Vorsorgestudie 2026:
Sieben von zehn Kärntner:innen glauben nicht an eine ausreichend hohe staatliche Pension
- 86 Prozent empfinden finanzielle Vorsorge als wichtig
- 44 Prozent in Kärnten schätzen ihr Risiko für Altersarmut als hoch ein
- 225 Euro im Monat für private Altersvorsorge
- 6 von 10 Befragten gehen davon aus, im Alter weiterarbeiten zu müssen
Die Vorsorgestudie 2026 von Erste Bank, Sparkassen und der Wiener Städtischen zeigt: Immer mehr Menschen in Kärnten zweifeln an einer ausreichend hohen staatlichen Pension und fürchten, im Alter weiterarbeiten zu müssen. Gleichzeitig wächst der Zuspruch für private finanzielle Vorsorge – beeinflusst auch durch den demografischen Wandel und die weltweiten geopolitischen Unsicherheiten.
Die Vorsorgestudie präsentierten Sparkasse-Vorstand Michael Koren, Kevin Müller (Bereichsleiter Privatkunden Kärntner Sparkasse), Sonja Brandtmayer (Generaldirektor-Stv. Wiener Städtische Versicherung), IMAS-Studienautor Paul Eiselsberg und Vertriebsdirektor Hannes Greiler (Wiener Städtische Team s Versicherung Kärnten),
Foto: © Gernot Gleiss
Fragt man die Kärntner:innen nach ihrer Erwartung bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung und der Lebensqualität in den kommenden Monaten, rechnen 58 Prozent mit einer Verschlechterung, 36 Prozent mit gleichbleibenden Verhältnissen und nur 5 Prozent mit einer Verbesserung. Die Sorgenfalten werden demnach größer. Es verwundert daher nicht, wenn Menschen in diesem Umfeld vermehrt auf Stabilität, Verlässlichkeit und Sicherheit setzen. Besonders zentrale Themen, für die man auch bereit ist, privat finanziell vorzusorgen, sind für 69 Prozent der Befragten die Gesundheit. 66 Prozent bilden Rücklagen für Krisenfälle, während 58 Prozent regelmäßig in eine private Altersvorsorge investieren – ein Plus von 10 Prozentpunkten gegenüber 2025. Es folgen Wohnen (53 %) und für jede:n Zweite:n kurzfristige finanzielle Reserven sowie die Familie.
Vertrauen in staatliche Pensionen nimmt weiter ab
Befragt nach den Hauptgründen der Kärntner:innen vorzusorgen, sagt mehr als die Hälfte der Befragten (54 %), dass sie nicht mehr an den Staat – als verlässlichen Partner bei Pensionen – glaubt. Jeder Zweite nennt eventuelle Schicksalsschläge als Vorsorgegrund und 47 Prozent hoffen, dadurch ihren gewohnten Lebensstandard später im Alter halten zu können bzw. möchten so ihr persönliches finanzielles Risiko verringern (46 %). „Hier zeigen die zuletzt stärker werdenden Diskussionen über die Finanzierbarkeit des staatlichen Pensionssystems Wirkung. Mit 72 Prozent zweifeln knapp drei Viertel der Kärntnerinnen und Kärntner daran, einmal eine ausreichend hohe Pension vom Staat zu erhalten. Dass bereits heute jeder vierte Steuereuro in die Stützung der öffentlichen Pensionen fließt, verunsichert mittlerweile 8 von 10 Befragten“, erläutert Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen die aktuelle Situation. Jede:r sechste Befragte geht gar davon aus, in der Pension weiterarbeiten zu müssen, um im Alter gut über die Runden zu kommen.
Vorsorgebetrag weiter hoch – Klassiker gefragt
Fragt man die Menschen nach den bereits genutzten Vorsorgeinstrumenten, werden die Anlage-Klassiker genannt: Sparkonto (52%), Bausparen (29%) und die Lebensversicherung (27%). Es folgen Wertpapiere und Fondssparpläne (20% bzw. 19%), Immobilien (16%) und Gold (11%). Auffallend dabei ist, dass erstmals seit Jahren das Sparkonto weniger stark nachgefragt ist – Lebensversicherungen und Bausparverträge ihr Niveau hingegen halten konnten. „Erfreulich ist auch die Höhe des Betrages, den die Menschen in Österreich im Schnitt pro Monat bereit sind, für ihre persönliche Pensionsvorsorge zu investieren. Trotz der wirtschaftlichen Anspannungen bewegt sich dieser mit 225 Euro auf einem hohen Niveau“, so Michael Koren, Vorstandsdirektor der Kärntner Sparkasse zum Vorsorge-Status quo. „Männer investieren dabei mit 265 Euro pro Monat im Schnitt immer noch deutlich mehr als Frauen mit 179 Euro.“
Schreckgespenst Altersarmut
Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Sorge vor Altersarmut in der Kärntner Bevölkerung stark ausgeprägt ist. 44 Prozent der Befragten schätzen das Risiko, in der Pension selbst von Altersarmut betroffen zu sein, als hoch ein. Wie also einer möglichen Altersarmut wirksam entgegensteuern? 89 Prozent sehen hier eine möglichst frühzeitige private finanzielle Vorsorge sowie eine stärkere staatliche Förderung privater Vorsorge (87 %) als wirkungsvollste Maßnahmen. Mehr als drei Viertel (77 %) der Befragten sind davon überzeugt, dass eine durchgängige Vollzeitbeschäftigung der Weg zu einer höheren Pension ist. Vor diesem Hintergrund fällt auch die Zufriedenheit mit dem staatlichen Pensionssystem generell eher mäßig aus – nur jeder Zweite (51 %) im Bundesland zeigt sich damit zufrieden, 45 Prozent sind unzufrieden. „Angesichts dieses Umfelds ist es wenig überraschend, dass die private finanzielle Vorsorge zunehmend an Bedeutung gewinnt. Für 86 Prozent der Befragten in Kärnten hat diese einen sehr hohen bzw. hohen Stellenwert“, erläutert Kevin Müller, Bereichsleiter Privatkunden in der Kärntner Sparkasse.
Zufriedenheit mit Pensionskonto gering
Um Planungssicherheit für die eigene Pension zu bekommen, gibt es seit 20 Jahren für alle nach dem 1.1.1955 geborenen Österreicher:innen das Pensionskonto. Laut Umfrageergebnis weiß jedoch erst gut die Hälfte der befragten Kärntner:innen darüber Bescheid. Und: Lediglich 43 Prozent jener, die ihr Guthaben kennen, ist damit sehr bzw. eher zufrieden. Umgekehrt ist jeder Zweite (50 %) damit unzufrieden. Auf die Frage, wie hoch die eigene Bruttopension später einmal ausfallen wird, nennen die Befragten österreichweit einen durchschnittlichen Betrag von 2.023 Euro. Männer rechnen dabei mit 2.254 Euro, Frauen mit 1.748 Euro.