
Selbstständig machen:
9 Dinge, die dir vor der Gründung keiner sagt
Die Selbstständigkeit verspricht Freiheit, Flexibilität und die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen. Gleichzeitig bringt sie Herausforderungen mit sich, über die viele Gründer erst sprechen, wenn sie sie selbst erlebt haben: von schwankenden Einnahmen über Steuernachzahlungen bis hin zur Frage, wie man den eigenen Preis selbstbewusst vertritt. Diese neun Erfahrungen helfen dir dabei, dich besser auf den Start in die Selbstständigkeit vorzubereiten.
Der Weg in die Selbstständigkeit
1. Du kannst nicht genau benennen, was du tust.
Der Businessplan steht, die Idee ist sonnenklar, die ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit sind gesetzt. Doch fragt dich jemand beiläufig – etwa auf einer Veranstaltung – „Was machst du eigentlich?“, macht sich Verunsicherung breit. Ja, was machst du eigentlich wirklich?
Bist du erst am Anfang deiner Selbstständigkeit, fühlen sich Bezeichnungen wie „Unternehmer:in“ oder Aussagen wie „Ich habe ein eigenes Business“ seltsam an. Als wären sie noch nicht wahr. Als würdest du übertreiben. Als wäre alles noch nicht gut und groß genug, um davon zu erzählen. Über die eigene Leistung zu sprechen, fühlt sich an dem Punkt komisch an – ist aber ganz normal.
Tipp: Alle Business-Ideen und Berufsbezeichnungen sind einmal „klein“ gestartet. Mache dir keinen Stress, nur, weil du noch nicht alles genauestens erklären kannst – oder möchtest. Lege dir einfach einen Satz zurecht, der zu deiner aktuellen beruflichen Situation passt und sich für dich stimmig anfühlt. Zum Beispiel: „Ich baue gerade ein eigenes Unternehmen auf – und mache daher gerade so ziemlich alles.“
2. Du trägst die Verantwortung allein – und bist meist allein.
Ja, du bist dein eigener Boss. Aber du bist auch deine eigene Personalstelle, das Projektmanagement, Sales und auch deine eigene IT. Als Gründer:in bist du eine One-(Wo)Man-Show und hast, vor allem zu Beginn, viele Hüte auf. Gleichzeitig bist du dabei meist auf dich allein gestellt. Kein Sparring-Partner für zwischendurch, kein Mittagessen mit den Kolleg:innen, kein Kaffeeklatsch. Für viele Selbstständige sind die eigenen vier Wände im Homeoffice Dreh- und Angelpunkt ihres Joballtags.
Warst du vorher in einer Anstellung, kann diese Kombination – für alles selbst verantwortlich und dabei noch allein – ein kleiner Schock sein. Diese Umstellung erfordert viel Leidenschaft für dein neues Business, Willenskraft und auch Lernbereitschaft.
Tipp: Schaff dir ein breites Netzwerk. Dazu gehören neben fachlicher Unterstützung etwa durch eine Steuerberatung auch befreundete Gründer:innen, mit denen du dich vertrauensvoll austauschen kannst. Plane dir zudem ausreichend Auszeiten und viel Abwechslung ein. Schaffe bewusste Pausen für Sport, Erledigungen und Spaziergänge. Was auch gegen das Alleinsein hilft: Mache Meetings persönlich statt online und buche dir zur Abwechslung Tage im Co-Working-Space ein.
3. Deine Persönlichkeit ist dein USP.
Deine persönlichen Eigenschaften sowie dein Verhalten und Auftreten gegenüber deinen Kund:innen sind mindestens genauso wichtig wie dein Produkt selbst. Schließlich kommen deine Kund:innen zu dir und nicht zu jemand anderen. Lass dein Wissen strahlen und zeige, was dich ausmacht. Gerade am Anfang kaufen Kund:innen oft nicht nur ein Produkt oder eine Dienstleistung. Sie kaufen Vertrauen.
Tipp: Lass deine Persönlichkeit jedenfalls in deine Arbeit einfließen. Vor allem im Start-up-Bereich schauen Investor:innen gezielt auf die Persönlichkeit von Gründer:innen. Stressfähigkeit, Menschenkenntnis und Soft Skills spielen eine wichtige Rolle. Trau dich also, deine Persönlichkeit in dein Business einfließen zu lassen. Was im zwischenmenschlichen Umgang zudem immer hilft: Sei zuvorkommend. Smart. Versuche, die Probleme deiner Kund:innen zu lösen. Sei eine Partner:in auf Augenhöhe.
Die GründerCenter der Erste Bank und Sparkassen bieten Service und Hilfestellungen bei deiner Unternehmensgründung. Ob es um das Geschäftskonto, die passende Förderung oder Finanzierung, kostenlose persönliche Beratung oder praktische Rechner geht: Hier finden (angehende) Selbstständige von Anfang an Antworten.
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Finanzen in deiner Selbstständigkeit
4. Umsatz ist nicht gleich Gewinn.
Was du mit deinem Brutto-Umsatz einnimmst, gehört noch nicht dir. Abhängig von der Höhe deines Umsatzes musst du einen angemessenen Teil für die Einkommenssteuer, Umsatzsteuer und Sozialversicherung zurücklegen, um ihn anschließend abzuführen.
Je mehr du verdienst, desto höher werden diese Abgaben im Laufe der Zeit. Steigt dein Umsatz, zahlst du auch Steuer- und Versicherungsbeiträge.
Besonders im dritten Jahr der Selbstständigkeit werden viele Gründer:innen emotional wie finanziell überrascht: Da wird bei den meisten eine SVS-Nachzahlung fällig. Warum? Bisher hat man nur fixe Mindestbeiträge gezahlt. Wer in der Zwischenzeit also gut verdient hat, zahlt entsprechend viel nach. Gleichzeitig pausieren die laufenden Beiträge für das aktuelle Jahr nicht. Auch bei der Steuer kann es zum gleichen Zeitpunkt zu einer zeitverzögerten Nachforderung kommen.
Tipp: Gib niemals deinen ganzen Umsatz aus. Achte darauf, dir immer einen guten Teil auf die Seite – etwa ein eigenes Sparkonto – zu legen. Wie hoch dieser Teil sein sollte, hängt von deinen Einnahmen und deiner Rechtsform ab. So hast du einen ausreichenden finanziellen Polster, egal, ob für Nachzahlungen von Steuern oder jene auftragsfreien Zeiten, in denen du gerade keine Rechnungen stellst. Willst du mehr über Geld beim Gründen erfahren? Wirf einen Blick in unsere Story Show me the money.
5: Deine Einnahmen schwanken und es gibt keine Sonderzahlungen.
Deinem Erfolg in der Selbstständigkeit sind nach oben hin keine Grenzen gesetzt. Das ist großartig. Mit dieser Möglichkeit kommt aber auch einher, dass du dich von gewohnten finanziellen Mustern aus deinem bisherigen Arbeitsleben verabschiedest. Dazu zählt beispielsweise das fixe monatlichen Einkommen. In der Praxis schwanken deine Einnahmen nämlich – je nach Nachfrage und Auftragslage. Zusätzlich erhältst du kein 13. und 14. Gehalt, das die meisten Angestellten als Sonderzahlung erhalten.
Tipp: Bilde dir Rücklagen, wenn möglich von jeder Rechnung. Nicht nur für die Steuer oder betriebliche Ausgaben. Auch für deine persönlichen Wünsche, wie etwa Urlaube.
6. Deinen Preis zu nennen, fühlt sich komisch an.
Selbstständigkeit hat viel mit Setzen von Grenzen zu tun. Einerseits persönlich: Man ist selbst für einen produktiven Alltag verantwortlich, muss auf sich schauen, nicht zu wenig und auch nicht zu viel arbeiten, auch mal abschalten. Und andererseits beruflich: Man muss seine Einnahmen und Ausgaben so planen, dass es ein gutes Auskommen gibt, seine Preise gut kalkulieren, den Markt kennen. Ein Preisschild an die eigene Leistung zu hängen – und zu diesem bei Verhandlungen zu stehen –, gehört auch dazu.
Tipp: Kalkuliere deine Leistung nicht unter Wert. Stehe zu deinem Können und benenne Leistungen und Preise, als wären sie selbstverständlich. Ein zu günstiger Abschluss, nur des Auftrags willens, tut einem später meistens leid. Bedenke: Es ist für jedes Unternehmen wichtig, wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten. Gewinne ermöglichen Investitionen, schaffen Sicherheit und tragen dazu bei, langfristig handlungsfähig zu bleiben.
Der Arbeitsalltag
7. Perfektion ist eine Illusion – und das ist gut so.
Hohe Ansprüche an die eigene Arbeit haben wohl alle Selbstständigen. Doch zu hohe Standards stehen einer guten Leistung hin und wieder auch im Weg. Wer lupenreine Perfektion aus dem Lehrbuch anstrebt, wird erkennen, dass diese in der Praxis (je nach Job-Art, klarerweise) oft nicht erwartet – oder überhaupt erkannt – wird.
Tipp: Entwickle ein Gefühl dafür, was deine persönlichen Qualitätsstandards sind. Welche Zusatz-Arbeit sich lohnt und welche nicht. Das erfordert viel Reflektion und die eine oder andere Kund:innen-Erfahrung, ist aber Gold wert für eine langfristige und finanziell gesunde Selbstständigkeit. Bevor du also noch weitere 500 Stunden in ein Projekt investierst, kläre zwischenzeitlich mit deinen Kund:innen doch einmal den Status Quo ab – vielleicht sind sie damit ja bereits hoch zufrieden.
8. Du arbeitest selbst und ständig.
Als Selbstständige:r kannst du dir deine Arbeitszeit unter Berücksichtigung der Kunden-Wünsche frei einteilen – das ist einer der wertvollsten Vorteile. Die freie Zeiteinteilung bringt aber auch oft mit sich, dass Arbeits- und Freizeit ineinanderfließen. So ist es nicht selten, dass du nicht nur unter der Woche, sondern auch während deines Urlaubs, an Feiertagen oder Wochenenden arbeitest. Für Selbstständige gilt kein Arbeitszeitgesetz, das dich schützt, es gibt keine Urlaubstage und auch keinen Chef, der auf dich schaut. Dessen solltest du dir bewusst sein.
Tipp: Flexible Arbeitszeiten zu haben, ist großartig. Wichtig ist dabei, ehrlich mit dir selbst zu sein, auf deine psychische und physische Gesundheit zu schauen und in guter Balance zu deiner Arbeit zu sein.
Der Ausblick auf deine Selbstständigkeit
9. Du bist selbstständig, um dein eigenes Leben zu verbessern.
Du hast das Talent, mit eigener Leistung Geld zu verdienen? Dein eigenes Business nach eigenen Regeln, mit meinem eigenen Team und allem, was dazugehört, zu führen? Großartig. Bravo. Selbstständig zu arbeiten und dabei weitgehend frei zu sein, ist ein lohnendes Gefühl. Mache dir bewusst: Du bist selbstständig, weil du darauf vertraust, dass es dich finanziell und auch persönlich auf eine nächste Ebene bringt. Insofern: Mach dein Ding. Vergleiche dich nicht mit anderen. Gib deinem Business deine eigene Note.
FAZIT
Selbstständigkeit bedeutet Freiheit, aber auch Verantwortung. Wer die finanziellen und persönlichen Herausforderungen kennt, kann bewusster entscheiden, ob dieser Weg zum eigenen Leben passt.
Stand September 2026