Über Geld spricht man (nicht) doch

Finanzen sind in Partnerschaften kein Tabuthema (mehr). Eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Erste Bank und Sparkassen zeigt, dass österreichische Paare grundsätzlich offen über Einkommen und Vermögen sprechen. Dennoch bevorzugen es die meisten, ihre finanziellen Angelegenheiten getrennt zu regeln.

Aller Anfang ist bekanntermaßen schwer. Sie möchte unbedingt Vorhänge, um den Wohnraum von Blicken der Nachbarn abzuschirmen. Er hingegen plant schon die erste Grillparty auf dem Balkon – und möchte alle ins Haus einladen. Zusammenzuziehen ist spannend, lernt man dabei doch viele neue Dinge übereinander. Spätestens jetzt wird es auch Zeit, über das Thema Geld in der Beziehung zu sprechen. Braucht man ein gemeinsames Konto? Oder führt man die Finanzen doch lieber getrennt? Leider ist Geld neben der Hausarbeit eine der Hauptursachen für Streit in der Beziehung. Es hilft, sich offen darüber auszutauschen.

Die Guten Nachrichten vorweg
Die IMAS-Studie verdeutlicht, dass die österreichischen Paare in Sachen Finanzen transparent sind. 94 % wissen über das Einkommen der Partnerin bzw. des Partners Bescheid. Auch bei Vermögenswerten vertrauen die Österreicherinnen und Österreicher ihren Liebsten. Die große Mehrheit (92 %) gibt an, im Großen und Ganzen über das Vermögen des anderen informiert zu sein, davon 52 % genau und 40 % ungefähr.

Trotz aller Offenheit bevorzugen viele Österreicherinnen und Österreicher getrennte Konten. Acht von zehn besitzen ein persönliches Girokonto mit alleinigem Zugriff, und 56 % ziehen ausschließlich getrennte Konten vor. Die junge Generation (18–29 Jahre) ist hingegen offener für eine Kombination aus eigenen und gemeinsamen Konten. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Sparen und Anlegen: Knapp die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass jeder eigene Spar- und Anlageprodukte besitzen sollte. Lediglich 21 % bevorzugen ausschließlich gemeinsame Produkte, während 29 % eine Mischung aus eigenen und gemeinsamen Produkten präferieren. Diese Tendenz zur Individualität in finanziellen Angelegenheiten korreliert mit der Aussage von zwei Dritteln (67 %) der Befragten, dass finanzielle Unabhängigkeit in einer Beziehung für sie sehr wichtig ist.

Die Mischung machts
Kreditrate, Kosten fürs Auto, Versicherungen oder Lebensmittel: Bei diesen vielen verschiedenen Ausgaben in einem gemeinsamen Haushalt kann man schnell den Überblick verlieren. Für zusammenlebende Paare ist daher ein sogenanntes Haushaltskonto sinnvoll. Dabei handelt es sich um ein gewöhnliches Bankkonto, das von zwei oder mehreren Personen genutzt wird. Der Vorteil ist, dass alle Ausgaben im gemeinsamen Haushalt über dasselbeKonto abgebucht werden. Durch regelmäßige Check-ins sehen dann alle Beteiligten, wo das Geld hingeht und wo eventuell Kosten gesenkt werden können. Ist man schon dabei, festzulegen, wie das Geld eingeteilt werden soll, packt man am besten auch gleich die Gelegenheit beim Schopf und überlegt sich gemeinsame finanzielle Ziele. Das kann zum Beispiel der nächste Urlaub oder ein Wunschmöbelstück sein. Wer schlussendlich wie viel auf das Partnerkonto einzahlt, muss jedes Paar individuell entscheiden. In manchen Partnerschaften zahlen beide den gleichen Betrag ein, in anderen wird ein Anteil je nach Höhe des persönlichen Einkommens eingezahlt.

Ein gemeinsames Konto schön und gut – aber was ist mit der finanziellen Unabhängigkeit? Die muss nicht auf der Strecke bleiben. Die richtige Mischung sorgt sowohl für genügend Übersicht als auch für die gewohnte Privatsphäre: Ein Haushaltskonto für die gemeinsamen partnerschaftlichen oder familiären Ausgaben, und daneben behalten beide jeweilsnoch ein eigenes Konto für persönliche Ausgaben.

Mögliche Trennung bedenken
Niemand spricht gerne über den Fall einer Trennung. Doch auch dieses Thema sollte schon auf den Tisch kommen, bevor man zusammenzieht. Wer die Katze und wer die Möbel bekommt, ist schon vereinbart? Ein guter erster Schritt. Geht es ans Finanzielle, ist es oft komplizierter.

Im Zuge der IMAS-Umfrage wurde deutlich, dass finanzielle Klarheit bei einem Liebes-Aus entscheidend ist, um Konflikte zu vermeiden. 87 % der Befragten sind der Ansicht, dass Vorsorge für eine Trennung getroffen werden sollte. Wenig überraschend, hat doch fast jede bzw. jeder Zweite in einer Beziehung schon einmal einen Konflikt aufgrund von Geld erlebt. Dies zeigt, dass bei einem gemeinsamen Konto die Finanzen für den gemeinsamen Haushalt auch Beziehungssache werden. Ehrliche Gespräche sind der Grundstein jeder Beziehung, darum auch beim Thema Geld. Finanzthemen sollten frühzeitig und konstruktiv besprochen werden. Das schafft Vertrauen und verhindert unnötige Konflikte.

Tipps fürs Führen eines Haushaltskontos:

  • Entscheiden: Man legt fest, welche Ausgaben gemeinsam bezahlt werden.
  • Einzahlen: Es wird vereinbart, wie viel jeder auf das gemeinsame Konto einzahlt.
  • Reservieren: Der Betrag steht fest? Super. Von diesem werden zuerst die Fixkosten gedeckt. Fixkosten sind regelmäßige monatliche Kosten – dazu zählen zum Beispiel Miete, Gas, Strom oder Internet.

Sparen: Ein bestimmter Betrag wird laufend angespart. So kann ein Notgroschen für eine kaputte Waschmaschine oder eine gemeinsame Reise entstehen. Je nachdem welches Ziel man sich gemeinsam vorgenommen hat.