
Eskalation im Nahen Osten: Unsere erste Einschätzung
Seit Samstag laufen Luftangriffe Israels und der USA gegen den Iran. Medienberichten zu Folge ist Irans Oberster Politischer Führer Ali Chaminei bereits am Samstag den Angriffen zum Opfer gefallen. Die Finanzmärkte blicken besorgt auf den Konflikt weil der Iran unmittelbar nach Beginn der Angriffe die Straße von Hormuz für den Schiffsverkehr gesperrt hat. Durch die Straße von Hormuz werden annähernd 20 % des globalen Ölbedarfs transportiert. Dementsprechend ist der Preis für ein Fass Brent-Öl am Montagmorgen im Handel auf 78 USD gestiegen – ein Plus von 8 % im Vergleich zu Freitag. Die Gefahr eines weiteren Anstiegs des Ölpreises ist ein Risikofaktor für die Weltwirtschaft. Die globalen Finanzmärkte reagierten am Montag zu Handelsbeginn uneinheitlich. Der Goldpreis ist um 2 % gestiegen, und auch der Schweizer Franken hat gegenüber dem Euro deutlich an Wert gewonnen. Der Euro verlor leicht gegenüber dem Dollar. Neben Sicheren-Hafen-Flüssen spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass die Eurozone ein Netto-Importeur von fossilen Energieträgern ist, die USA hingegen ein Netto-Exporteur. Die Staatsanleihenmärkte, die in Antizipation eines Militärschlags bereits vor dem Wochenende reagiert hatten, zeigten am Montag hingegen eine leichte Entspannung und die Renditen stiegen etwas. Die asiatischen Aktienmärkten schlossen im Minus und Futures für den US-Aktienmarkt wiesen Montag Morgen einen Rückgang von knapp 1,5 % aus. Die Europäischen Aktienmärkte eröffneten um rund 2 % niedriger. Insgesamt waren die Märkte zwar beunruhigt, eine massive Änderung des Ausblicks war aber nicht zu erkennen.
Allerdings gibt es mehrere Faktoren, die nach unserer Einschätzung dafür sprechen, dass der Anstieg des Ölpreises nur von begrenzter Dauer sein sollte. Zum einen, weil eine anhaltende Sperre der Straße von Hormus den Interessen der beiden Großmächte USA und China widersprechen würde. Die USA wollen im Hinblick auf die heimische Bevölkerung keinen höheren Ölpreis und China bezieht einen beträchtlichen Teil des Ölbedarfs aus der Golf-Region. Zum anderen gehen wir davon aus, dass es dem Iran nur für eine begrenzte Zeit von allenfalls wenigen Wochen gelingen wird, die Sperre der Straße von Hormuz durchzusetzen, wodurch der aktuelle Anstieg der Ölpreise nicht nachhaltig Bestand haben sollte. Dafür spricht auch, dass die USA und die EU beträchtliche strategische Ölreserven haben, die bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden können, um Preisanstiegen entgegen zu wirken und die Energiemärkte zu beruhigen. Der Ölpreis könnte kurzfristig weiter ansteigen, sollte aber bald die Spitze erreichen und danach wieder absinken.
Auswirkungen auf die Eurozone und die EZB
In Abhängigkeit von der Dauer des erhöhten Ölpreises wird die Inflation der Eurozone, vorerst wahrscheinlich zumindest im März, ansteigen. Besonderes Augenmerk gilt der Reaktion der Gaspreise auf den Anstieg der Ölpreise, da diese den Strompreis stark beeinflussen. Die europäischen Gaspreise sind am Montag deutlich angestiegen und erreichten etwa das Niveau während der US-Militäraktion in Venezuela Im Jänner. Der Strompreis belastet energieintensive Industriezweige der Eurozone. Dadurch droht die Gefahr, dass die Produzentenpreise in Europa temporär deutlich steigen könnten. Dies würde sich dämpfend auf den Wachstumsausblick der Eurozone auswirken. Die Abwärtsrisiken für die Konjunktur nehmen auch dadurch zu, dass sich im aktuellen Umfeld wahrscheinlich die generelle Stimmungslage der Unternehmen vorübergehend eintrüben wird. Es droht auch eine Ausweitung von Risikoaufschläge für Unternehmensfinanzierungen mit zusätzlich dämpfenden Effekten auf den Wachstumsausblick aus.
Wir erwarten, dass die EZB aufgrund eines vorübergehend erhöhten Ölpreises ihre geldpolitische Ausrichtung nicht ändern wird. Die Risiken für den Inflations- und Wachstumsausblick haben sich jedoch durch den aktuellen Krieg wieder erhöht. Einerseits sind die Aufwärtsrisiken für die Inflation durch die erhöhten Ölpreise gestiegen. Andererseits haben die Abwärtsrisiken für die Konjunktur der Eurozone zugenommen. Wir würden allerdings davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der EZB in der aktuellen Konstellation gering ist. Wesentlicher Grund dafür ist die Tatsache, dass es sich um einen vorübergehenden Angebotsschock bei Energie handelt. Zusätzlich wird die EZB eine potentielle Ausweitung der Risikoaufschläge bei Unternehmensfinanzierungen wahrscheinlich als eine von ihr ungewollte Straffung der finanziellen Rahmenbedingungen einordnen. Dies ist ein weiteres Argument, dass trotz vorübergehend steigender Inflation gegen eine Zinserhöhung spricht. Unter diesen Rahmenbedingungen ist nach unserer Einschätzung die wahrscheinlichste Vorgehensweise der EZB zunächst keine Änderung der aktuellen Geldpolitik.
Auswirkungen auf die Aktien und Gold
Die aktuellen Kriegshandlungen im Iran und im Mittleren Osten reduzieren in den kommenden Tagen global die Risikobereitschaft der Investoren. Da die Ölexporte durch die Straße von Hormus zum überwiegenden Teil nach Asien (insbesondere China) gehen, sollten Aktienmärkte in Asien stärker unter Druck kommen als europäische und amerikanische.
Generell werden Erdöl-Konzerne aller Voraussicht nach von den höheren Ölpreisen profitieren. US-Konzerne wie Exxon und Chevron haben dazu nur ein sehr geringes Exposure in der Region. Für beide Konzerne macht der Mittlere Osten nur einen niedrigen einstelligen Anteil an ihrer Jahresproduktion aus. Die Outperformance des Energiesektors wird daher weitergehen. Die Aktie des mit Abstand weltgrößten Ölproduzenten Saudi Aramco zeigte am Sonntag an der Börse in Saudi-Arabien eine positive Entwicklung (+3,4 %). Dies unterstützt unsere positive Einschätzung für Energieaktien. Die Abschwächung des Sektors zyklischer Konsum würde bei einem langen Konflikt mit signifikant höherem Ölpreis andauern, weil die Kaufbereitschaft der Konsumenten mit den gestiegenen Energiekosten abnimmt.
Der Goldpreis profitierte bereits im Vorfeld von den geopolitischen Spannungen im Mittleren Osten. Im Zuge des aktuellen Risk-Off Modus an den Märkten sollte der Goldpreis von Safe-Heaven Flows profitieren und daher vorerst weiter moderat ansteigen.
Unsere Empfehlung für Sie: Ruhe bewahren
Auch wenn die Nachrichtenlage derzeit bedrohlich wirken mag, sind politische Entwicklungen an den Finanzmärkten oft nur von kurzfristiger Natur. Für Sie als Investor:in ist es jetzt wichtig:
Langfristig denken: Behalten Sie Ihre Anlageziele im Blick. Taktische Kurzschlussreaktionen und panische Verkäufe schaden dem langfristigen Vermögensaufbau meist mehr, als sie nützen.
Bleiben Sie besonnen: Streuen Sie Ihre Investments breit und behalten Sie Ihre Renditechancen im Auge. Eine solide Diversifikation über verschiedene Anlageklassen hinweg ist der beste Puffer gegen geopolitische Schwankungen.
Das Gespräch suchen: Es ist völlig normal, in solchen Phasen unsicher zu sein. Zögern Sie nicht, Rücksprache mit Ihrem/Ihrer Berater:in zu halten, um Fragen zu Ihrer individuellen Aufstellung zu klären.
Quelle: Erste Group Research, Erste Asset Management
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Erschienen am 2. März 2026.
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