Innsbruck, 18. Februar 2026

Vorsorgestudie 2026:

Drei Viertel der Tiroler:innen glauben nicht an eine ausreichend hohe staatliche Pension  

  • 89 Prozent empfinden finanzielle Vorsorge als wichtig
  • 225 Euro im Monat für private Altersvorsorge
  • 40 Prozent schätzen ihr Risiko für Altersarmut als (sehr) hoch ein
  • 7 von 10 Befragte gehen davon aus, im Alter weiter arbeiten zu müssen

Die Vorsorgestudie 2026 von Erste Bank, Sparkassen und der Wiener Städtischen zeigt: Immer mehr Menschen in Tirol zweifeln an einer ausreichend hohen staatlichen Pension und fürchten im Alter weiter arbeiten zu müssen. Gleichzeitig wächst der Zuspruch für private finanzielle Vorsorge – beeinflusst auch durch den demografischen Wandel und die weltweiten geopolitischen Unsicherheiten.

Auf dem Bild v.l.n.r.: Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin Wiener Städtische Versicherung, Patrick Götz, Vorstand Tiroler Sparkasse
Foto: Thomas Steinlechner, Abdruck honorarfrei

Fragt man die Tiroler:innen nach ihrer Erwartung bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung und der Lebensqualität in den kommenden Monaten, rechnen 62 Prozent mit einer Verschlechterung, 26 Prozent mit gleichbleibenden Verhältnissen und nur 11 Prozent mit einer Verbesserung. Die Sorgenfalten werden demnach größer. Es verwundert daher auch nicht, wenn Menschen in diesem Umfeld vermehrt auf Stabilität, Verlässlichkeit und Sicherheit setzen. Dieser zunehmende Wunsch nach Sicherheit zeigt sich auch bei den zentralen Themen, für die man bereit ist, privat finanziell vorzusorgen: Diese sind für 59 Prozent das Wohnen (+18 Prozentpunkte zu 2025), 58 Prozent investieren regelmäßig in eine private Altersvorsorge (+3PP) und 57 Prozent schaffen finanzielle Reserven für Krisenfälle (+3PP). Es folgen mit 54 Prozent der Befragten in Tirol die Gesundheit (-11PP) und für knapp mehr als jede:n Zweite:n (+4PP) ist die Familie ein wichtiger Vorsorgegrund.

Vertrauen in staatliche Pensionen nimmt weiter ab

Befragt nach den Hauptgründen, warum Menschen in Tirol vorsorgen, geben 51 Prozent an, damit eventuellen Schicksalsschlägen finanziell vorbeugen zu wollen. Jeweils 48 Prozent der Befragten glauben, dass man sich nicht mehr auf die staatlichen Systeme verlassen kann und hoffen zudem mit privater Vorsorge ihr persönliches finanzielles Risiko zu verringern. „Hier zeigen die zuletzt stärker werdenden Diskussionen über die Finanzierbarkeit des staatlichen Pensionssystems Wirkung. Mit 74 Prozent zweifeln knapp drei Viertel der Tiroler:innen daran, einmal eine ausreichend hohe Pension vom Staat zu erhalten. Dass bereits heute jeder vierte Steuereuro für die Stützung der öffentlichen Pensionen aufgewendet werden muss, verunsichert mittlerweile mehr als 8 von 10 Befragte“, erläutert Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen die aktuelle Situation. Jede:r siebente Befragte geht gar davon aus, in der Pension weiter arbeiten zu müssen, um im Alter gut über die Runden zu kommen.

 

Vorsorgebetrag weiter hoch – Klassiker gefragt

Fragt man die Menschen in Tirol nach den bereits genutzten Vorsorgeinstrumenten, werden die Anlage-Klassiker genannt: Sparkonto (57 %), Lebensversicherung (38 %) und Wertpapiere (28 %). Es folgen das Bausparen und die Veranlagung in Fondssparplänen (jeweils 21 %), Gold (16 %) und Immobilien (10 %). Auffallend dabei ist, dass erstmals seit Jahren das Sparkonto (-12PP) und Bausparverträge (-14PP) weniger stark nachgefragt sind. „Erfreulich ist der durchschnittliche monatliche Betrag, den Menschen in Österreich in ihre persönliche Pensionsvorsorge investieren. Trotz der wirtschaftlichen Anspannungen bewegt sich dieser mit 225 Euro auf einem hohen Niveau,“, so Patrick Götz, Vorstand der Tiroler Sparkasse zum Vorsorge-Status quo. Männer investieren dabei mit 265 Euro pro Monat im Schnitt immer noch deutlich mehr als Frauen mit 179 Euro.

 

Altersarmut durch rechtzeitige Vorsorge vermeiden

Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Sorgen vor Altersarmut in der Tiroler Bevölkerung stark ausgeprägt sind. So schätzen 40 Prozent der Befragten das Risiko, in der Pension selbst von Altersarmut betroffen zu sein, als sehr hoch bzw. hoch ein. Wie also einer möglichen Altersarmut wirksam entgegensteuern? 86 Prozent sehen hier eine möglichst frühzeitige private finanzielle Vorsorge und 79 Prozent eine umfassende finanzielle staatliche Förderung privater Altersvorsorge als wirkungsvollste Maßnahmen. Knapp drei Viertel (72 %) der Befragten in Tirol sind davon überzeugt, dass eine durchgängige Vollzeitbeschäftigung der Weg zu einer höheren Pension ist. Vor diesem Hintergrund fällt auch die Zufriedenheit mit dem staatlichen Pensionssystem generell eher mäßig aus – nicht einmal jede:r Zweite (45 %) im Bundesland zeigt sich damit zufrieden, 42 Prozent gar unzufrieden. „Angesichts dieses Umfelds ist es wenig überraschend, dass die private finanzielle Vorsorge zunehmend an Bedeutung gewinnt. Für 89 Prozent der Befragten in Tirol hat diese einen sehr hohen bzw. hohen Stellenwert“, so die beiden Finanzexpert:innen unisono.

Zufriedenheit mit Pensionskonto gering

Um Planungssicherheit für die eigene Pension zu bekommen, gibt es seit 20 Jahren für alle nach dem 1.1.1955 geborenen Österreicher:innen das Pensionskonto. Laut Umfrageergebnis wissen jedoch erst 56 Prozent der befragten Tiroler:innen über ihr Pensionskontoguthaben Bescheid. Und: Lediglich 55 Prozent jener, die ihr Guthaben kennen, sind damit sehr bzw. eher zufrieden. Umgekehrt sind 43 Prozent damit eher nicht bzw. überhaupt nicht zufrieden. Auf die Frage, wie hoch die eigene Bruttopension später einmal ausfallen wird, nennen die Befragten österreichweit einen durchschnittlichen Betrag von 2.023 Euro. Männer rechnen dabei mit 2.254 Euro, Frauen mit 1.748 Euro.

Zur Studie

Erste Bank, Sparkassen und Wiener Städtische beauftragten das Marktforschungsinstitut IMAS mit einer Online-Befragung rund um das Thema der privaten Altersvorsorge. Ende 2025 beantworteten 1.000 Personen zwischen 16 und 65 Jahren Fragen rund um ihre Vorsorgestrategien in turbulenten Zeiten, ihr konkretes Spar- und Vorsorgeverhalten, die Einschätzung ihrer finanziellen Situation im Alter sowie ihren Erwartungen für die Zukunft. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die österreichische Bevölkerung im Alter von 16 bis 65 Jahren.

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