„Positive Begegnungen stärken mich und geben mir Energie.“

Im Interview mit Ilinka Kajgana

Ilinka Kajgana ist Risikovorständin der Erste Bank. In ihrer vorherigen Rolle war sie Risikovorständin in der BCR, der rumänischen Tochter der Erste Group. Zuvor war sie in diversen leitenden Positionen im Risko Management der Erste Bank und der Erste Group tätig. Für Ausgleich und Energie sorgen vielfältige Kulturinteressen und seit dem letzten Jahr lieb gewonnenes Joggen – sowie Quality time mit der Familie. 

Was sind deine Herausforderungen als Chief Risk Officer?

Als Chief Risk Officer beschäftige ich mich mit allen Risiken, die für eine Bank auftreten können. Das betrifft zum einen das wirtschaftliche Umfeld: Geht es jetzt bergauf oder kontinuierlich weiter? Ist Wachstum möglich oder nur mit sehr großer Anstrengung? Zum anderen betrifft das, wie die Bank in ihren Prozessen sicher arbeitet und nach welchen Regeln sie Kredite begibt.

Es sind also vielfältige Themen und Herausforderungen, die sich in meinem Arbeitsalltag widerspiegeln. Wie hilft man der Bank, sich gut zu entwickeln und mit Risiken umzugehen? Wie geht es in der Welt weiter, wie geht es in der Wirtschaft in Österreich weiter und wie kann ich aus unser Kundengeschäft unterstützen, damit wir gesund wachsen?

Was bedeutet Leadership für dich, gerade in unsicheren Zeiten?

Gerade jetzt ist es wichtig, Perspektiven zu schaffen. Menschen dafür zu begeistern, dass sie an etwas arbeiten, das Sinn ergibt und das ihre Kreativität erfordert.

Natürlich darf man Dinge kritisch sehen und muss Probleme benennen. Aber Klagen ist aus meiner Sicht keine Lösung. Führung bedeutet für mich, Energie in positive Bahnen zu lenken, Perspektiven aufzuzeigen und an Lösungen zu arbeiten. 

Welche Rolle spielt dabei das Gespräch?

Eine sehr große. Führung ist keine Einbahnstraße. Es ist ein gemeinsames Denken.

Ich bin immer offen für Gespräche. Auch für solche, bei denen man am Anfang noch gar nicht weiß, wohin sie führen. Meetings brauchen eine Agenda aber nicht immer eine klare Lösung. Am Ende ist man ein Stück weiter durch den Austausch, durch das gemeinsame Entwickeln von Ideen. Vielleicht nicht mit einer perfekten Antwort, aber mit mehr Klarheit. Ein bisschen weiser, wenn man so will.

Ich rechne mit der Unterstützung meines Teams und ich bin auch bereit, selbst einzuzahlen. 

© Ilinka Kajgana

Was hilft dir dabei, Stabilität herzustellen?

In unsicheren Zeiten gemeinsam gestalten und greifbare Verbesserungen schaffen. Und darauf vertrauen, dass aus kleinen konstruktiven Schritten wieder Orientierung wächst.

Wenn das Umfeld chaotisch wirkt, versuche ich etwas zu finden, wo wir etwas Positives schaffen können. Ob das Risikomodelle sind, bessere Prozesse oder Teambuilding-Maßnahmen. Etwas Konkretes, bei dem man spürt “Das gibt mir Energie!”

 Es ist ein bisschen wie im Privatleben: Wenn man sich mit der Familie zusammensetzt, Dinge ausspricht oder gemeinsam etwas im Haushalt oder im Garten erledigt. Man hat das Gefühl, es ist etwas weitergegangen.

Was stärkt dich?

Positive Begegnungen. Ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch.

Interessanterweise entsteht daraus oft ein Schneeballeffekt: Wenn ich andere motiviere und sehe, wie sie ins Tun kommen, begeistert mich das wieder. Diese Energie kommt zurück.

Leadership ist für mich deshalb gleichzeitig Herausforderung und Belohnung. Es fordert viel, emotional sowie mental. Aber wenn man sieht, dass Perspektiven entstehen, dass Menschen wachsen und ins Handeln kommen, dann weiß man, wofür man es macht.

Welcher Rat hat dir geholfen?

Selbst in herausfordernden Momenten nach dem Besonderen oder einer Leichtigkeit zu suchen, ist ein Zeichen innerer Stärke. Diesen Rat fand ich besonders inspirierend und versuche, ihn in meinem Alltag umzusetzen.

Und das können manchmal auch die kleinen Dinge sein. Eine Kollegin in Rumänien hat mir einmal ein kleines Fläschchen Seifenblasen für meinen Schreibtisch geschenkt: eine schöne Geste und ein nettes Symbol für Leichtigkeit.

Vielen Dank für das Interview, liebe Ilinka! 

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