KMU-Studie 2026:
Niederösterreichs Mittelstand bleibt zuversichtlich und setzt auf Innovation
- 64 Prozent der KMU in NÖ blicken optimistisch in die Zukunft
- 59 Prozent planen Investitionen in ihr Unternehmen
- Technologischer Wandel gilt für zwei Drittel der KMU als große Chance
Niederösterreichs kleine und mittlere Unternehmen behaupten sich in einem wirtschaftlich und geopolitisch herausfordernden Umfeld. 64 Prozent blicken sehr oder eher optimistisch auf die Entwicklung ihres eigenen Unternehmens in den kommenden zwei bis drei Jahren. Gleichzeitig planen 59 Prozent Investitionen. Besonders große Chancen sehen die Betriebe in Digitalisierung, Automatisierung sowie technologischer Weiterentwicklung. Das zeigt die aktuelle KMU-Studie von IMAS International im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen.
Der Optimismus der niederösterreichischen KMU bleibt damit gegenüber 2024 stabil und liegt nahezu auf dem österreichweiten Niveau von 65 Prozent. Gleichzeitig ist eine leichte Entspannung beim wirtschaftlichen Umfeld erkennbar: Zwar sagen 56 Prozent der niederösterreichischen Betriebe, dass ihre Marktbedingungen in den vergangenen zwei bis drei Jahren schwieriger geworden sind. 2024 lag dieser Anteil allerdings noch bei 71 Prozent. Für 39 Prozent ist die Situation vergleichbar geblieben, fünf Prozent nehmen eine Verbesserung wahr. Österreichweit beurteilen 52 Prozent das Marktumfeld als schwieriger.
Bettina Sax, Vorstandsdirektorin der Sparkasse Niederösterreich Mitte West AG, erklärt: „Niederösterreichs Unternehmerinnen und Unternehmer zeigen auch in einem anspruchsvollen Umfeld große Widerstandskraft. Besonders ermutigend ist, dass der Optimismus stabil bleibt und fast sechs von zehn Betrieben investieren wollen. Das zeigt, dass unsere KMU nicht nur auf aktuelle Herausforderungen reagieren, sondern ihre Zukunft aktiv gestalten.“
Kosten, Bürokratie und Unsicherheit belasten die Betriebe
Die Herausforderungen bleiben allerdings vielfältig. Rund neun von zehn KMU in Niederösterreich rechnen damit, in den kommenden Jahren von steigenden Energiepreisen, zunehmenden regulatorischen Anforderungen sowie höheren Lohn- und Personalkosten, betroffen zu sein. 84 Prozent erwarten Auswirkungen durch wirtschaftliche und politische Unsicherheiten. Drei Viertel sehen den Arbeitskräftemangel und gestiegene Finanzierungskosten als relevante Belastungen. Etwa sieben von zehn Betrieben erwarten zudem, dass sie die Umsetzung von CO₂-Neutralität beziehungsweise die Implementierung künstlicher Intelligenz beschäftigen wird.
Auch geopolitische und handelspolitische Entwicklungen sind für die niederösterreichische Wirtschaft längst zu einem zentralen Faktor geworden. 94 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass heimische Unternehmen von geopolitischen Spannungen betroffen sind. 71 Prozent rechnen mit steigenden Kosten infolge handelspolitischer Unsicherheiten, 59 Prozent mit Veränderungen globaler Lieferketten. Rund die Hälfte sieht Abhängigkeiten von Importen oder Exporten in geopolitisch sensible Regionen.
„Unsere Unternehmen brauchen vor allem verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Investitionen in Innovation, Energieeffizienz oder neue Technologien werden leichter möglich, wenn Bürokratie reduziert, Förderungen transparent gestaltet und Finanzierungslösungen langfristig abgesichert sind“, so Bettina Sax.
Kritischer Blick auf den Wirtschaftsstandort
Mehr als die Hälfte der niederösterreichischen KMU beurteilt die Rahmenbedingungen für Unternehmen in Österreich kritischer als jene in anderen EU-Ländern. 52 Prozent halten den Wirtschaftsstandort Österreich im europäischen Vergleich für schlechter, 32 Prozent bewerten ihn als gleich gut. Zudem empfinden 69 Prozent der niederösterreichischen Betriebe das Ausmaß staatlicher Regulierungen und Vorschriften als zu stark.
Entsprechend eindeutig fallen die Wünsche der Unternehmen aus: Bei den Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes steht der Abbau von Bürokratie und Regulierungen an erster Stelle. Auf Platz zwei liegt die Forderung nach einer Senkung der Lohnnebenkosten, gefolgt von dem Wunsch einer allgemeinen steuerlichen Entlastung.
Künstliche Intelligenz kommt im Mittelstand an
Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend von einem Zukunftsthema zu einem praktischen Werkzeug im betrieblichen Alltag. 27 Prozent der niederösterreichischen KMU bewerten KI schon heute als wichtig für den eigenen Betrieb. Der Einsatz ist jedoch deutlich breiter, wenn einzelne Unternehmensbereiche betrachtet werden: 46 Prozent verwenden KI bereits in Marketing und Werbung, 41 Prozent in der Administration und bei internen Prozessen. 32 Prozent setzen entsprechende Anwendungen in der Kommunikation mit Kund:innen, Lieferant:innen oder Partner:innen ein, 24 Prozent in der Produktion oder in der Erbringung von Dienstleistungen.
Im österreichweiten Vergleich ist die grundsätzliche Bedeutung von KI etwas stärker ausgeprägt. Bundesweit hält rund ein Drittel der KMU künstliche Intelligenz für wichtig.
„Künstliche Intelligenz entscheidet zunehmend darüber, wie effizient Unternehmen arbeiten, wie rasch sie Innovationen umsetzen und wie wettbewerbsfähig sie langfristig bleiben. Dabei geht es nicht nur um große Technologiekonzerne. Gerade KMU können durch automatisierte Prozesse, datenbasierte Entscheidungen und neue digitale Dienstleistungen ihre Stärken noch gezielter ausspielen“, hält Bettina Sax fest.
Digitalisierung und Forschung als zentrale Zukunftschancen
Die Unternehmen selbst sehen großes Potenzial im technologischen Wandel. 66 Prozent der niederösterreichischen KMU bezeichnen Digitalisierung und Automatisierung als große Chance für österreichische Unternehmen in den kommenden zwei bis drei Jahren. 61 Prozent sehen große Chancen in Forschung und technologischer Weiterentwicklung. Mehr als die Hälfte nennt Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und grüne Innovationen. 48 Prozent sehen in der Qualifikation und Verfügbarkeit von Fachkräften einen zentralen Erfolgsfaktor.
Damit zeigt sich Niederösterreich bei der Einschätzung der Digitalisierung sogar etwas zuversichtlicher als der österreichweite Durchschnitt: Bundesweit sehen 63 Prozent darin eine große Chance. Bei Forschung und technologischer Weiterentwicklung liegt Niederösterreich mit 61 Prozent genau auf dem österreichweiten Niveau.
Zur Studie
Erste Bank und Sparkassen beauftragten IMAS International mit der Durchführung einer repräsentativen Befragung unter Österreichs kleinen und mittleren Unternehmen. Die telefonischen Interviews wurden vom 24. Februar bis 27. März 2026 mithilfe des CATI-Systems durchgeführt. Insgesamt wurden 900 Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen zwei und 50 Millionen Euro befragt. Pro Bundesland wurden 100 Interviews geführt, um getrennte regionale Auswertungen zu ermöglichen. Befragt wurden in erster Linie Geschäftsführer:innen, alternativ kaufmännische Direktor:innen oder Finanzchef:innen. Für die österreichweite Betrachtung wurden die Bundesländer entsprechend ihrer tatsächlichen Struktur gewichtet.
Als traditionsreiches St. Pöltner Unternehmen und Gastgeber der heutigen Pressekonferenz zur KMU-Studie 2026 bot die Gärtnerei Bonigl eine fabelhafte Kulisse an und gab gleichzeitig interessante Einblicke in die eigenen Digitalisierungs- und Automatisierungsprozesse.
Kontakt
Florian Haiderer, MSc
Sparkasse Niederösterreich Mitte West AG
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