Gold zwischen Rekordhoch und Konsolidierung – wie geht es weiter?

InvestStory 23. Juni. 2026, Bernd Mayer

Gold übt seit Jahrhunderten eine besondere Anziehungskraft aus. Schon immer suchten Menschen nach Wegen, ihren Wohlstand in unsicheren Zeiten zu sichern – sei es in Form von Münzen, Barren oder Schmuck. Während früher physische Goldfunde ganze Regionen in Aufbruchsstimmung versetzten, zeigt sich die gleiche Dynamik heute auf den Finanzmärkten, allerdings unter anderen Vorzeichen.

Mehr als nur ein Preisanstieg: Die Treiber der Goldnachfrage

Das große Interesse von Anleger:innen an Gold hing vor allem damit zusammen, dass der Kurs in den letzten Jahren, trotz jüngster Korrektur, stark gestiegen ist. Auf 10-Jahres-Sicht legte das Edelmetall sowohl in US-Dollar als auch in Euro um rund 220 Prozent zu. Doch der Preisanstieg allein erklärt den Trend nicht, denn dafür gibt es strukturelle Gründe: Diese sind die übermäßige Verschuldung vieler Industrieländer, strukturell höhere Inflationsraten und (geo)politische Spannungen. Vor allem die Inflationswellen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Preisstabilität nicht mehr selbstverständlich ist.1 Auf lange Sicht zeigt sich ein massiver, schleichender Kaufkraftverlust. Beim Euro liegt dieser seit Einführung 1999 bei 55 Prozent.2 Gemessen in Gold haben US-Dollar und Euro im Zeitraum von Mai 2007 bis Mai 2025 sogar 85 bzw. 87 Prozent ihrer Kaufkraft verloren.1 Außerdem empfinden viele Menschen die Preissteigerungen im Alltag deutlich stärker, als es die offiziell gemessene Inflation widerspiegelt.2 Die Folge: Nicht-inflationäre Vermögenswerte wie Gold rücken zunehmend ins Rampenlicht.

Ein weiterer Faktor ist der geoökonomische Wandel. Die „Pax Americana“ – also die Phase, in der die USA seit dem Zweiten Weltkrieg die Weltordnung geprägt haben – verliert an Stabilität. Auch das Fiat-System von 1971 – das Geldsystem, in dem Währungen auf Vertrauen in Staaten und Zentralbanken beruhen und nicht mehr an Gold gebunden sind – gerät zunehmend ins Ungleichgewicht. Das könnte mittelfristig zu einer neuen Währungsordnung führen. Dabei gewinnt Gold durch seine Funktion als neutraler Wertspeicher und vertrauensunabhängiger Vermögenswert an monetärem Gewicht.1 Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Verhalten der Zentralbanken wider: Laut einer aktuellen Umfrage des World Gold Council erwarten 89 Prozent der Zentralbanken steigende Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten, und etwa 45 Prozent planen, ihre Bestände auszubauen.3

Besonders in Schwellenländern zeigt sich dieser Trend: So arbeiten Forscher im erweiterten BRICS-Raum an Konzepten für alternative Verrechnungssysteme im internationalen Handel, bei denen Gold als neutraler Referenzwert dient.4,5 Das hängt auch damit zusammen, dass die USA und ihre Verbündeten russische Devisenreserven einfroren, als das Land in die Ukraine einmarschierte. Seitdem beschleunigte sich der Aufwärtstrend des Goldpreises, unterstützt durch verstärkte Käufe der Zentralbanken, erheblich. Ab 2025 begannen auch Privatanleger:innen zunehmend zu kaufen, während Zentralbanken ihre Käufe teilweise etwas reduzierten.6 Einzelne Notenbanken, darunter die indische und die türkische, verkauften zuletzt sogar Gold, um US-Dollar für Energieimporte zu beschaffen.7 Zugleich war aber der Wert der weltweit angehäuften Goldreserven dank der deutlich höheren Kurse stark gestiegen.6

Hinweis: Die Entwicklungen in der Vergangenheit sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Entwicklungen.

Die wichtigsten Zahlen rund um das Edelmetall

Die Zahlen des World Gold Council bescheinigen dem gelben Edelmetall für 2025 mit einer Gesamtnachfrage von über 5.000 Tonnen erneut ein Rekordjahr. Davon waren 2.175 Tonnen auf Investments aller Art zurückzuführen, zum größten Teil physische Barren und Münzen, aber auch 800 Tonnen für Gold-ETFs. Deutlich schwächer als im Vorjahr war dagegen die Nachfrage in der Schmuckindustrie. Das lag an den historisch hohen Preisen. Die Zentralbanken kauften in Summe beachtliche 863 Tonnen, blieben damit aber hinter den über 1.000 Tonnen der drei vorherigen Jahre zurück.8 Zu Beginn des Jahres 2026 setzen sich diese Trends fort. Besonders deutlich legte dabei die Nachfrage von Privatanleger:innen nach Barren und Münzen zu.9 Doch mit der Preiskorrektur seit dem Rekordhoch Ende Jänner und der volatilen Entwicklung in den letzten Monaten wurden Anleger:innen zuletzt vorsichtiger. So gab es im Mai leichte Abflüsse bei Gold-ETFs, auch wenn die Zuflüsse mit 17 Milliarden US-Dollar seit Jahresbeginn insgesamt positiv blieben.10 Dabei macht das Edelmetall nach wie vor nur einen kleinen Teil der meisten Depots aus. So steht dem globalen Finanzvermögen von 312 Billionen US-Dollar als Anlage gehaltenes Gold im Wert von 8,6 Billionen US-Dollar gegenüber – das entspricht einem Anteil von gerade einmal 2,7 Prozent.4

Hinweis: Die Entwicklungen in der Vergangenheit sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Entwicklungen.

Warum Gold nicht wirklich knapp wird

Neben der Nachfrage sollte man sich auch das Angebot von Gold anschauen. So erreichte die Minenproduktion im Jahr 2025 mit 3.672 Tonnen ebenfalls einen neuen Rekord.8 Dabei hinkt die Goldförderung dem Goldpreis in der Regel hinterher. Das World Gold Council erwartet eine weitere Steigerung im Lauf dieses Jahres, wenn der Betrieb zweier großer Minen wieder aufgenommen wird.12 Hinzu kommt privat und industriell recyceltes Gold. 2025 hatte das einen beträchtlichen Umfang von 1.400 Tonnen und lag ebenfalls über dem Vorjahreswert.8 Schließlich verstärkt sich der Recycling-Anreiz bei steigenden Goldpreisen. Und auch sonst ist es unwahrscheinlich, dass uns das Edelmetall ausgeht. So betragen die gesamten oberirdischen Vorräte rund 220.000 Tonnen. Fast alles davon könnte theoretisch wieder auf den Markt gelangen, da Gold praktisch unzerstörbar ist. Unterirdisch werden zudem zehntausende weitere Tonnen vermutet, die in den nächsten Jahrzehnten abgebaut werden könnten.12 Fallende Goldpreise und dauerhaft hohe Energiepreise könnten die Angebotsausweitung dagegen stoppen oder sogar umkehren.9

Neben Chancen auch Risiken

Privatanleger:innen sollten auch bedenken, dass Gold – anders als Anleihen und Aktien – keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden erwirtschaftet. Steigende Leitzinsen könnten den Rendite-Gegenwind verstärken. So hat die EZB den Leitzins am 11. Juni um 25 Basispunkte erhöht. Ob es im weiteren Jahresverlauf zu einem weiteren Zinsschritt im Euroraum kommt, bleibt aber ungewiss.13 Zusätzliche Unsicherheit ergibt sich aus der veränderten Kommunikation der US-Notenbank. Nach der ersten Pressekonferenz des neuen FED-Chefs Kevin Warsh dürfte die Geldpolitik künftig stärker datenabhängig ausgerichtet sein. Die Notenbank verzichtet zunehmend auf konkrete Ausblicke („Forward Guidance“) und gibt den Märkten damit weniger Orientierung. Das erhöht die Schwankungsanfälligkeit bei Zinsen – und damit auch beim Goldpreis.14 Diese veränderten Rahmenbedingungen spiegeln sich auch in der jüngsten Entwicklung wider: Einige Beobachter:innen sehen die erhöhte Volatilität des Goldpreises in den letzten Monaten als ein Zeichen dafür, dass sich die Kursentwicklung strukturell verändert haben könnte.

Die mittelfristigen Aussichten bleiben nach Einschätzung vieler Expert:innen jedoch robust. So ließ die jüngste Entspannung im Nahen Osten die Ölpreise bereits fallen. Das reduziert den Druck auf die Notenbanken, die Geldpolitik zu straffen. Daraus könnten niedrigere Anleiherenditen und ein schwächerer Dollar resultieren, was den Goldpreis tendenziell stützen dürfte. Zudem bestehen die Treiber des vorherigen, starken Preisanstiegs fort, etwa die Unsicherheit in der Handels- und Außenpolitik der USA und geopolitische Risiken. Auch als Absicherung gegen mögliche Rückschläge an den Aktienmärkten dürfte Gold weiter gefragt sein. Das Edelmetall bleibt somit ein Instrument, um Portfolios zu diversifizieren.7

Investmentmöglichkeiten für Anleger:innen

Anleger:innen, die sich für Gold als Anlageform interessieren, können aus einer breiten Palette an Angeboten wählen. Die direkteste Variante ist es, physisches Gold gleich direkt zu erwerben. Wer das möchte, kann Barren und Münzen direkt in Filialen der Erste Bank bzw. Sparkasse kaufen. Alternativ bietet der Gold-Sparplan der Erste Bank und Sparkasse die Möglichkeit, monatlich über einen längeren Zeitraum in physische Münzen oder Barren zu investieren, um nicht mit einer Einmalanlage alles auf eine Karte zu setzen. Trotzdem ist zu beachten, dass Kapitalverluste möglich sind und neben dem Kursrisiko auch Wechselkursschwankungen des US-Dollar zum Euro die Höhe der Gewinne oder Verluste beeinflussen. Der Goldkauf ist dabei von der Umsatzsteuer und bei Haltefristen von einem Jahr oder länger im Privatvermögen auch von der Einkommensteuer befreit. Eine weitere, indirekte Anlageform sind Direktinvestitionen in Aktien von Goldminenbetreibern. Hier sind neben den Chancen und Risiken von Gold auch die der entsprechenden Firmen zu beachten. Anleger:innen, die breiter in Goldminenaktien investieren möchten, können dies beispielsweise über den ERSTE STOCK GOLD Fonds oder entsprechende ETFs tun. Wer dagegen defensiv agieren möchte, sollte einen Blick auf die Gold Garant Anleihe werfen.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass eine Veranlagung in Wertpapiere oder Gold neben Chancen auch Risiken birgt.

1Quelle: In Gold We Trust Report 2026; Stand: 20. Mai 2026
2Quelle: Flossbach von Storch Research Institute; Stand: 7. Jänner 2026
3Quelle: World Gold Council; Stand: 16. Juni 2026
4Quelle: e-fundresearch.com; Stand: 26. Mai 2026
5Quelle: CCN.com; Stand: 8. Dezember 2025
6Quelle: Axios; Stand: 5. Juni 2026
7Quelle: Deutsche Bank - Perspektiven am Morgen; Stand: 10. Juni 2026
8Quelle: World Gold Council; Stand: 29. Jänner 2026

9Quelle: World Gold Council; Stand: 29. April 2026
10Quelle: World Gold Council; Stand: 4. Juni 2026
11Quelle: Mayall, J. P. (2026): The Paradox of Gold Reserves; Stand: 4. Juni 2026
12Quelle: World Gold Council; Stand: 12. März 2026

13Quelle: ECB Watch; Stand: 15. Juni 2026
14Quelle: Reuters; Stand: 17. Juni 2026
15Quelle: World Gold Council; Stand: 16. April 2026

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Stand: Juni 2026

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