Information zur aktuellen Marktsituation am 23.03.2022

Innerhalb von zwei Jahren wurde die Weltwirtschaft nun gleich mit zwei negativen Extremereignissen konfrontiert: Zuerst führte die COVID-19-Pandemie erstmals zu einem beispiellosen Einbruch der Weltwirtschaft und darauffolgend zu einer schnellen Erholung. Und nun sorgt der Einmarsch von Russland in die Ukraine für eine geopolitische Krise und löste wiederum einen Rohstoffpreisschock aus. In beiden Fällen wirken die Auswirkungen stagflationär: Denn ohne die beiden Ereignisse wäre das Bruttoinlandsprodukt (BIP) höher und die Inflation entsprechend niedriger.

Gewisse Stabilisierung trotz anhaltenden Bombardements ukrainischer Städte

Auch wenn die Volatilität und Verunsicherung an den Kapitalmärkten weiterhin besonders hoch bleibt, so ist seit letzter Woche doch eine gewisse Stabilisierung und zuletzt auch eine leichte Erholung der Aktienmärkte zu verzeichnen. Der primäre Treiber für die gegenwärtige Stimmung der Anleger:innen ist und bleibt der Ukraine-Krieg, bei welchem trotz der anhaltenden russischen Bombardements ukrainischer Städte zumindest auf der diplomatischen Seite erste Fortschritte erkennbar sind. Sowohl Russland als auch die Ukraine zeigten sich zuletzt kompromissbereit und vor allem die Aussage Putins, dass die Besetzung der Ukraine nicht sein Ziel sei, lassen doch berechtigte Hoffnungen auf erfolgreiche Friedensverhandlungen aufkommen. Es scheint, als würden die harten Wirtschaftssanktionen des Westens ihre Wirkung entfalten – bei einer laut dem Wirtschaftsministerium geschätzten Inflation von 12,5 Prozent ist es somit wenig verwunderlich, dass Putin die russische Bevölkerung bereits auf hohe Arbeitslosigkeit und schwierige Zeiten vorbereitet. Eine langanhaltende, kostspielige militärische Auseinandersetzung dürfte nicht im Interesse der russischen Führung sein, da ansonsten auch der Unmut der eigenen Bevölkerung stetig zunehmen wird.

Rohstoffmärkte haben sich etwas beruhigt

Einhergehend mit den jüngsten Fortschritten haben sich auch die Rohstoffmärkte zwischenzeitlich etwas beruhigt – so schwankt beispielsweise der Rohölpreis der Nordseesorte Brent zuletzt zwischen 100 USD und 120 USD nach zwischenzeitlich fast 140 USD. Doch auch auf diesen Niveaus wird der Druck auf die Inflation hoch bleiben und aus diesem Grund hat die US-Notenbank FED erwartungsgemäß die Zinswende eingeleitet. FED-Chef Jerome Powell hob den amerikanischen Leitzins um 0,25 Prozent an und präsentierte sich als forscher Bekämpfer der Inflation, welche in den USA auf zuletzt 7,9 Prozent hochschoss. Immerhin sieben Zinsschritte werden nun im kommenden Jahr erwartet. Entgegen dem Lehrbuch zeigten sich die Aktienmärkte dennoch freundlich, was vor allem damit zu tun haben dürfte, dass man der US-Konjunktur letztlich auch eine straffere Geldpolitik zutraut.

Je länger der Krieg andauert, umso brutaler wird er, und umso mehr steigt der Druck auf den Westen, die Sanktionen zu verschärfen und die Beziehungen mit Russland zu beenden. So haben die USA bereits ein Importverbot von russischem Öl und Gas bis Jahresende verhängt und auch Großbritannien zieht mit einem Importstopp von russischem Öl bis Jahresende nach. Die Europäische Union möchte hingegen die Gasimporte in diesem Jahr deutlich auf ein Drittel verringern und dafür bis zum Jahr 2027 überhaupt kein Gas und Öl mehr aus Russland importieren. Dazu möchte die EU-Kommission Mitte Mai einen Energieplan (RepPowerEU-Plan) vorstellen, mit dem dieses Vorhaben umgesetzt werden soll. Darüber hinaus ist eine Selbstbeschränkung westlicher Unternehmen (Banken, Versicherungen, Transportunternehmen, Handelsfirmen) aufgrund der Rechts- und Reputationsrisiken erkennbar.

Kaufgelegenheiten trotz hoher Unsicherheit

Die Kombination aus Krieg, hohen Rohstoff- und Energiekosten sowie steigenden Zinsen sind eine Herausforderung für Aktien. Die Historie zeigt jedoch, dass Kapitalmarktbelastungen durch geopolitische Risiken häufig nur von kurzer Dauer sind und in der Regel Kaufgelegenheiten bieten. Die Bewertungen von Aktien haben sich in diesem Umfeld aber nun weitgehend normalisiert. Europäische Aktien handeln beispielsweise auf einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,4 – deutlich unterhalb des Durchschnittes seit 1988 in Höhe von 14,6. Allerdings dürfte die Schwankungsanfälligkeit des Marktes bis auf Weiteres sehr hoch bleiben. 

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