Nachfolger im Chefsessel

Zwischen Tradition und Innovation. Der Generationswechsel an der Spitze von Familienbetrieben braucht Zeit und birgt hohes Konfliktpotenzial.

In vielen Familienunternehmen der Region steht in den nächsten Jahren ein Generationswechsel an.

Wie die Übergabe der Führungsrolle erfolgreich gemeistert werden kann war Thema einer Unternehmerveranstaltung von Wirtschaftskammer und Sparkasse Kitzbühel. „Viele Unternehmer schieben das Thema trotz fortgeschrittenen Alters vor sich her“, berichtete Dr. Bernhard Baumgartner, Harvardabsolvent und ausgewiesener Experte für Familienunternehmen, der zahlreiche Familien beim Übergabeprozess begleitet hat. Mit Direktheit, aber viel Humor, zeigte er die Hürden auf, die einen Betrieb schnell aus dem Tritt und zu Sturz bringen können. Steuerliche und rechtliche Lösungen sind wichtig, zuvor sind aber die Hausaufgaben zu erledigen, die meist emotionaler Natur sind. „Der Betrieb, der jahrzehntelang aufgebaut wurde, ist für viele Chefs das Lebenswerk. Wenn der Junior dann alles umkrempeln möchte, krachen zwei Generationen aufeinander. Das ergibt jede Menge Zündstoff, die auf die gesamte Familie ausstrahlen“, erklärte Dr. Baumgartner. Der Generationswechsel ist keine Ho-Ruck-Aktion sondern ein mehrjähriges Projekt, das frühzeitig gestartet werden soll und mehrere Entwicklungsstufen durchläuft. Eine geordnete Vorgehensweise beschert auch höhere Erfolgschancen.

Sporthändler Pepi Stöckl und Sohn Josef berichteten über ihre persönlichen Erfahrungen beim Wechsel im Chef-Sessel. So wurde der Junior sukzessive in den Betrieb eingebunden und bekam mehr und mehr Verantwortung übertragen. Letztendlich gibt es beim Loslassen, Führung abtreten und Rückzug des Senior-Chefs keinen Weg zurück. 130 Unternehmer und deren Nachfolger aus den Bezirken Kitzbühel und Kufstein erhielten bei diesem Infoabend viele nützliche Tipps aus der (und für die) Praxis.