
Finanzen in der Selbstständigkeit:
Das solltest du wissen
Wer gründet, übernimmt auch finanzielle Verantwortung. Von der Planung der ersten Ausgaben über Steuern und Sozialversicherung bis hin zu Rücklagen für auftragsfreie Zeiten: Mit einer guten Vorbereitung lassen sich viele typische Stolpersteine vermeiden. Dieser Beitrag zeigt, worauf Gründer:innen in Österreich finanziell achten sollten.
Der Schritt in die Selbstständigkeit beginnt oft mit einer guten Idee. Doch mit dieser rückt sogleich eine andere Frage in den Mittelpunkt: Wie sieht es mit den Finanzen für diese aus?
Viele Gründer:innen konzentrieren sich zuerst auf Kund:innen und Aufträge und unterschätzen dabei Steuern, Sozialversicherung oder finanzielle Rücklagen. Mit einer guten Planung lassen sich viele ungewünschte Überraschungen vermeiden. Wir haben einen Überblick über erste Geld-Meilensteine für die Selbstständigkeit.
1. Verschaffe dir einen Überblick über dein Geld
Erstelle für deine privaten Einnahmen und Ausgaben ein Haushaltsbudget. Das hilft dir, zu erfahren, wie viel du ausgibst und damit auch, wie viel Geld du netto monatlich mit deiner Selbstständigkeit verdient haben musst.
Für einen besseren Überblick empfiehlt es sich, private und geschäftliche Finanzen zu trennen. Bei manchen Rechtsformen – etwa einer GmbH – ist eine klare Trennung auch rechtlich erforderlich. Erkundige dich daher bei einer Steuerberatung.
Manche Rechtsformen und auch Geschäftsideen benötigen kein großes Start-Kapital. Wer jedoch einen finanziellen Polster auf dem Sparkonto hat, schläft vor allem in der Anfangsphase ruhiger.
2. Finde heraus, wie viel Geld du benötigst
Erstelle vor der Gründung einen sogenannten Projektkostenplan. Halte darin fest: Wie viel Geld benötigst du für deine Idee, noch bevor du deinen ersten Euro verdienst? Wie viel davon hast du selbst und wie viele Fremdmittel benötigst du für die Umsetzung?
Erstelle nach der Gründung einen monatlichen Liquiditätsplan. Warum? Nicht jedes Monat hast du gleich viele Umsätze. Die Fixkosten bleiben jedoch gleich – oder erhöhen sich sogar, wenn du beispielsweise Mitarbeiter:innen hast. Mache dir also einen realistischen monatlichen Liquiditätsplan, um zu berechnen, wie hoch diese Schwankungen sein können.
Erstelle einen Businessplan, der Meilensteine deines Businesses und einen Absatzplan skizziert. Überschätze dabei deine Umsätze nicht. Unterschätze deine Kosten nicht. Beim Umsetzen hilft dir unser Handbuch zum kostenlosen Download.
Lass dich von Expert:innen beraten. In Österreich finden (angehende) Selbstständige Informationen zum Gründen bei der Wirtschaftskammer und bei vielen Banken.
Du möchtest ein Start-up bzw. ein Unternehmen mit höherem Kapitalbedarf gründen? Der Finance Navigator hilft dir, den Bedarf an Eigen- und Fremdkapital für deine Geschäftsidee zu ermitteln, und zeigt erste Anlaufstellen.
Unsere kostenlosen PDF-Vorlagen unterstützen dich dabei, unterschiedliche Einnahmen und Ausgaben für dein Business zu kalkulieren. Einfach runterladen und deine Beträge einfügen, die Werte werden automatisch errechnet. Du möchtest Kosten der Geschäftsgründung berechnen? Betriebliche Ausgaben kalkulieren? Eine 3-Jahres-Planung machen? Hier geht's zur Toolbox.
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3. Lass dich zu Förderungen und Finanzierungen beraten
In Österreich kannst du viele Projekte, die Investitionen benötigen oder auch sogenannte Anlaufkosten, finanziell fördern lassen. Welche Unterstützung hier die richtige ist, hängt von der Art deines Unternehmens, dem Innovationsgrad, der Branche, dem Standort und vielen anderen Faktoren ab. Wichtig: Alle Förderungen müssen vor Projektbeginn beantragt werden. Informiere dich daher rechtzeitig über die Voraussetzungen.
Die GründerCenter der Erste Bank und Sparkassen bieten Service und Hilfestellungen bei deiner Unternehmensgründung. Ob es um ein Geschäftskonto, die passende Förderung oder Finanzierung, kostenlose persönliche Beratung oder praktische Rechner geht: Hier finden (angehende) Selbstständige von Anfang an Antworten.
Die GründerCenter der Erste Bank und Sparkassen bieten Service und Hilfestellungen bei deiner Unternehmensgründung. Ob es um ein Geschäftskonto, die passende Förderung oder Finanzierung, kostenlose persönliche Beratung oder praktische Rechner geht: Hier finden (angehende) Selbstständige von Anfang an Antworten.
4. Verwechsle Umsatz nicht mit Gewinn
Was du durch den Verkauf deiner Produkte oder Dienstleistungen einnimmst, ist dein Umsatz, nicht dein Gewinn. Aus deinem Umsatz müssen zunächst sämtliche betrieblichen Ausgaben bezahlt werden. Erst daraus ergibt sich dein Gewinn. Auf diesen fallen – je nach persönlicher Situation – unter anderem Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträge an. Bist du umsatzsteuerpflichtig, musst du außerdem Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Heißt: Der Umsatz „gehört“ noch nicht dir. Du solltest ihn niemals zur Gänze ausgeben.
Viele Gründer:innen legen von Beginn an daher einen fixen Anteil ihres Umsatzes für Steuern und Sozialversicherung zurück. Als Faustregel gelten dabei 30 bis 40 Prozent. Eine Steuerberatung kann dabei helfen.
5. Bilde ausreichende Rücklagen
In der Selbstständigkeit gibt es keine sicheren Vorhersagen für Geschäftserfolg. Um unvorhergesehene Umsatzeinbrüche abzufedern, solltest du dir einen finanziellen Polster aufbauen.
Diese Rücklagen ermöglichen es dir, liquide zu bleiben und verpflichtende Zahlungen wie Steuer, Sozialversicherung und eigene Rechnungen zeitgerecht einzuzahlen. Denn: Deine Rechnungen müssen auch dann bezahlt werden, wenn Kund:innen ihre Rechnungen bei dir (etwa aufgrund deines Zahlungsziel oder eines Projekts, das noch andauert) noch nicht beglichen haben. Finanzielle Reserven sind daher enorm wichtig.
Nutze deinen finanziellen Puffer auch für die Zeit, in der du nicht arbeitest. Denn auch du wirst einmal Urlaub haben wollen – oder krank sein.
Als Selbstständige:r solltest du dich möglichst früh mit deiner privaten Vorsorge beschäftigen. Anders als bei Angestellten gibt es bei Einzelunternehmer:innen nämlich keine Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder eine Arbeitgeber:in, die sich in Form einer betrieblichen Vorsorge um deine finanzielle Zukunft kümmert.
6. Bereite dich von Anfang an auf Nachzahlungen vor
Rechnungen auszustellen, ist großartig. Nach der Freude über das erste Geld kommt für viele spätestens nach den ersten beiden Geschäftsjahren ein Schock: ihre erste größere Nachzahlung. Denn da werden häufig die SVS-Beiträge nachverrechnet, nach der Einkommensteuerveranlagung kann es bei der Steuer ebenfalls zu Nachzahlungen kommen. Hast du also kontinuierlich mehr und mehr verdient, wirst du eine entsprechende Nachzahlung haben – bei gleichzeitig weiterlaufenden Beiträgen für das aktuelle Jahr.
Plane von Anfang an daher ein Rücklagenkonto bzw. ein Sparkonto für deine Steuer- und SVS-Ausgaben ein. Parkst du dort stets einen Anteil des Umsatzes, kann dich eine Nachzahlung nicht finanziell aus der Bahn werfen.
FAZIT
Eine erfolgreiche Selbstständigkeit beginnt nicht mit dem ersten Auftrag, sondern mit einer frühzeitigen und realistischen Finanzplanung. Wer seine Einnahmen und Ausgaben kennt, Rücklagen bildet und Steuern sowie Sozialversicherungsbeiträge von Anfang an mitdenkt, schafft eine stabile Grundlage für das eigene Unternehmen.
Weiterführende Informationen, die bei der Geschäftsgründung helfen:
Stand September 2026