Finanzielle Unabhängigkeit in Beziehungen:
„Machen Sie Geld nicht zum Tabuthema, sondern zu einem Werkzeug für Ihr neues Leben.“
Sabine Buiten weiß, wie es sich anfühlt, wenn nach einer Trennung plötzlich alles an einem selbst hängt. Nach einer negativen Investment-Erfahrung verlor sie das Vertrauen und schob das Thema Geld weg. Im Interview erzählt sie, wie sie Schritt für Schritt wieder Klarheit gewonnen hat. Und warum finanzielle Sicherheit vor allem eines bedeutet: Freiheit und Handlungsspielraum.
Nach Ihrer Scheidung und einer sehr negativen ersten Investmenterfahrung haben Sie das Thema Geld und Investieren zunächst bewusst beiseitegeschoben. Was hat diese Erfahrung mit Ihnen gemacht und warum war das Vertrauen damals weg?
Nach meiner Scheidung war das Thema Geld emotional extrem aufgeladen. Ich stand plötzlich vor der Realität, allein für mich und mein Kind verantwortlich zu sein. Und das in einem Halbtagsjob. Dieser Moment war ein echter Schock.
Nicht theoretisch, sondern existenziell. Ich bin jetzt allein zuständig. Für Einkommen, Absicherung, Entscheidungen und für die Zukunft meines Kindes.
Die schlechte Investitionserfahrung hat dieses Gefühl noch verstärkt. Sie war nicht das eigentliche Problem, sondern ein Symptom dafür, dass mir damals Wissen, Transparenz und echte Entscheidungsfreiheit gefehlt haben. Ich habe mich eher führen lassen, als selbst geführt.
Das hat mein Vertrauen erschüttert. In Finanzprodukte, aber vor allem in meine eigene finanzielle Kompetenz. In einer Phase, in der ohnehin alles wackelt, zieht man sich instinktiv zurück. Für mich war dieses Wegschieben ein Schutzmechanismus. Erst einmal überleben, funktionieren, Stabilität herstellen.
Rückblickend weiß ich: Nicht das Investieren war das Problem, sondern die Kombination aus emotionalem Ausnahmezustand, finanzieller Verantwortung und fehlender Aufklärung auf Augenhöhe.

@Bianca Kübler
Sie sind über den she invests Newsletter und ein Online-Event wieder mit dem Thema Investieren in Berührung gekommen. Was war der Moment, in dem Sie gemerkt haben: Ich möchte dem noch einmal eine Chance geben?
Der entscheidende Moment war, als Investieren plötzlich verständlich, ruhig und alltagstauglich erklärt wurde. Ohne Druck, ohne Fachchinesisch, ohne „Sie müssen jetzt sofort“.
Im Newsletter und in den Vorträgen wurde klar: Nicht zu investieren, bedeutet langfristig ebenfalls ein Risiko. Reines Sparen heißt in Wahrheit oft schleichender Verlust.
Diese Erkenntnis, kombiniert mit dem Austausch mit anderen Frauen und Gesprächen mit Mitarbeiterinnen, hat bei mir etwas verschoben. Ich habe gemerkt: Investieren bedeutet nicht automatisch Verlust. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. In meinem Tempo, mit meinem Wissen.
Der Zugang über Frauen, echte Geschichten und nachvollziehbare Erklärungen war für mich der Schlüssel, um wieder Vertrauen zu fassen.

@Bianca Kübler
Viele Frauen erleben nach einer Trennung große Unsicherheit, gerade bei finanziellen Entscheidungen. Was hat Ihnen geholfen, wieder Mut zu fassen und Verantwortung für Ihre finanzielle Zukunft zu übernehmen?
Mir hat geholfen, ganz konkret anzufangen, ohne große Pläne. Ich habe mir angeschaut: Was habe ich? Was brauche ich? Was fehlt?
Ich habe aufgehört, Zahlen zu verdrängen, und begonnen, sie mir ehrlich anzusehen. Nicht, weil ich plötzlich mutig war, sondern weil Wegschauen keine Lösung mehr war.
Schritt für Schritt habe ich mir Wissen geholt, Fragen gestellt und Entscheidungen getroffen – auch kleine. Mit jeder davon ist mein Vertrauen gewachsen.
Und ich habe verstanden: Finanzielle Sicherheit bedeutet nicht nur Absicherung. Sie bedeutet Freiheit. Die Freiheit, Nein sagen zu können. Die Freiheit, Entscheidungen zu treffen. Die Freiheit, mein Leben aktiv zu gestalten, für mich und mein Kind.
Mut entsteht nicht auf einmal. Er entsteht dort, wo Klarheit wächst. Und Klarheit entsteht durchs Hinschauen.
Heute investieren Sie selbstbewusst und haben ein eigenes Business gegründet, in dem Sie Frauen beim Neustart unterstützen. Welche finanziellen Learnings aus Ihrer eigenen Geschichte fließen heute direkt in Ihre Arbeit ein?
Sehr viele. Und sie sind vor allem praktisch. Sowohl aus meiner eigenen Geschichte als auch aus meiner täglichen Arbeit als Coachin und Trennungsexpertin.
Ich begleite Frauen zum Beispiel bei beruflichen Veränderungen. Beim Wiedereinstieg, bei Neuorientierung, bei Gehaltsverhandlungen und dabei, ihre Rechte überhaupt einzufordern. Denn finanzielle Selbstbestimmung beginnt nicht erst bei der Scheidung, sondern viel früher.
In Trennungs- und Scheidungssituationen sehe ich immer wieder ähnliche Muster: Frauen, die emotional viel tragen, aber finanziell zu lange Verantwortung abgegeben haben. Dadurch geraten sie unter enormen Druck.
Diese Learnings fließen direkt in meine Arbeit ein:
Erstens: Auch in Beziehung und Ehe finanziell eigenständig bleiben.
Zweitens: Finanzielle Verantwortung nicht an den Partner oder die Partnerin abgeben – auch nicht aus Bequemlichkeit.
Drittens: Eine Reduktion der Arbeitszeit wegen Kindern nicht automatisch übernehmen, ohne die langfristigen Folgen zu klären.
Viertens: Frühzeitig über Veranlagung, Pension und Absicherung nachdenken. Gerade mit Blick auf Trennung oder Scheidung.
Fünftens: Nicht warten, bis alles wieder ruhig ist, um sich mit Geld zu beschäftigen.
Ich ermutige Frauen, Geld nicht nur als Zahl zu sehen, sondern als Faktor für Handlungsspielraum, Freiheit und Selbstwirksamkeit. Besonders in Trennungs- und Scheidungssituationen.
Finanzielle Klarheit ist kein Luxus. Sie ist oft die Grundlage, um eine Scheidung überhaupt selbstbestimmt bewältigen zu können.
Wenn Sie einer Frau in einer Trennungs- oder Umbruchphase einen konkreten Rat mitgeben könnten: Welcher wäre das?
Übernehmen Sie die Verantwortung, Schritt für Schritt. Nicht alles auf einmal, aber bewusst.
Verschaffen Sie sich zuerst einen klaren Überblick:
Was ist da? Was gehört mir? Was steht mir zu? Wo brauche ich Unterstützung?
Ganz konkret:
Verhandeln Sie Ihr Einkommen und Ihren beruflichen Rahmen. Gerade jetzt.
Klären Sie Ansprüche, Unterhalt, Vermögenswerte und Absicherung frühzeitig.
Denken Sie an Ihre Pension und langfristige Sicherheit, nicht nur an den nächsten Monat.
Verzichten Sie nicht vorschnell. Weder aus Schuldgefühlen noch aus Harmoniebedürfnis.
Ein wichtiger Punkt aus meiner Praxis: Trennungen sind oft emotionale Ausnahmezustände. Finanzielle Entscheidungen wirken langfristig. Treffen Sie sie nicht aus Angst, sondern aus Klarheit. Und holen Sie sich Unterstützung, bevor Sie verzichten.
Machen Sie finanzielle Entscheidungen nicht nur im Kopf, sondern schriftlich. Zahlen auf Papier bringen Ordnung ins Chaos und helfen, wieder handlungsfähig zu werden.
Und vor allem: Machen Sie Geld nicht zum Tabuthema, sondern zu einem Werkzeug für Ihr neues Leben. Finanzielle Selbstbestimmung beginnt nicht mit großen Summen, sondern mit der Entscheidung, hinzuschauen und bei sich zu bleiben.