Edition Feldkirch 800 –
Ausstellung in Gisinger Sparkasse (bis 7.1.2019)

Die Feldkircher Künstlerin Barbara Anna Husar hat anlässlich des 800-jährigen Stadtjubiläums die Grafikedition Feldkirch 800 gestaltet. Diese wird in der Gisinger Sparkasse ausgestellt.  Fotos @ Bernd Hofmeister

Die Feldkircher Künstlerin Barbara Anna Husar hat anlässlich des 800-jährigen Stadtjubiläums die Grafikedition Feldkirch 800 gestaltet. Diese wird in der Gisinger Sparkasse ausgestellt. Fotos @ Bernd Hofmeister

Barbara Anna Husar entwickelte zum 800-jährigen Jubiläum ihrer Heimatstadt eine Grafikedition mit acht ausgeklügelten Motiven. Die bildende Künstlerin schärft damit spielerisch unseren eigenen Blick auf die Potenziale der Stadt. Diese Werke sind bis zum 7. Jänner 2019 in der Sparkassenfiliale Gisingen ausgestellt.

Dazu ein Interview von Harald F. Petermichl mit der Künstlerin:  

Frau Husar, geboren in Feldkirch hat Sie Ihre künstlerische Tätigkeit unter anderem nach Amsterdam und New York geführt, oft auch in die Wüste Sinai. Heute leben und arbeiten Sie in Wien. Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie eine Arbeit zum 800. Geburtstag der Stadt Feldkirch gestalten wollten?

In den letzten Jahren hatte ich das Glück, mehrfach als Artist in Residence in verschiedenen Städten zu arbeiten. Meist habe ich auf herausragende Architekturkörper der Region reagiert. Wenn ich meiner Mutter die Reflexionen über Städte wie Shanghai oder Bilbao zeigte, wünschte sie sich jedes Mal, ich möge doch auch einmal meiner Heimatstadt diese Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen.

Und dann hat sie mir eines Tages die Projektausschreibung von Feldkirch 800 zugesandt, woraus sich das Format „Edition Feldkirch 800“ entwickelt hat. Sie war also der Katalysator.

Zu keiner anderen Stadt habe ich mehr Bezugssysteme als zu meiner Heimatstadt. Nahezu fühle ich eine unsichtbare Nabelschnur zwischen mir und meinem Geburtsort. Das wurde mir aber erst während der Entwicklung der Edition so richtig bewusst. Einen zeitgemäßen grafischen Ausdruck für dieses einzigartige Gefühl zu einer Stadt und ihrer Dynamik zu finden, war eine besonders interessante Herausforderung.

Ihre Ausstellungen beschäftigen sich mit der Geschichte unseres Universums. Das sind sehr große Themen. Wie ist das mit der künstlerischen Beschäftigung mit einer kleinen Stadt in Einklang zu bringen?

Für mich ist Feldkirch die Stadt im Universum, deren kulturelle Programmierung den stärksten Einfluss auf mich und mein Nervensystem hat. Eine Stadt in ihrer Entwicklung von 800 Jahren zu spüren, ist für mich ein komplexer Vorgang.

Meine Originalgrafiken bestehen aus zwei Ebenen: Abbildungen ausgewählter Orte changieren in individuellen Kolorierungen mit erweiterten Begriffen in Form von Bild- und Textstempeln, die lyrisch erfahrbar werden. Der Ardetzenberg verwandelt sich in eine riesige Kaulquappe, die Richtung Bodensee schwimmt, in einer anderen Grafik wird die Stadt als Kreiszeichnung dargestellt. Begriffe wie Hyperraum und Neulandliebe öffnen darin neue Bezugssysteme.

Es mag für mich vielleicht ungewöhnlich klassisch erscheinen, dass ich eine Grafikedition für meine Heimatstadt mache, aber für mich war die Entwicklungsphase eine ganz außergewöhnliche. Es ging so weit, dass mir eine Galerie in dieser Zeit einen Flug auf den Namen Barbara Anna Feldkirch gebucht hat und ich das erst beim Check-in bemerkte. Ich versuche, Synapsen für Neuzugänge in ihrer Verbindungs- und Leitfähigkeit zu aktivieren. So sind auch die acht Bilder von und für Feldkirch mit der Intention entwickelt, neue Denk- und Fühlräume freizusetzen.

Ihre künstlerische Tätigkeit verstehen Sie als „eine Praxis vielschichtiger Kommunikation“. Lässt sich das am Beispiel Ihrer „Edition Feldkirch 800“ konkretisieren?

Die Edition ist ein Zusammenspiel von acht ausgeklügelten Motiven, die den Zeitgeist der Stadt spiegeln. Da jedes Blatt von Hand bestempelt und koloriert ist, ist jede Grafik ein Unikat. Die Motivfindung war ein monatelanger Prozess des Aussiebens von wesentlichen Charakteristika der Stadt. Die acht Sichtweisen, die ich teile, sind eine Art Landkarte. In der ersten Berührungsphase ist viel Raum für Wiedererkennung und den persönlichen Heimatbegriff, aber das Zusammenspiel der Details öffnet beim genauen Betrachten zusätzliche Blickachsen.

Ebenso erweitert die Untermalung der Orte mittels Textstempel das Bezugsfeld, der Kombinationsfreiheit sind keine Grenzen gesetzt. Beispielsweise habe ich auf das Montforthaus Lilien aus dem Matschelser Ried gepflanzt, um die Synergien aus Natur und Kultur für eine bewusste Bildungslandschaft zu betonen. Ein historischer Seiltänzer über der Marktgasse blickt auf die neue Aussichtsplattform am Palais Liechtenstein und praktiziert damit einen Perspektivenwechsel.

Ein drittes Beispiel ist der Blick auf die Schattenburg: Ein Triceratops steht anstelle des Tunnels und in die Domspitze schlängelt sich eine Doppelhelix. Meine Art der Annäherung, Wahrnehmungsgrenzen auszudehnen und querverbindende Impulse zu setzen, kann auch als phantastisches Storyboard decodiert werden. Ich sehe die Edition für meine Heimatstadt als organisches Gewebe.

FACTBOX

EDITION FELDKIRCH 800

  • Künstlerin: Barbara Anna Husar
  • Auflage: 8 Motive in einer Auflage von je 100 Stück
  • Technik: Reprografie mit mehreren Stempeln, handkoloriert, signiert. Da die Blätter in Handarbeit bearbeitet wurden, sind sie unterschiedlich und daher voneinander geringfügig abweichende Originale.
  • Ausstellung: Bis 7. Jänner 2018 in der Gisinger Sparkassenfiliale.
  • Verkauf: Die Bilder sind im Shop im Palais Liechtenstein erhältlich.
  • Preis: 200 Euro je Blatt; Grafikmappe mit allen 8 Blättern: 1.200 Euro (inkl. Mwst.)