
Welche Börsenweisheiten sind heute noch gültig?
Börsenweisheiten vereinfachen komplexe Themen und vermitteln Sicherheit in Zeiten, in denen sich vieles unsicher anfühlt. Doch genau darin liegt auch ihre Gefahr: Viele dieser Sprüche sind sehr alt und stammen aus einer Zeit, in der die Finanzmärkte ganz anders funktionierten als heute.
Heute sind Märkte global, digital und fast rund um die Uhr handelbar. Trotzdem halten sich manche Sprüche seit Jahrhunderten. In diesem Beitrag sehen wir uns an, welche dieser Börsenregeln noch Sinn haben – und welche eher zur Tradition der Finanzmärkte gehören.
„Sell in May and go away“
(Verkauf im Mai und bleib weg)
Der Spruch kommt aus der britischen Oberschicht des 18. und 19. Jahrhunderts. Banker und Kaufleute verkauften im Mai ihre Aktien und zogen sich für den Sommer auf ihre Landsitze zurück.
Das Original lautete: „Sell in May and go away, and come back on St. Leger’s Day.“ Der St. Leger’s Day war ein großes Pferderennen im September. In dieser Zeit war der Handel an den Börsen sehr dünn, es gab wenig Liquidität und darum war auch nicht viel los.
Heute hat sich das komplett verändert: Es gibt Börsen, die fast 24 Stunden pro Tag handeln und Liquidität ist fast immer vorhanden.
Zusammengefasst lässt sich sagen das Pferderennen gibt es zwar noch, aber niemand kehrt deshalb an die Börse zurück. Der Spruch war früher kein Markttiming-Modell, sondern einfach eine Urlaubsplanung der Londoner Elite. Dass daraus eine Börsenstrategie wurde, zeigt vor allem, wie sehr wir uns einfache Regeln wünschen – nicht, wie die Märkte wirklich funktionieren. Die Gefahr dabei: Wer im Mai aussteigt, kann starke Einzelmonate verpassen. Das bringt uns direkt zur nächsten Weisheit.
„Time in the Market beats Timing the Market”
(Im Markt bleiben ist besser als den Markt zu timen.)
Der berühmte Investor Benjamin Graham – der Lehrmeister von Warren Buffett – erklärt dieses Prinzip schon 1949 in seinem Buch „The Intelligent Investor“. Er sagt nicht genau diesen Satz, aber seine Botschaft ist klar:
Märkte sind kurzfristig unvorhersehbar.
Langfristig steigen sie meist mit dem inneren Wert der Unternehmen.
Den Markt ständig timen zu wollen, führt häufig zu Verlusten und zusätzlichen Gebühren. Jede Kauf‑ und Verkaufsentscheidung kostet nicht nur Geld, sondern oft auch Nerven. Ein Blick auf die Entwicklung des MSCI World in der Grafik zeigt, dass der Index langfristig positiv verläuft. Zwar lässt die Vergangenheit keine sicheren Rückschlüsse auf die Zukunft zu, dennoch macht der Verlauf deutlich, warum diese Börsenweisheit bis heute gilt.
Damit kommen wir zur nächsten bekannten Börsenweisheit.
„Hin und her macht Taschen leer“
Viele Anleger:innen kennen diese Situation: Man verkauft aus Angst, weil die Kurse fallen. Dann glaubt man, der Tiefpunkt sei erreicht und kauft dieselben Aktien wieder. Doch die Kurse entwickeln sich anders als erwartet. Am Ende bleiben oft nur Gebühren und im besten Fall steuerliche Vergünstigungen durch die KESt-Rückholung.
Für die eigene Vermögensentwicklung bringt diese Hin-und-her-Strategie selten etwas. Deshalb hat dieser Spruch auch heute noch absolute Gültigkeit. Wer erfolgreich investieren möchte, sollte langfristig denken. Denn: Die Börse ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Langfristiges Investieren, Geduld und klare Entscheidungen sind oft erfolgreicher als hektisches Reagieren auf jeden Marktschwung.
Alen Obic, Sparkasse OÖ Kapitalanlagegesellschaft
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Erschienen am: 22.1.2026
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