Das große „tit-for-tat“ zwischen China und den USA

Die Zölle werden immer höher und erreichen Dimensionen, mit denen man nicht gerechnet hat. Anfangs lagen die verhängten „reziproken Zölle“ gegen China bei 67 Prozent. Die Gegenreaktion der Chinesen ließ nicht lange auf sich warten und sie schnürten ein Zoll-Paket von über 34 Prozent. Dieses Wettrüsten in der Zollpolitik zwischen zwei der größten Volkswirtschaften der Welt hat nun einen neuen Höhepunkt erreicht: Die aktuellen Zölle gegen China belaufen sich derzeit auf satte 145 Prozent.

Wirtschaftlich gesehen haben sich Zölle in der Vergangenheit selten bezahlt gemacht. Eine vergleichbare Zollankündigung trat zuletzt 1930 in Kraft und befeuerte die große Depression in diesen Jahren. Die Konsequenzen dieser Handelspolitik sind sehr schwer zu prognostizieren, doch eines ist sicher: Zölle sind inflationsfördernd. Bis auf die Republikaner erwarten die anderen Parteirichtungen eine deutliche Preisänderung. Wie auch in der nachfolgenden Abbildung zu sehen ist.

Herausforderungen für die FED

Die Federal Reserve (FED) steht vor einer schwierigen Aufgabe. Einerseits möchte sie einer möglichen Rezession mit Zinssenkungen entgegenwirken, andererseits darf die Inflation nicht außer Kontrolle geraten. Diese Balance zu finden, wird eine der größten Herausforderungen der kommenden Monate sein.
 

Auswirkungen auf den S&P 500

Seit Jahresbeginn (bis zum 16.04.2025) büßte der S&P 500 bereits einen Rückgang von 8,25 Prozent (in USD) ein. Die große Frage bleibt: Wann ist der Boden erreicht?
 

Comeback der Eurozone

Nicht nur China wurde mit Zöllen belastet, auch Europa entkam dem Rundumschlag Trumps nicht. Die Automobilbranche traf es besonders schwer, da diese mit einem Zoll von 25 Prozent belegt wurde. Vergessen sollte man nicht, dass der Tarif-Satz auch die Einzelteile für Autos betrifft. Eine Handelspartnerschaft beruht immer auf Vertrauen, jedoch wurde das Vertrauen mit dem „Liberation Day“ am 2. April angeschlagen. Europa ist bereit für Verhandlungen und möchte zumindest für die Industriegüter eine Freihandelszone schaffen. Die Verhandlungen beginnen in den nächsten Tagen, zwischenzeitlich wurden die Tarife um 90 Tage ausgesetzt, was für die Märkte eine Erleichterung war.
 

Marktreaktionen der Eurozone

Die Märkte in Europa reagieren sehr negativ auf die aktuelle Handelspolitik. Dennoch hat der europäische Markt den S&P 500 mit ca. 16,5 Prozent outperformt. Wer den Markt schon etwas länger beobachtet, weiß, dass man solch eine Outperformance in den letzten 25 Jahren an einer Hand abzählen kann.

Können wir in Europa vereint dem Zoll-Wahn vom Trump entgegenwirken oder lenken wir ein? Länder wie Israel haben die Sätze bereits auf 0 Prozent reduziert. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie sich die globale Handelslandschaft weiterentwickelt und welche Maßnahmen ergriffen werden, um die wirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern.

Alen Obic, Sparkasse OÖ Kapitalanlagegesellschaft

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Erschienen am 17. April 2025

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