
Entspannung im Handels- und Zollkonflikt
Der von Donald Trump am 2. April ausgerufene „Tag der Befreiung“ sorgte weltweit für Aufsehen. Mit drastischen Strafzöllen zwischen 30 Prozent und 50 Prozent – im Fall Chinas sogar über 100 Prozent – haben die USA ihre wichtigsten Handelspartner massiv vor den Kopf gestoßen. Die Botschaft war unmissverständlich: Das Land, das einst als Symbol für freien Welthandel galt, kehrt diesem nun den Rücken und zieht sich zunehmend vom globalen Markt zurück. Besonders gegenüber China wurde – auch aus ideologischen Gründen – eine vollständige wirtschaftliche Abkopplung angestrebt. Trumps Kurs der Abschottung wirkte umso glaubwürdiger, da er die amerikanische Bevölkerung auf harte Zeiten vorbereitete: Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher:innen müssten vorübergehend mit Nachteilen wie steigender Inflation und höherer Arbeitslosigkeit rechnen, bis sich das neue wirtschaftliche System etabliert hat.
Es zeigte sich jedoch rasch, dass die USA mit ihrer Abschottungspolitik vor allem sich selbst schadeten. Die Finanzmärkte reagierten heftig – der S&P 500 verlor in dieser Zeit um die 15 Prozent, es kam zu Turbulenzen am Markt für US-Staatsanleihen, Unternehmen beklagten sich über stark gestiegene Importkosten, und es drohten Engpässe bei der Versorgung. Diese Entwicklungen führten schließlich zu einem Kurswechsel in der US-Regierung. Anstelle weiterer Konfrontationen stehen nun Verhandlungen und Abkommen mit den wichtigsten Handelspartnern im Vordergrund.
Seit der zweiten Aprilwoche befinden sich die Märkte in einer Erholungsbewegung. Das liegt daran, dass seitdem Maßnahmen zur Entschärfung im Handelsstreit gesetzt wurden. Am 9. April wurden die reziproken Zölle auf alle Handelspartner ausgenommen China für 90 Tage außer Kraft gesetzt und in der letzten Woche ist eine Vereinbarung mit dem Vereinigten Königreich getroffen worden. Hierbei bleibt jedoch der Basistarif von 10 Prozent für die meisten Güter.
Die Vereinbarung mit China
Noch bedeutsamer für den internationalen Handel war jedoch die überraschende Annäherung zwischen den USA und China am vergangenen Wochenende. Bis vor Kurzem schien das Verhältnis völlig festgefahren – mit gegenseitigen Strafzöllen von über 100 Prozent drohte ein nahezu vollständiger Handelsstopp. Doch innerhalb weniger Tage hat sich der Ton zwischen den beiden Rivalen deutlich verbessert. Die Verhandlungsteams einigten sich auf eine erhebliche Senkung der Zölle: Ab dem 15. Mai gelten für chinesische Exporte in die USA nur noch 30 Prozent (statt zuvor 145 Prozent), während US-Waren nach China mit 10 Prozent verzollt werden (statt 125 Prozent). Diese Vereinbarung ist zunächst auf 90 Tage befristet. Außerdem hat man sich auf ein Prozedere geeinigt, wie in den kommenden Monaten weiterverhandelt werden soll.
Die Auswirkungen
Der durchschnittliche Zollsatz der USA sinkt mit der Vereinbarung mit China von 23 Prozent auf rund 13 Prozent. Das Niveau ist immer noch deutlich über dem Ausgangsniveau von 3 Prozent. Das heißt, die ursprünglichen Einschätzungen gelten noch immer, sind aber im Ausmaß geringer.
In den USA wirkt die Zollanhebung wie eine Steueranhebung. Die Kosten steigen an, und mit einer Zeitverzögerung auch die Preise. Dadurch wird die Kaufkraft und damit das Wirtschaftswachstum reduziert. Das Risiko, dass der stagflationäre Effekt in eine Rezession mündet, ist jedoch gefallen.
Für den Rest der Welt wirken die US-Zollerhöhungen wie ein Nachfragerückgang. Weil dieser jedoch geringer ausfällt, wird auch das Ausmaß der Inflationsdämpfung reduziert. Der Raum für Leitzinssenkungen ist damit geschrumpft. Beispielsweise sind für die Europäische Zentralbank die im Markt gepreisten Leitzinssenkungen von Freitag auf Montag von 0,62 Prozentpunkte auf 0,46 Prozentpunkte gesunken.
Die bisherige Schätzung für die US-Inflation war ein Anstieg von 2,8 Prozent im Jahresabstand im März auf 3,8 Prozent im Dezember 2025. Der Inflationsanstieg wird nun wahrscheinlich geringer ausfallen. Das erleichtert es der Zentralbank Fed „durchzuschauen“, also den Inflationsanstieg glaubwürdig als temporär zu beurteilen. Das Risiko von Leitzinsanhebungen ist damit gesunken, und der Raum für Leitzinssenkungen für den Fall einer Abschwächung am Arbeitsmarkt angestiegen.
Das Potenzial für große Störungen in den Lieferketten ist nunmehr geringer. Probleme werden dennoch zu beobachten sein. Denn die chinesischen Exporte in die USA sind im April um 21 Prozent im Jahresabstand eingebrochen.
Fazit:
Die Trump-Administration hat das selbst gelegte Feuer teilweise gelöscht. Der Zollsatz von 30 Prozent auf chinesische Importe ist immer noch hoch und schmerzhaft für beide Seiten. Aber immerhin ist er niedrig genug, damit ein Handel stattfinden kann. Die Nachrichten sind also positiv.
Zum Schluss ein Warnhinweis: Die Frage ist, ob es nicht einen effizienteren Weg zur aktuellen Situation gegeben hätte. Die erratische Politik (Zollanhebungen gefolgt von Zollsenkungen) und die Tatsache, dass die reziproken Zölle lediglich pausiert worden sind (für 90 Tage), halten die Unsicherheit für die Märkte und die Unternehmen auf einem unangenehm hohen Niveau.
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Erschienen am 14. Mai 2025.
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