Christin Pölzl-Bahr:
„Stellen Sie sich bei Ihren Finanzen an die erste Stelle“

Als Leiterin Investment Strategy & Business Development der Erste Bank beschäftigt sich Christin Pölzl-Bahr beruflich täglich mit Investments. Rückblickend hätte sie sich jedoch auch privat schon wesentlich früher damit auseinandersetzen wollen. Im Interview erzählt sie, welche Lektionen sie aus ihren ersten Anlageentscheidungen gezogen hat, wie sie ihre Kinder an Geld und Wertpapiere heranführt und warum Frauen ihre eigene Finanzplanung an die erste Stelle setzen sollten.

Liebe Christin, du beschäftigst dich beruflich jeden Tag mit Investments. Erinnerst du dich noch an dein allererstes eigenes Investment? Was war es und wie hast du dich damals bei der Entscheidung gefühlt?

Mein erstes Investment war ein Ansparplan auf einen globalen Aktienfonds. Entschlossen hatte ich mich dazu allerdings erst relativ spät.

Als der Bausparvertrag meines Sohnes einige Jahre nach Beginn meiner Berufstätigkeit auslief, wurde mir plötzlich bewusst: Ich hätte schon seit Jahren investieren können. Das war wie ein böses Erwachen und ich fühlte mich schrecklich. Also schloss ich einen Fondssparplan ab und investierte direkt einen Teil des Geldes. Das war mein Einstieg.

Wenn du heute auf deine ersten Jahre als Anlegerin zurückblickst: Was würdest du anders machen?

Erstens würde ich früher mit dem Investieren beginnen. Ich habe mein Depot erst mit 27 genutzt. Mit 23 hatte ich mein Studium abgeschlossen, war Mutter und begann meine Vollzeitstelle in der Filiale der Erste Bank am Graben. Mit einem Kleinkind zu Hause und dem Fokus auf meine berufliche Tätigkeit erschien mir meine persönliche Geldanlage nicht so wichtig. Dabei wäre dafür gar nicht viel Aufwand nötig gewesen.

Zweitens würde ich mich beim Einstieg ins Investieren nicht von (noch) fehlendem finanziellem Fachwissen abbringen lassen. Eine möglichst rasche praktische Umsetzung trägt wesentlich dazu bei, Vertrauen und Selbstbewusstsein bei den eigenen Anlageentscheidungen zu entwickeln. Das sehe ich auch bei meinen Kindern, die ihre Wertpapiere im Depot schon früh kennenlernen und auch gerne mit mir darüber sprechen.

Heute investiere ich am liebsten in Aktien und bin dank meines langfristigen Blicks tiefenentspannt. Diese Gelassenheit fehlte mir am Anfang.

Gab es bei deinen eigenen Investments einmal eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als Fehler herausgestellt hat? Und was hast du daraus gelernt?

Ich hatte einige Erfolgserlebnisse mit Krypto-Token, aber auch eine herbe Enttäuschung. Für mich ist Krypto eine volatile Wette und kein langfristiges Investment und damit nach einer persönlichen Vorliebe tendenziell uninteressant. Den Token, mit dem ich den Verlust gemacht habe, halte ich noch immer in meinem Wallet, damit er mich daran erinnert, wie ich meine Investments gestalten möchte und worauf ich Wert lege.

Deine Kinder investieren inzwischen selbst. Wie hast du ihnen das Thema Geld und Investieren nähergebracht?

Dazu hatte ich schon lange eine sehr konkrete Vorstellung. Seit ihrem 14. Geburtstag bekommen mein mittlerweile 20-jähriger Sohn und meine 15-jährige Tochter den Betrag der Familienbeihilfe zur Verfügung gestellt. Damit müssen sie grundsätzlich alle Ausgaben für Schule, Kleidung und Unternehmungen mit Freund:innen selbst abdecken. So lernen sie, ihre Ausgaben zu planen und zu entscheiden, wofür sie ihr Geld verwenden möchten. Bei größeren Ausgaben unterstützen wir sie natürlich, besprechen aber auch gemeinsam, wie sie ihre Ziele eigenständig erreichen könnten.

Der erste Schritt in Richtung Vermögensaufbau ist meiner Meinung nach ein Dauerauftrag auf ein Sparkonto. So lernt man, regelmäßig Geld zurückzulegen und diese Gewohnheit in den Alltag zu integrieren.

Wenn sie 16 sind, spreche ich mit meinen Kindern über Wertpapiere und zeige ihnen das Wertpapierdepot, auf dem ich für sie angespart habe. Bei meinem Sohn hat das gut geklappt. Er hat seinen Spar-Dauerauftrag sofort auf einen ETF-Sparplan umgestellt. Mit 18 kaufte er seine erste Aktie und war mächtig stolz.

So wachsen die Kinder Schritt für Schritt in das Thema Finanzen hinein: vom Einteilen des eigenen Budgets über regelmäßiges Sparen bis zum Investieren. Eine gute Begleitung durch uns Eltern ist dabei unverzichtbar. Dazu gehört vor allem, Inhalte aus sozialen Medien zu besprechen, wenn heiße Aktientipps oder Krypto-Automatismen schnelle und hohe Gewinne versprechen.

Welche Werte möchtest du deinen Kindern im Umgang mit Geld mitgeben? Gibt es Regeln oder Grundsätze, die dir besonders wichtig sind?

Ein wichtiger Grundsatz ist, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen. Sie brauchen sich finanziell nicht mit anderen zu messen. Nur weil jemand etwas besitzt oder auf Social Media einen Gewinn zeigt, müssen sie das nicht auch haben. Entscheidend ist, was zu ihrem eigenen Leben und ihren Möglichkeiten passt. Und: Nachfragen ist immer besser, als etwas zu kaufen, das man nicht versteht.

Ein weiterer Grundsatz lautet: Sie sollen sich natürlich etwas gönnen dürfen, aber gleichzeitig darauf achten, einen Teil als Reserve zurückzulegen. Für mich gehört beides zusammen. Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Diesen Grundsatz habe ich mir selbst gesetzt und ich gebe ihn auch meinen Kindern weiter.

Hat sich dein eigener Umgang mit Geld und Investieren verändert, seit du Kinder hast?

Ja und nein. Meine Finanzen hatte ich immer gut im Blick. Das Grundgerüst meiner kurz-, mittel- und langfristigen Vorsorge hat sich mit den Kindern jedoch stark verändert. Die Ausgaben im kurz- und mittelfristigen Bereich stiegen plötzlich deutlich an. Auch das Urlaubsgeld wurde nun tatsächlich für den Urlaub verwendet. Es erfordert mehr Disziplin, trotz allem etwas zur Seite zu legen.

Als ich begann, für meine Kinder zu investieren, betrachtete ich Wertschwankungen viel kritischer. Unter keinen Umständen wollte ich die Ersparnisse für meine Kinder „riskieren“. Mein Sohn wurde 2005 geboren, und 2008 kam die Finanzkrise. In meinen ersten Berufsjahren erlebte ich hautnah, wie die Erträge aus zehn Jahren Veranlagung einbrachen.

Meine Entscheidung damals: Ich investiere zunächst mein eigenes Geld. Wenn sich das Investment gut entwickelt, bekommt es mein Sohn. Wenn es fällt, bekommt er das Geld, das auf dem Sparkonto geblieben ist. Ich gab meinem Sohn also gewissermaßen selbst eine Kapitalgarantie.

Diese Erfahrung prägt auch meine Arbeit: Ich weiß, dass Wissen allein nicht jede Unsicherheit auflöst. Eine Anlage muss auch zum persönlichen Sicherheitsbedürfnis passen.

Wenn du Frauen, die sich bisher noch kaum mit Investments beschäftigt haben, einen einzigen Gedanken aus deinen persönlichen Erfahrungen mitgeben könntest: Welcher wäre das?

Wir Frauen kümmern uns um vieles und schieben unsere eigenen Themen dabei oft auf. Beim Vermögensaufbau ist Zeit aber ein wesentlicher Faktor. Man muss keine Börsenexpertin werden, um sich damit auseinanderzusetzen. Man kann sich über Möglichkeiten und Risiken beraten lassen und die Grundlagen sehr schnell kennenlernen.

Mein Gedanke lautet deshalb: Nehmen Sie sich Zeit für Ihre eigene Finanzplanung und den Aufbau von Vermögen. Tun Sie das nicht nur für Ihre Kinder oder Ihre Familie, sondern für sich selbst. Erzählen Sie sich keine Geschichten darüber, warum es nicht geht, sondern stellen Sie sich im Thema Finanzen an die erste Stelle.

Hierbei handelt es sich um eine Marketingmitteilung.

Die in diesem Interview getroffenen Aussagen geben ausschließlich die persönliche Meinung und Erfahrung von Mag. (FH) Christin Pölzl-Bahr zum Zeitpunkt des Interviews wieder. Sie stellen keine offizielle Einschätzung, Empfehlung oder Prognose der Erste Bank Oesterreich dar. Bitte beachten Sie, dass Investitionen neben Chancen auch Risiken bergen