich dafür anrufe.“ Genau so arbeitet das Kollektiv: nicht mit einer festen Abteilung, sondern mit Menschen, deren Stärken er seit Jahren kennt.
„Nicht jeder muss alles können – aber alle müssen dieselbe Idee verfolgen“
Dieses Modell nennt Buchinger bewusst Artist-Kollektiv. „Ich habe mich gleichzeitig verkleinert und vergrößert. Das Studio fungiert hier auch als Working Space für alle Artists.“ Für die Kundinnen und Kunden bleibt diese Komplexität nahezu unsichtbar. Sie haben eine Ansprechperson. Im Hintergrund arbeiten viele. Genau darin sieht Buchinger den Vorteil.
Gefühlsecht bitte
Im Gespräch fällt auf, dass Bu-chinger erstaunlich selten über Design spricht. Viel öfter geht es um Atmosphäre, Haltung oder das Gefühl, das ein Ort vermitteln soll. Farben und Schriften kommen erstaunlich spät. Am Anfang stehen Fragen. Was macht ein Unternehmen besonders? Welche Geschichte soll erzählt werden? Wie soll sich ein Gast fühlen, wenn er einen Raum betritt? Welche Erwartungen haben Kundinnen und Kunden – und wie kann man sie positiv überraschen?
Erst danach geht es um Gestaltung. Gerade in Gastronomie und Hotellerie zeigt sich dieser Ansatz besonders deutlich. Ein Restaurant ist für den kreativen Kopf weit mehr als Küche und Speisekarte. Einrichtung, Licht, Bildsprache, Website oder Social Media erzählen dieselbe Geschichte. Tun sie das nicht, verliert die Marke ihre Glaubwürdigkeit.
KI ist ein Werkzeug. Kein Ersatz.
Diese Haltung prägt auch seinen Blick auf künstliche Intelligenz. Kaum eine Branche verändert sich derzeit so rasant wie die Kreativwirtschaft. Künstliche Intelligenz gestaltet Bilder, schreibt Texte und entwickelt Präsentationen in wenigen Sekunden. Buchinger nutzt diese Möglichkeiten selbst. Allerdings dort, wo sie Prozesse beschleunigen oder Routinen vereinfachen. Die eigentliche kreative Arbeit beginnt für ihn erst danach. Gute Gestaltung entsteht für ihn nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch Gespür. „Es braucht jemanden mit Gefühl für Ästhetik und Verständnis für das Ganze.“ Was KI nicht kann, ist beurteilen, ob eine Idee wirklich zu einem Unternehmen passt. Genau dort sieht Buchinger die Rolle kreativer Beratung in Zukunft sogar wachsen.
Warum also fesch?
Weil das Wort nicht nur gut klingt. Es beschreibt eine Haltung. Im Gespräch fällt immer wieder ein Satz, der fast beiläufig wirkt und doch vieles zusammenfasst: „Hauptsache, es sieht gut aus.“ Gemeint ist damit weit mehr als Ästhetik. Gut aussehen heißt für Buchinger, dass alles zusammenpasst. Dass Architektur, Kommunikation, Marke und Menschen dieselbe Sprache sprechen. Dass Gestaltung nicht dekoriert, sondern Orientierung gibt.
Das Studio fühlt sich deshalb eher wie ein Wohnzimmer als wie eine Agentur an. Nicht weil Kreativität hier inszeniert wird, sondern weil sie im Gespräch entsteht. „Es geht darum, die richtigen Menschen an einen Tisch zu bringen.“ Und der Satz am Briefkasten? Er beschreibt das Studio besser als jede Imagebroschüre. „Bitte keine Werbung. Die machen wir selbst.“
studio für design, digital & event
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