
Tenorhorn, Zille und Terminkalender
Wenn in Spitz die Blasmusik einsetzt, sitzt Sebastian Lechner mitten im Geschehen. Ringsum vertraute Gesichter. Manche seit Jahren vertraut, manche seit Jahrzehnten. Hier geht es um mehr als Namen – es sind die Geschichten dahinter. „Ich weiß bei den meisten, wo sie im Leben stehen, kenne die Familien - die Kinder“, sagt er. Das passiert nicht nebenbei. Das wächst.
Verwurzelt im Miteinander und ort
Seit 2005 ist Sebastian Lechner Teil der Trachtenkapelle Spitz, seit 2010 auch bei der Feuerwehr. Daher gehören neben dem Tenorhornspielen auch Zillenfahren, Wasserdienst und Bewerbe zum Alltag – oder zu den Abendaktivitäten. Zwei Vereine von vielen – denn Spitz ist kein Ort, den man nur bewohnt. Man ist Teil davon. Rund 20 Vereine bei knapp 1.600 Einwohnern unterstreichen das.
Was Sebastian am Vereinsleben fasziniert, ist nicht nur die Aufgabe selbst, sondern das, was daraus entsteht. „Man kommt mit Menschen zusammen, mit denen man vielleicht sonst nie reden würde“, sagt er. „Da sitzt jemand neben dir, zehn oder mehr Jahre älter, ganz anderes Leben – und irgendwann wird er zu einem Freund.“ Diese Begegnungen prägen. Über die Musik, über Einsätze bei der Feuerwehr, über gemeinsame Projekte. Und daraus werden Freundschaften fürs Leben.
Der Weg zur Bank
Vielleicht ist genau das sein eigentliches Talent: Nähe herstellen, wo vorher keine war. Kein Wunder, dass er genau dort gelandet ist, wo es um Menschen geht. Seit 2013 ist er Teil der Kremser Bank. „Ich wollte nach der IT-HTL nicht in irgendeinem Büro sitzen und den ganzen Tag mit niemandem reden.“ Also lieber Gespräche als Codes. Gesichter statt Monitore. Heute betreut er Privat- und Firmenkunden in der Filiale in Lerchenfeld, spricht über Finanzierungen, Veranlagungen, Zukunftspläne. Strukturiert, lösungsorientiert, ruhig. Einer, der zuhört, der mitdenkt, der den Überblick behält. Vor Kurzem hat er die Firmenkunden-Ausbildung abgeschlossen. Ein Beruf, der sich ständig verändert – und genau deshalb spannend bleibt. „Es gibt keinen Tag, der gleich ist wie der andere.“
Immer in Bewegung
Stillstand liegt Sebastian Lechner nicht. Neben Arbeit und Vereinsleben zieht es ihn immer wieder hinaus. Nicht weg vom Leben – sondern näher hin. Reisen, neue Orte entdecken, Landschaften erleben. Manchmal auch allein. Vor Kurzem war er in Malta, im Sommer geht es auf die Azoren. Städte interessieren ihn – aber noch mehr die Landschaften dazwischen. „Ich bleibe gerne stehen, um den Moment zu genießen.“ Dieses Innehalten, das bewusste Wahrnehmen, ist für ihn genauso wichtig wie das Unterwegssein selbst. Diese Augenblicke hält er auch fest. Mit der Kamera, mit der Drohne. Bilder von Landschaften, von Perspektiven, die man sonst nicht sieht.
Mehr als nur Alltag
Sebastian Lechner ist vieles gleichzeitig: Banker, Musiker, Feuerwehrmann, Freund, Partner, Reisender. Er lebt kein Leben in einer Spur. Und doch wirkt nichts davon wie nebeneinandergestellt. Es greift ineinander, ergänzt sich. Vielleicht, weil es immer um dasselbe geht: um Menschen, um Verbindung, um das Dazugehören, um das Allgemeinwohl. Sein Alltag ist voll. „Manchmal zu voll.“ Aber er weiß, warum. „Weil es am Ende nie um Termine geht – sondern um das, was bleibt. Ich würde nichts davon missen wollen.“