Marktbericht Juli 2026

Der globale Aktienmarkt zeigte im ersten Halbjahr 2026 eine robuste Performance und bewies trotz starker geopolitischer Schwankungen erhebliche Resilienz. Nach einer vom Iran-Konflikt und Energieschock geprägten turbulenten Phase im Frühjahr sorgte das jüngste Abkommen zwischen den USA und dem Iran für eine spürbare Entlastung an den Finanzmärkten – insbesondere bei den Energiepreisen und den Inflationserwartungen.

Die Vereinigten Staaten und der Iran erzielten im Juni eine Vereinbarung, indem sich unter anderem beide Seiten verpflichten, die Straße von Hormus (eine zentrale Route für globale Öltransporte) wieder zu öffnen. Die Vereinbarung ist als vorübergehende Maßnahme angelegt und gilt für etwa 60 Tage, in denen weitere Verhandlungen zwischen beiden Ländern stattfinden sollen.

Der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten konzentrierte sich im ersten Halbjahr stark auf die Sektoren Technologie und Energie, während Branchen wie Gesundheit, Basis- und zyklischer Konsum im ersten Halbjahr schwächelten. Siehe die nachstehende Grafik.

Kursveränderung in den vergangenen sechs Monaten (in $, in %)

Quelle: NZZ The Market

Bei den Leitindizes konnte der österreichische ATX in den ersten sechs Monaten positiv überraschen. Mit einem kräftigen Zuwachs von knapp 22 Prozent seit Jahresbeginn ließ Wien die meisten großen westlichen Handelsplätze hinter sich und belegte in der unten angeführten Grafik Rang 2. Im Juni erreichte das Kursbarometer mit dem Sprung über die Marke von 6.500 Punkten ein neues Allzeithoch. Der absolute Überflieger an der Wiener Börse war der steirische Leiterplattenhersteller AT&S. Mit einem spektakulären Kursfeuerwerk von rund 340 Prozent im ersten Halbjahr ließ das High-Tech-Unternehmen sämtliche Analystenprognosen weit hinter sich. Als Zulieferer für die weltweite Mikrochip- und Halbleiterindustrie sitzt AT&S an einer Schlüsselstelle des globalen KI-Booms. 

Der Tech Boom bescherte auch dem US-Technologieindex Nasdaq 100 im ersten Halbjahr eine starke Perfomance. Mit einem Plus von rund 20 Prozent erreichte der Index im Juni ein neues Allzeithoch von 30.760 Punkten. Das Ende der Performance-Rangliste markierte der DAX, der das Halbjahr mit einem Plus von rund 2 Prozent abschloss.

Die hier angeführte Grafik vergleicht namhafte Indexwerte im ersten Halbjahr:

Goldpreis – Konsolidierungsphase setzt sich fort

Der Goldpreis begann das Jahr 2026 mit einer dynamischen Aufwärtsbewegung und erreichte neue Rekordstände, trat jedoch bereits im Frühjahr in eine Korrekturphase ein, die sich im zweiten Quartal fortsetzte. Angesichts der kräftigen Kursanstiege in den Vorjahren kam diese Entwicklung allerdings nicht unerwartet.

Aktuell gleichen sich die wichtigsten Einflussfaktoren auf den Goldpreis weitgehend aus. Einerseits wird der positive Nachfragetrend der Notenbanken voraussichtlich andauern. Gründe dafür sind vor allem die Absicherung gegen geopolitische Risiken sowie die Diversifikation der Vermögenswerte.
Anderseits verringern die hohen und tendenziell weiter steigenden Renditen von US-Staatsanleihen die Attraktivität des Edelmetalls. Darüber hinaus wird für September eine Anhebung der US-Leitzinsen erwartet, was den US-Dollar stärken dürfte und damit zusätzlichen Druck auf den Goldpreis ausüben könnte.

Die Erste Group Research geht davon aus, dass sich die Schwankungen des Goldpreises im dritten Quartal im Vergleich zu den vergangenen Monaten abschwächen werden und sich der Markt tendenziell seitwärts entwickeln dürfte. Zum Ende des Quartals wird ein Preisniveau von rund 4.300 USD erwartet.
Trotz der aktuellen Entwicklungen bleibt der langfristige Aufwärtstrend intakt, und Gold behält weiterhin seine Bedeutung als Ergänzung in einem diversifizierten Portfolio.

Goldkäufe von Zentralbanken halten auch 2026 unverändert an (siehe Grafik).

Eurozone - Wachstum sollte im 2. Halbjahr wieder an Dynamik gewinnen

Im ersten Quartal 2026 zeigte sich eine konjunkturelle Zweiteilung in der Eurozone: Während das Gesamt-BIP überraschend um 0,1 Prozent schrumpfte, präsentierten sich die Kernmärkte unerwartet stark. Spanien registrierte ein deutliches Plus von 0,6 Prozent, gefolgt von einer stabilen Wachstumsrate von jeweils 0,3 Prozent in Deutschland und Italien.

Infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und der damit einhergehenden Verteuerung der Energieträger, trübten sich die konjunkturellen Frühindikatoren im April und Mai wie prognostiziert weiter ein. Vor diesem Hintergrund dürfte insbesondere der private Konsum einen dämpfenden Einfluss auf das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal ausüben. Für das Jahr 2026 wird zudem ein vorübergehender Anstieg der Inflation auf durchschnittlich rund 2,9 Prozent erwartet.

Im Juni beschloss der EZB-Rat eine Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte, wodurch der maßgebliche Einlagezinssatz auf 2,25 Prozent stieg. Mit diesem Zinsniveau sieht sich die EZB gut gerüstet, um auf die bestehenden Unsicherheiten zu reagieren. Für den weiteren Jahresverlauf geht die Erste Group Research davon aus, dass keine neuerlichen Zinsschritte mehr erfolgen werden.

Nach dem vorübergehenden Zustandekommen eines Abkommens zwischen den USA und dem Iran dürfte sich die Lage an den Energiemärkten im dritten Quartal schrittweise entspannen. Infolgedessen wird sich auch die Inflation in der zweiten Jahreshälfte wieder abschwächen. Mittelfristig sollte der Konsum in der Eurozone von erneut steigenden Reallöhnen sowie einem robusten Arbeitsmarkt mit einer historisch niedrigen Arbeitslosenquote von rund 6 Prozent profitieren. Das Investitionswachstum dürfte weiterhin durch günstige Finanzierungsbedingungen unterstützt werden. Zudem werden fiskalische Maßnahmen, wie das Sondervermögen in Deutschland sowie steigende Verteidigungsausgaben in den EU-Ländern zusätzliche Impulse für die Investitionstätigkeit liefern. Insgesamt wird daher eine allmähliche Erholung des Wirtschaftswachstums erwartet. Für das Jahr 2026 rechnet die Erste Group Research  mit einem Wirtschaftswachstum von rund 0,5 Prozent. Im Jahr 2027 sollte sich das Wachstum deutlich beschleunigen.

USA - Solides Wachstum und hohe Inflation

Die jüngsten BIP-Daten für das erste Quartal zeigen ein moderates Wachstum, wenngleich sich gegenüber dem Vorquartal eine gewisse Beschleunigung abzeichnete. Getragen wurde die Expansion vor allem von hohen Unternehmensinvestitionen in US-amerikanische Rechenzentren. 

Der private Konsum zeigte sich unterdessen bereits das zweite Quartal in Folge schwach. Verantwortlich dafür war vor allem die anhaltend hohe Inflation. Die gestiegenen Kraftstoffpreise verschärften den ohnehin durch die Weitergabe der US-Zölle erhöhten Druck im Vergleich zum Jahresauftakt zusätzlich.
In diesem Zusammenhang blieb die Inflationsrate in den USA weiterhin deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank. Der jüngste Anstieg auf rund 4,2 Prozent markiert eine dreimonatige Beschleunigungsphase und den höchsten Wert seit über drei Jahren. Entsprechend sind die Risiken für Zinserhöhungen wieder gestiegen. Die Erste Group Research rechnet bereits bei der nächsten Sitzung der US-Notenbank im September mit einer Anhebung der Leitzinsen.
Erst im Verlauf der zweiten Jahreshälfte könnte ein nachlassender Preisdruck von der Energieseite für eine Entspannung der Inflationsrate sorgen.

Hält das Abkommen zwischen den USA und dem Iran, werden sinkende Energiepreise und nachlassende Unsicherheiten die Konjunktur im dritten Quartal weiter beleben. Unterstützt durch anhaltend stabile Unternehmensinvestitionen prognostiziert die Erste Group Research für die US-Wirtschaft im heurigen Jahr ein Gesamtwachstum von rund 2 Prozent.

 


Wirtschaft


Zinsmärkte

Aktien Ausblick – langfristiger Aufwärtstrend weiterhin intakt

Im Zuge der erwarteten Entspannung der Kriegssituation im Nahen Osten ist die Volatilität an den Aktienmärkten deutlich gesunken und die Risikobereitschaft der Anleger entsprechend gestiegen.

Die Erwartungen für das Umsatz- und Gewinnwachstum der globalen Unternehmen im Jahr 2026 sind ausgesprochen positiv. Der Konsens geht von einem Umsatzanstieg von rund +11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr sowie einem Gewinnwachstum von etwa +25 Prozent aus. Unterstützend wirkt dabei der weiterhin steigende Trend bei den Gewinnschätzungen, der sowohl in den USA als auch in Europa zu beobachten ist.
Alle globalen Sektoren sollten in diesem Jahr einen positiven Beitrag leisten, wobei insbesondere Technologie, Energie und der Finanzsektor hervorstechen. 

Die Berichtssaison für das zweite Quartal 2026 startet in den USA am 14. Juli. Auch hier sind die Aussichten sehr solide: Für US-Unternehmen wird ein Gewinnzuwachs von rund +21 Prozent im Jahresvergleich erwartet. In Europa wird ebenfalls mit einer erfreulichen Entwicklung gerechnet, wobei die Konsensschätzung ein Gewinnplus von etwa +14 Prozent vorsieht.

Die fundamentale Entwicklung der globalen Unternehmen präsentiert sich derzeit überdurchschnittlich stark, während die Aufwärtstrends der maßgeblichen Leitindizes weiterhin intakt sind. In Verbindung mit strukturellen Faktoren wie einer zunehmenden Geldmenge, einer global expansiven Fiskalpolitik sowie KGV-Bewertungen, die aufgrund des anhaltend starken Umsatz- und Gewinnwachstums weiterhin als angemessen erscheinen, dürfte sich die positive Entwicklung an den Börsen im laufenden Jahr fortsetzen. Neben KI-nahen Branchen bleiben auch klassische Value-Segmente weiterhin interessant.

Ad Hoc News nach Redaktionsschluss: US-Präsident Donald Trump - Waffenruhe aus seiner Sicht beendet

Nach den jüngsten US-Angriffen auf militärische Ziele im Iran äußerte sich Präsident Donald Trump am Mittwoch, den 08.07. am Rande des NATO-Gipfels in Ankara zur aktuellen Lage. Auf die Frage, ob der Waffenstillstand beendet sei, reagierte er nach kurzem Zögern mit den Worten: „Das ist eine sehr interessante Frage. Aus meiner Sicht ist er vorbei.”

Die Volatilität an den Finanzmärkten hat zwar wieder zugenommen, an den langfristigen Perspektiven ändert sich dadurch jedoch kaum etwas. Die fundamentale Entwicklung der Unternehmen bleibt unverändert, und der übergeordnete Aufwärtstrend an den Aktienmärkten ist weiterhin intakt.


Sektoren Beiträge zum globalen Gewinnwachstum 2026e


Sehr starke Fundamentaldaten dürften Aktien weiter stützen


Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von europäischen und US-Aktien

Arnold Kastler, Product Governance Sparkasse OÖ

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Erstellt am: 07.07.2026
Erschienen am: 09.07.2026

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