Digitalisierungshub „Crowd in Motion - AI“: So gelingt der KI-Einstieg im Mittelstand

24.06.2026

Mit dem Start der zweiten Phase des European Digital Innovation Hub (EDIH) „Crowd in Motion - AI“ rückt das Thema Künstliche Intelligenz (KI) in das Zentrum der Unternehmensstrategie. Reinhard Willfort, Geschäftsführer und Gründer von "isn - innovation service network" und Universitätslektor in Seekirchen, Graz und Krems, erklärt im Interview, warum Geschäftsführer:innen jetzt handeln sollten.

Herr Willfort, Sie und Ihr Team begleiten seit 25 Jahren Unternehmen im Innovationsmanagement und bei der Digitalisierung. Wenn Sie auf die erste Phase des EDIH Crowd in Motion zurückblicken: Was ist die Kernbotschaft für Unternehmen, die bisher noch zögerlich waren?

Wir blicken auf eine sehr erfolgreiche erste Phase mit 147 umgesetzten Projekten und einem mobilisierten Fundraising von elf Millionen Euro zurück. Die wichtigste Erkenntnis ist: Digitalisierung ist kein abstraktes Zukunftsszenario mehr, sondern eine Notwendigkeit, um wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Reinhard Willfort, Gründer von "isn - innovation service network"

Der European Digital Innovation Hub „Crowd in Motion“ wird ab 2026 für drei weitere Jahre fortgesetzt – mit neuem KI-Schwerpunkt unter dem Namen „Crowd in Motion – AI“. 

In der neuen Phase haben wir unser Know-how im Bereich Künstliche Intelligenz massiv ausgebaut, denn die Dringlichkeit dazu hat deutlich zugenommen. KI verändert nicht nur Arbeitsplätze und Jobprofile, sie ermöglicht komplett neue Geschäftsmodelle für Unternehmen.

Was ist der häufigste Denkfehler, den Führungskräfte zum Thema KI haben?

Viele Mittelständler verstehen KI noch primär als IT-Thema. Das ist ein klassischer Denkfehler. Man kauft zuerst ein Tool und fragt dann, was man damit macht. KI ist vielmehr eine neue Infrastruktur – vergleichbar mit Elektrizität oder Internet. Sie wird die Art, wie Unternehmen Werte erzeugen, grundlegend verändern. Wer jetzt wartet, verliert den Anschluss.

Zuerst müssen Unternehmen den organisatorischen Bedarf klären. Was wollen wir erreichen? Welche Prozesse sind automatisierbar, welche sind wissensintensiv, wo fehlt Expertise? Erst dann kommt die Technologie. Wir unterstützen genau dabei: mit einem niederschwelligen Einstieg über ein kostenloses Erstgespräch und einen Digitalisierungs-Check, dem Digital Maturity Assessment (DMA). Damit erheben wir den digitalen Reifegrad und leiten konkrete Handlungsempfehlungen ab.

Wie läuft so ein Projekt konkret ab? Und was kostet es ein Unternehmen?

Der Prozess ist bewusst schlank gehalten:

  1. Unverbindliches Erstgespräch: Wir klären, Ideen oder Qualifizierung.
  2. Digitalisierungs-Check (Digital Maturity Assessment): Kurzer Fragebogen zur digitalen Reife.
  3. Zukunftsworkshop & Vereinbarung: Konkrete Maßnahmen für die nächsten vier bis sechs Monate werden festgelegt.

Finanziell ist der Einstieg attraktiv: Unsere Services sind zu 100 Prozent durch das Wirtschaftsministerium und die EU gefördert. Unternehmen investieren primär interne Personalressourcen – keine hohen externen Kosten. Wichtig: Es gilt die De-minimis-Regelung (max. 300.000 Euro Förderung pro Unternehmen über drei Jahre).  . Kein Förderantrag, Top-Expertise aus dem Netzwerk, Start innerhalb weniger Wochen.

Strategische Partner wie die Erste Bank bringen auch Finanzierungsinstrumente ein – von klassischen Darlehen bis zu innovativen Modellen wie Vorverkauf von Prototypen über Crowdfunding. Auch Private-Equity-Partner wie invest.austria oder SpeedInvest sind im Netzwerk. Für KMU bedeutet das: Wir begleiten nicht nur technologisch, sondern organisieren auch die Finanzierung mit.

Wie schätzen Sie die Bereitschaft österreichischer KMU ein, KI aktiv zu gestalten?

Die Bandbreite ist groß. Einige Unternehmen agieren proaktiv und sehen KI als Chance für neue Geschäftsmodelle. Andere reagieren getrieben, weil sie etwas mit KI machen wollen. In vielen Firmen sind aber Mitarbeiter bereits privat mit KI-Lösungen aktiv – die Geschäftsführung weiß es nur nicht. Wir involvieren daher alle Mitarbeiter über eine digitale Innovationsplattform, bieten Trainings an, fragen Ängste und Ideen ab. Dann bilden wir ein Kernteam, das proaktiv gestaltet. Erst danach entwickeln wir eine Strategie und machen einen kleinen Piloten in einem abgegrenzten Bereich. So entsteht eine echte KI-Strategie – nicht nur eine Softwarebeschaffung.

Stichwort Unternehmenskultur: Digitalisierung löst bei Mitarbeiter:innen oft auch Ängste aus. Wie nehmen Sie die Belegschaft bei solchen Projekten mit?

Das ist ein entscheidender Punkt. Wir müssen die Sorgen vor dem Arbeitsplatzverlust ernst nehmen und in Chancen umwandeln. KI wird Berufsbilder verändern und Spezialisierungen erfordern. In unseren Trainings und Workshops geht es deshalb auch darum, KI als „digitalen Coworker“ zu begreifen, der repetitive Aufgaben übernimmt, damit der Mensch sich auf wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren kann. Es geht um eine Symbiose zwischen menschlicher Erfahrung und technologischer Unterstützung.

Ihr Hub arbeitet mit 168 EDIH-Standorten in Europa. Welche Vorteile können auch österreichischen KMU daraus ziehen?

Wir können Ressourcen aus ganz Europa zuziehen. Jeder EDIH hat einen speziellen Schwerpunkt und Branchenfokus. Das ist ein echter Vorteil, und bündelt wertvolles Know-how für die Unternehmensentwicklung.

Welche Unternehmen sollten jetzt besonders aktiv werden?

Besonders relevant ist das Thema für Unternehmen, bei denen Veränderung nicht mehr nebenbei organisiert werden kann. Ab einer gewissen Größe braucht es Struktur, klare Zuständigkeiten und eine bewusste Strategie. Gerade im Mittelstand ist der Hebel groß, weil diese Unternehmen wirtschaftlich stark sind, aber nicht immer über eigene Ressourcen für systematische Transformation verfügen.

Was raten Sie einem Geschäftsführer, der heute entscheidet: „Ich will das Thema angehen"?

Starten Sie jetzt – aber strategisch. Buchen Sie ein unverbindliches Erstgespräch beim EDIH. Der DMA-Check gibt Ihnen eine ehrliche Standortbestimmung. Und denken Sie KI nicht als Kostenfaktor, sondern als Hebel: für Effizienz ja, aber vor allem für neue Werte. Die Geschwindigkeit der Veränderung erfordert Agilität. Unternehmen, die Stabilität über Anpassungsfähigkeit stellen, werden es schwer haben. Unser Netzwerk aus zehn Partnern – von Sensortechnologien bei Salzburg Research bis zur Drohnen Schwarmintelligenz bei Lakeside Labs – bietet die Expertise, um diesen Wandel gestaltbar zu machen.

Es gibt aktuell kaum einen komfortableren Weg, in das Thema Digitalisierung & KI einzusteigen: gefördert, von Experten begleitet, ohne bürokratische Hürden. Die Ressourcen für die nächsten drei Jahre sind da. Ein Erstgespräch kostet nichts – aber Nichtstun kann teuer werden.