
Tech-Sektor: Nicht alles, was glänzt, ist Gold
Der Technologie-Sektor zählt zweifellos zu den prägendsten Wirtschaftszweigen unserer Zeit. Welche Dimensionen diese Entwicklung einmal annehmen würde, hätte wohl kaum jemand erwartet. Vor Kurzem erzählte mir ein Kollege, dass früher tatsächlich darüber diskutiert wurde, ob man überhaupt E-Mail-Adressen benötigt. Schließlich gab es doch Faxgeräte und die Post. Heute wirkt das beinahe absurd, denn ohne E-Mail funktioniert kaum noch etwas. Unabhängig davon, in welchem Berufsfeld wir tätig sind: Internet, Cloud-Services und unterschiedlichste Softwarelösungen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Der Spruch „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ ist längst Realität geworden.
Doch was sich nicht geändert hat: Der Tech-Sektor dominierte, mit ein paar Ausnahmen, auch schon um die Jahrtausendwende die Indizes. Nur die Namen der Marktführer haben sich verändert. Bis auf einen: Microsoft ist schon seit damals in den Top 10, rutschte zwar zwischenzeitlich ein paar Plätze nach unten, spielte aber immer vorne mit und hat sich seither versechsfacht. Zu dieser Zeit entwickelte NVIDIA hingegen hauptsächlich Grafikkarten für Computerspiele und stand kaum im Fokus von Analyst:innen. Heute ist NVIDIA das wertvollste Unternehmen der Welt und allein mehr als neunmal so groß, wie Microsoft im Jahr 2000 war.
Doch der Technologie-Sektor umfasst viel mehr als nur Software, Apps und das Internet. Ein Blick unter die Oberfläche zeigt uns die enorme Vielfalt:
Software & Services – Microsoft, Adobe, Salesforce, Oracle, SAP
IT-Services – IBM, Accenture
Halbleiter – NVIDIA, ASML, Intel, Broadcom
Technologie & Hardware – Apple, Dell Technologies
Und wie unterschiedlich sich diese Segmente entwickeln können, zeigt der Blick auf die jeweiligen Indizes seit Ende 2022:
* kumuliert, in USD; Stand: SOX, Nasdaq-100, Hardware per 01.07.2026; Nasdaq-CTA-/BVP-Indizes per 31.03.2026; MSCI Software per 30.04.2026 (jeweils letzter offizieller Datenstand).
Sind das alles gute Unternehmen? Grundsätzlich ja. Doch insbesondere der KI- und Halbleiterboom hat die Karten neu gemischt. Dadurch stellen sich wichtige Fragen: Welche Software könnte durch KI ersetzt werden? Kann künstliche Intelligenz künftig dieselben Leistungen wie Adobe bieten oder sogar mehr? Brauche ich in Zukunft noch klassische Bürosoftware für meine Präsentationen und unterschiedlichsten Anwendungsfällte?
Die Antwort lautet wie so oft an der Börse: Es kommt darauf an. Nicht jedes Softwareunternehmen ist der gleichen Bedrohung durch KI ausgesetzt. Entscheidend ist der sogenannte Burggraben (also der nachhaltige Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens). In der Softwarewelt entsteht dieser vor allem durch vier Faktoren: hohe Wechselkosten, geschäftskritischen Prozesse, den Zugang zu einzigartigen Daten und die Fähigkeit, KI selbst in das eigenen Geschäftsmodell zu integrieren, bevor es andere tun.
Welche Unternehmen könnten von den Vorteilen profitieren?
Microsoft ist der Sonderfall: Das Unternehmen ist nicht Opfer der KI-Entwicklung, sondern einer ihrer größten Profiteure. Durch die Partnerschaft mit OpenAI, Copilot und die Cloud-Plattform Azure verdient Microsoft am KI-Boom mit, anstatt von ihm verdrängt zu werden. Außerdem ist Microsoft Office so tief in den Geschäftsprozessen vieler Unternehmen verankert, dass KI Excel nicht ersetzt, sie wird vielmehr direkt in Excel integriert.
SAP und Oracle betreiben das digitale Nervensystem zahlreicher Konzerne.
Eine ERP-Migration gleicht oft einer Operation am offenen Herzen und wird daher selten leichtfertig durchgeführt. Gleichzeitig verfügen beide Unternehmen über jahrzehntelang aufgebaute Prozess- und Geschäftsdaten. Genau jene Ressource, die für KI-Anwendungen von entscheidender Bedeutung ist. Ohne Zugang zu diesen Daten bleibt selbst das beste KI-Modell ein Werkzeug ohne Werkstatt.
ServiceNow und Salesforce haben einen ähnlichen Hebel: Ihre Plattformen bilden Arbeitsabläufe und Kundenbeziehungen ab, die über Jahre gewachsen sind. Auch hier stellen Daten einen wesentlichen Teil des Burggrabens dar und schaffen hohe Eintrittsbarrieren für den Wettbewerb.
Cybersecurity-Unternehmen wie CrowdStrike oder Palo Alto Networks profitieren sogar doppelt: Künstliche Intelligenz macht Cyberangriffe günstiger, schneller und effizienter. Gleichzeitig steigt damit der Bedarf an Schutz- und Sicherheitslösungen strukturell an.
Schwieriger wird es dagegen für Anbieter:innen, deren Produkte im Kern nur einzelne Funktionen abdecken. Dazu zählen beispielsweise einfache Bildbearbeitung, Übersetzungsdienste, Stock-Foto-Plattformen oder kleine Produktivitätstools. Was eine KI heute innerhalb weniger Sekunden erledigen kann, rechtfertigt oft kein eigenständiges Abo-Modell mehr. Selbst Adobe, zweifellos ein hervorragendes Unternehmen, muss derzeit beweisen, dass Firefly und die Integration von KI in bestehende Workflows ausreichen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Und wie beurteilt der Markt diese Entwicklung?
Die Tabelle weiter oben liefert einen deutlichen Hinweis. Halbleiter legten seit Ende 2022 um 427 Prozent zu, klassische Software hingegen nur um 54 Prozent, Cloud- und SaaS-Unternehmen sogar lediglich um rund 10 Prozent. Anleger:innen investieren derzeit bevorzugt in die „Schaufelverkäufer“ des KI-Booms und nicht mehr automatisch in jedes Softwareunternehmen.
Genau darin liegt die zentrale Botschaft dieses Beitrags: Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Dennoch gibt es im Technologiesektor Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen so tief im Alltag verankert sind, dass künstliche Intelligenz ihren Wert eher steigert als gefährdet.
Niemand besitzt eine Glaskugel, die verlässlich zeigt, wohin die Reise in den kommenden Jahren gehen wird. Es ist jedoch immer sinnvoll, einen Regenschirm mitzunehmen für den Fall, dass es regnet und die Sonne einmal nicht mehr so stark scheint.
Deshalb bleibt Diversifikation das A und O erfolgreicher Geldanlage. Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, welche technologischen Innovationen die Märkte in den nächsten Jahren verändern oder bestehende Geschäftsmodelle verdrängen werden. Gerade deshalb ist es wichtiger denn je, sich über verschiedene Anlageklassen, Regionen und Sektoren hinweg breit aufzustellen.
Eine bewährte Möglichkeit dafür bietet die Core-Satellite-Strategie. Dabei bildet ein breit diversifizierter Kern („Core“) das stabile Fundament des Portfolios, während ausgewählte Zukunfts- und Trendthemen als Satelliten beigemischt werden. So können Anleger:innen an langfristigen Entwicklungen teilhaben, ohne dabei die Bedeutung einer ausgewogenen Risikostreuung aus den Augen zu verlieren.
Alen Obic, Sparkasse OÖ Kapitalanlagegesellschaft
Wichtige rechtliche Hinweise:
Diese Marketingmitteilung richtet sich ausschließlich an Personen die ihren Sitz, Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich haben und dient als zusätzliche Information für unsere Anleger:innen. Diese Mitteilung ist unverbindlich und stellt kein Angebot und keine Aufforderung oder Empfehlung für den Kauf, Verkauf oder das Halten von bestimmten Finanzinstrumenten oder Dienstleistungen dar. Die Sparkasse Oberösterreich übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Inhalte und für das Eintreten von Prognosen. Beachten Sie bitte, dass Veranlagungen in Wertpapiere neben Chancen auch Risiken beinhalten.
Erschienen am 9. Juli 2026
Impressum: Medieninhaber, Hersteller, Herausgeber und Redaktion: Allgemeine Sparkasse Oberösterreich Bank AG, Postanschrift: Promenade 11 – 13, 4020 Linz