Eine emotionale Angelegenheit

Wenn über Bargeld und dessen Notwendigkeit in Österreich gesprochen wird, erhitzen sich im Allgemeinen die Gemüter. Eine neue Bargeldstudie bietet nun einen detaillierten Einblick in das emotionale Thema Bargeld versus Kartenzahlung.

Die Österreicherinnen und Österreicher und ihr Bargeld: Statistiken zeigen, dass Österreich in Sachen Kartenzahlung europaweit noch immer auf einem der hintersten Plätzen verweilt. Doch lösen sich alte Muster langsam auf und wagt die Bevölkerung einen Schritt in Richtung digitaler Zahlungslösungen? Welche Bevölkerungsgruppen bevorzugen welche Zahlungsmethoden? Und stimmt es weiterhin, dass nur die Jungen Kartenzahlungen bevorzugen?

Die Bezahlmöglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren vervielfältigt: per Karte, Smartwatch, Handy oder einfach weiterhin mit Bargeld. Doch was von wem bevorzugt wird, ist genauso unterschiedlich wie die Zahlungsmöglichkeiten an sich.

Wer zahlt wie?
Ganz grundlegend und nicht sonderlich überraschend ist, dass vor allem ältere Menschen das Bargeld bevorzugen, während junge lieber per Karte bezahlen. Im Vergleich zur zuletzt durchgeführten Studie im Jahr 2023 ist die Gruppe der Menschen, die Kartenzahlungen bevorzugen, heute stärker durchmischt. Vor zwei Jahren waren Kartenzahlungen bei der Gruppe der bis 39-Jährigen sehr beliebt, heute gilt das bis zu den 49-Jährigen. Die Gruppe wurde also breiter: Unter den 40-bis 49-Jährigen bezahlen bereits 47 Prozent der Befragten lieber mit Karte.

Ein weiterer Faktor, der dabei eine Rolle spielt, ist der Wohnort – da ist ganz klar ersichtlich, dass Menschen in Städten überdurchschnittlich oft mit Karte zahlen: So bezahlen in Wien 51 % der Befragten lieber mit Karte. Der Anteil ist deutlich höher als in den anderen Bundesländern. Das liegt vermutlich nicht nur an der Einstellung in den Städten, sondern auch an der Verfügbarkeit der Kartenzahlung, die am Land vielfach noch immer fehlt.

Kartenzahlungen häufen sich – Angebot ausbaufähig
Der Anteil der Kartenzahlenden hat sich in den letzten zwei Jahren nicht wirklich verändert: 81 % der österreichischen Bevölkerung zahlen zumindest gelegentlich mit der Karte, bei 38 % überwiegt die Kartenzahlung. Trotzdem nehmen die Kartenzahlungen zu. Der Grund dafür ist, dass es insgesamt mehr Gelegenheiten gibt, bargeldlos zu bezahlen. Der Anteil der Kartenzahler bleibt unverändert, die Häufigkeit der Nutzung steigt aber. Diese Gruppe hat häufig das Gefühl, unfreiwillig mit Bargeld bezahlen zu müssen. Das betrifft besonders Gemüse-/Bauernmärkte, Handwerker, kleine Bäckereien, Trafiken, Kaffeehäuser, Friseure und Ärzte. Für diese Branchen besteht also eine gute Chance auf mehr zufriedene Kundinnen und Kunden, wenn die Wahlfreiheit zwischen Bargeld und Kartenzahlungen angeboten wird.

Die Möglichkeiten, mit Karte zu zahlen, steigen also. Gleichzeitig sind diese Möglichkeiten für viele aber noch nicht weit genug verbreitet. Was weiterhin gilt: Je höher der Betrag, desto eher wird mit Karte bezahlt.

Bargeld nach wie vor beliebt in Österreich
Dass Bargeld vor allem in Österreich einen sehr hohen Stellenwert hat, ist nichts Neues. Trotzdem sind die Entwicklungen relativ überraschend: Der Anteil derjenigen, die überwiegend mit Bargeld zahlen, hat im Vergleich zu 2023 um 4 % zugenommen und liegt jetzt bei 52 %. Das lässt sich als eine Folge der Coronakrise erklären: Damals wurde zum „kontaktlosen Zahlen“ aufgerufen. Als die Pandemie vorüber war, nahm auch die Bargeldzahlung wieder zu. 19 % der Befragten zahlen ausschließlich mit Bargeld – diese Gruppe ist zum Großteil älter als 70 Jahre. Die Einstellung zu Bargeld ist nach wie vor sehr positiv: 88 % der Bevölkerung erachten es als wichtig, dass es Bargeld gibt. Dabei spielt ein Gefühl von Kontrolle und Überblick eine bedeutende Rolle, obwohl sich Online-Banking-Apps in den letzten Jahren stark entwickelt haben und je nach Anbieter mittlerweile detaillierte Einblicke in die eigenen Ausgaben bieten, etwa die George App.

Die Reserve in der Schublade
Das sogenannte „Reservegeld“ in den eigenen vier Wänden erlebt momentan wieder einen Aufschwung: Über 30 % haben mehr als 300 € zu Hause versteckt. Dieser Anteil hat sich seit 2023 um 7 % gesteigert. Nur 25 % hingegen haben gar nichts zu Hause, während die restlichen 45 % weniger als 300 € daheim liegen haben. Der Unterschied zwischen Barzahlenden und Kartenzahlenden ist dabei nicht groß: 33 % der  Personen, die überwiegend mit Karte zahlen, haben kein Bargeld zu Hause, während es bei den Personen, die ausschließlich mit Bargeld bezahlen, auch immerhin 21 % sind. Allerdings bewahren Barzahlende im Vergleich größere Summen zu Hause auf.

Das Geld in der Tasche
Grundsätzlich gilt: Je mehr man mit Karte zahlt, desto weniger Bargeld hat man bei sich. Trotzdem nehmen die Scheine und Münzen in der Geldtasche zu: 28 % der Bevölkerung haben über 100 Euro bei sich, was einen Anstieg von 4 % gegenüber 2023 bedeutet. Die Gruppe, die unter 50 Euro bei sich führt, sinkt dafür leicht und befindet sich momentan bei 41 %. Beides hat vermutlich auch mit der Inflation zu tun.

Trends auf dem Vormarsch – der digitale Zahlungsverkehr
Eine Veränderung, die sich sehr deutlich abzeichnet, ist die Digitalisierung von Bankkarten. Egal ob dabei Bezahlmethoden wie Kreditkarten oder Debitkarten und Endgeräte wie Smartphones oder Smartwatches verwendet werden, die Möglichkeit der Digitalisierung von Karten nimmt zu. Im Jahr 2023 wurden digitale Karten von nur 18 % genutzt, 2025 sind es bereits 32 %.

Bargeld in Österreich weiterhin beliebt – Gruppe der Kartenzahlenden breiter
Alles in allem ergibt diese Studie, dass es zwar kleine Änderungen gibt, aber der Grundgedanke und der Umgang mit Bargeld grundsätzlich gleichgeblieben sind. Die Einstellung dazu ist nach wie vor sehr positiv. Nur 2 % der Bevölkerung vertreten eine negative Ansicht gegenüber Bargeld. Bargeld hat also eine sehr geringe Gegnerschaft in Österreich, der Großteil der Kartenzahlenden hingegen hat eine neutrale Haltung dazu. Die Furcht vor dem Aussterben des Bargelds in Österreich scheint also unbegründet, Veränderungen sind nur in einzelnen Aspekten sichtbar. Auch die Kartenzahlenden sind überwiegend positiv gegenüber Bargeld eingestellt – vermissen aber immer noch häufig die Möglichkeit, mit der Karte zu bezahlen. Die Gruppe der Kartenzahlenden wird außerdem breiter. Für heimische Unternehmen zeigt diese Studie zusammengefasst, dass die Freiheit bei der Wahl der Bezahlmethode wichtig ist, um Kundenerwartungen zu erfüllen.