03.03.2026

Studie zum Weltfrauentag 2026:
Wenn finanzielle Unsicherheit zur Belastung wird

Im Laufe eines Erwerbslebens führen eine Reihe von Faktoren dazu, dass in Österreich jede 5. Frau ab 65 Jahren als armutsgefährdet gilt.

Die aktuelle INTEGRAL-Studie im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen zeigt deutliche strukturelle Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei Einkommen, finanzieller Sicherheit und Vermögensaufbau. Finanzielle Unabhängigkeit zählt für 90 Prozent der Menschen in Österreich zu den wichtigen Lebenszielen. Doch Frauen starten mit spürbar schlechteren Rahmenbedingungen: Der Gender Pay Gap beträgt in Österreich 15,5 Prozent1 (Vorarlberg: 21,7 %). Der Gender Pension Gap, die geschlechtsspezifische Pensionslücke, liegt aktuell sogar bei 39,7 Prozent2 (Vorarlberg: 46,7 %). Die langfristigen Auswirkungen von Teilzeitbeschäftigung, Erwerbsunterbrechung aufgrund von Kinderbetreuung sowie ein niedrigeres Erwerbseinkommen führt dazu, dass in Österreich jede 5. Frau ab 65 Jahren als armutsgefährdet gilt.3

Trotz der hohen Relevanz bleibt der Zugang zu Finanzthemen für viele Österreicherinnen eingeschränkt. Nur 42 Prozent bezeichnen ihr Interesse an Finanzfragen als hoch (Männer: 62 %). Im Selbstbild zeigt sich ein ähnliches Muster: 35 Prozent der Frauen stufen ihr Finanzwissen als gering ein – mehr als doppelt so viele wie Männer (15 %). Gerade ältere Frauen bewerten ihr Wissen schlechter. Dieses Spannungsfeld erschwert konkrete Schritte: In Lebensphasen mit größerer finanzieller Verantwortung fühlen sich viele Frauen nicht ausreichend sicher, um Entscheidungen zu treffen.  „Frauen treffen täglich unzählige Entscheidungen – nur bei Geldfragen mit größerer Tragweite trauen sie sich oft zu wenig zu. Finanzbildung bietet die Basis, auf der Selbstvertrauen aufgebaut werden kann,“ so Martin Jäger, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen.

Anlageverhalten: Mehr Sicherheit, weniger Ertrag
Beim Investieren werden die Unterschiede noch deutlicher: Nur 29 Prozent der Frauen investieren in Wertpapiere (Männer: 49 %). Während Männer häufiger ein ausgewogenes oder renditeorientiertes Profil wählen, priorisieren 61 Prozent der weiblichen Befragten Sicherheit vor Rendite. „Zu wenig Wissen“ (35 %), „zu wenig Geld“ (35 %) und „zu hohes Risiko“ (10 %) geben Österreicherinnen als häufigste Gründe an, warum sie nicht in Wertpapiere investieren. 16 Prozent interessieren sich erst gar nicht dafür. Martin Jäger: „Leider führt diese Haltung in einen Teufelskreis: Wer glaubt, zu wenig über Wertpapiere zu wissen, greift zu Produkten mit geringer Rendite. Dadurch können weniger Ersparnisse aufgebaut werden. Wer aber weniger Geld hat, investiert automatisch weniger. Und wer nicht früh genug mit Vermögensaufbau begonnen hat, schlittert möglicherweise in Altersarmut.“

Geld & Gesundheit
Geldsorgen machen krank. Fast zwei Drittel der Österreicherinnen (57 %) sind sich sicher, dass finanzielle Unsicherheit die mentale Gesundheit stark beeinflussen kann. Mehr als ein Drittel von ihnen (35 %) denken auch, dass sich Frauen grundsätzlich mehr Sorgen bezüglich ihrer finanziellen Zukunft machen als Männer. Rund ein Viertel (24 %) sehen Geld als Tabuthema in Österreich.

„Finanzielle Selbstbestimmung darf keine Frage des Geschlechts sein. Die Sparkassen haben sich deshalb das Ziel gesetzt, Frauen nicht nur den Zugang zu Finanzwissen zu erleichtern, sondern ihnen Wege aufzuzeigen, wie sie finanzielle Stabilität Schritt für Schritt erreichen können“, so Jäger. So macht die Sparkassengruppe mit dem Format „She invests“ Finanzwissen speziell für interessierte Frauen kostenlos zugänglich: In Webinaren und Panels werden Themen wie Budgetierung, Sparen, Vorsorgen oder Veranlagen praxisnah von internen als auch externen Expertinnen vermittelt. Zudem bieten die Vorarlberger Sparkassen seit letztem Jahr einen Vorsorgeschwerpunkt für Mitarbeiterinnen und Kundinnen an.

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1 Quelle: Berechnung Equal Pay Day 2026 AK, basierend auf Lohnsteuerstatistik 2024 (aus Dez. 2025); Vergleich der durchschnittlichen Jahresbruttobezüge der ganzjährig vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen (wohnortbezogen)

2 Quelle: Berechnung MA 23 - Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien, basierend auf Pensionsversicherungs-Jahresstatistik, Dezember 2024

3 Quelle: AMS

Mag. Martin Jäger, MBA, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen (Foto: Studio Fasching)