05.02.2026

Acht von zehn Vorarlberger:innen glauben nicht an eine ausreichend hohe staatliche Pension

v. l.: DDr. Paul Eiselsberg (IMAS International), Mag. Sonja Brandmayer (Generaldirektor Stv. Wiener Städtische) und Mag. Martin Jäger, MBA (Sprecher der Vorarlberger Sparkassen)

  • 89 Prozent empfinden finanzielle Vorsorge als wichtig
  • 225 Euro im Monat für private Altersvorsorge
  • 42 Prozent schätzen ihr Risiko für Altersarmut als (sehr) hoch ein
  • 7 von 10 Befragte gehen davon aus, im Alter weiter arbeiten zu müssen

Die Vorsorgestudie 2026 von Erste Bank, Sparkassen und der Wiener Städtischen zeigt: Immer mehr Menschen in Vorarlberg zweifeln an einer ausreichend hohen staatlichen Pension und fürchten im Alter weiter arbeiten zu müssen. Gleichzeitig wächst der Zuspruch für private finanzielle Vorsorge – beeinflusst auch durch den demografischen Wandel und die weltweiten geopolitischen Unsicherheiten.

Fragt man die Vorarlberger:innen nach ihrer Erwartung bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung und der Lebensqualität in den kommenden Monaten, rechnen 58 Prozent mit einer Verschlechterung, 31 Prozent mit gleichbleibenden Verhältnissen und nur 10 Prozent mit einer Verbesserung. Die Sorgenfalten werden demnach größer. Es verwundert daher auch nicht, wenn Menschen in diesem Umfeld vermehrt auf Stabilität, Verlässlichkeit und Sicherheit setzen. Dieser zunehmende Wunsch nach Sicherheit zeigt sich auch bei den zentralen Themen, für die man bereit ist, privat finanziell vorzusorgen: Diese sind für knapp sieben von zehn Befragte im Bundesland die Pension (+7 Prozentpunkte zu 2025), 62 Prozent schaffen finanzielle Reserven für Krisenfälle, 61 Prozent investieren regelmäßig in eine private Gesundheitsvorsorge und 56 Prozent geben das Thema Wohnen als Ziel ihrer Vorsorgetätigkeit an. Und für etwas mehr als jede:n Zweite:n (53 %) ist die Familie ein zentraler Vorsorgegrund.

Vertrauen in staatliche Pensionen nimmt weiter ab
Befragt nach den Hauptgründen, warum die Menschen in Vorarlberg vorsorgen, sagen mehr als die Hälfte der Befragten (59%), dass sie dadurch ihr persönliches finanzielles Risiko verringert und 55 Prozent nennen, ein zunehmendes Misstrauen gegenüber dem Staat – als verlässlichen Partner bei Pensionen – als zentrales Vorsorgeargument. 51 Prozent geben an, damit eventuellen Schicksalsschlägen finanziell vorbeugen zu wollen und jeder Zweite (49 %) hofft, durch private Vorsorge seinen gewohnten Lebensstandard im Alter halten zu können. „Hier zeigen die zuletzt stärker werdenden Diskussionen über die Finanzierbarkeit des staatlichen Pensionssystems Wirkung. 83 Prozent der Vorarlberger:innen zweifeln daran, einmal eine ausreichend hohe Pension vom Staat zu erhalten. Dass bereits heute jeder vierte Steuereuro für die Stützung der öffentlichen Pensionen aufgewendet werden muss, verunsichert mittlerweile mehr als 8 von 10 Befragten“, erläutert Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen die aktuelle Situation. Jede:r siebente Befragte geht gar davon aus, in der Pension weiter arbeiten zu müssen, um im Alter gut über die Runden zu kommen.

Vorsorgebetrag weiter hoch – Klassiker gefragt
Fragt man die Menschen im Bundesland nach den bereits genutzten Vorsorgeinstrumenten, werden die Anlage-Klassiker genannt: Sparkonto (58 %), Lebensversicherung (41 %) und Wertpapiere (30 %).

Es folgen Fondssparpläne (27 %), das Bausparen (24 %), Immobilien (16 %) und Gold (12 %). Auffallend ist, dass Lebensversicherungen (+10PP) und Fondssparpläne (+3PP) auch in Vorarlberg an Beliebtheit zulegen konnten. „Erfreulich ist zudem der durchschnittliche monatliche Betrag, den Menschen österreichweit in ihre persönliche Pensionsvorsorge investieren. Trotz der wirtschaftlichen Anspannungen bewegt sich dieser mit 225 Euro auf einem hohen Niveau“, so Martin Jäger, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen zum Vorsorge-Status quo. Männer investieren dabei mit 265 Euro pro Monat im Schnitt immer noch deutlich mehr als Frauen mit 179 Euro.

Altersarmut durch rechtzeitige Vorsorge vermeiden
Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Sorgen vor Altersarmut in der Vorarlberger Bevölkerung stark ausgeprägt sind. So schätzen 42 Prozent der Befragten das Risiko, in der Pension selbst von Altersarmut betroffen zu sein, als sehr hoch bzw. hoch ein. Wie also einer möglichen Altersarmut wirksam entgegensteuern? 92 Prozent sehen hier eine möglichst frühzeitige private finanzielle Vorsorge bzw. eine umfassende finanzielle staatliche Förderung privater Altersvorsorge (87 %) als wirkungsvollste Maßnahme. Mehr als drei Viertel (76 %) der Befragten in Vorarlberg sind davon überzeugt, dass eine durchgängige Vollzeitbeschäftigung der richtige Weg zu einer höheren Pension ist. Vor diesem Hintergrund fällt auch die Zufriedenheit mit dem staatlichen Pensionssystem generell eher mäßig aus – gerade einmal 41 Prozent im Bundesland zeigen sich damit zufrieden, 49 Prozent hingegen unzufrieden. „Angesichts dieses Umfelds ist es wenig überraschend, dass die private finanzielle Vorsorge zunehmend an Bedeutung gewinnt. Für neun von zehn Befragten in Vorarlberg hat diese einen sehr hohen bzw. hohen Stellenwert“, so die beiden Finanzexpert:innen unisono.

Zufriedenheit mit Pensionskonto gering
Um Planungssicherheit für die eigene Pension zu bekommen, gibt es seit 20 Jahren für alle nach dem 1.1.1955 geborenen Österreicher:innen das Pensionskonto. Laut Umfrageergebnis wissen jedoch erst 45 Prozent der befragten Vorarlberger:innen (51 % österreichweit) über ihr Guthaben am Pensionskonto Bescheid. Und: Lediglich 56 Prozent jener, die ihr Guthaben kennen, sind damit sehr bzw. eher zufrieden. Umgekehrt sind 42 Prozent damit eher nicht bzw. überhaupt nicht zufrieden. Auf die Frage, wie hoch die eigene Bruttopension später einmal ausfallen wird, nennen die Befragten österreichweit einen durchschnittlichen Betrag von 2.023 Euro. Männer rechnen dabei mit 2.254 Euro, Frauen mit 1.748 Euro. 

Zur Studie: Erste Bank, Sparkassen und Wiener Städtische beauftragten das Marktforschungsinstitut IMAS mit einer Online-Befragung rund um das Thema der privaten Altersvorsorge. Ende 2025 beantworteten 1.000 Personen zwischen 16 und 65 Jahren Fragen rund um ihre Vorsorgestrategien in turbulenten Zeiten, ihr konkretes Spar- und Vorsorgeverhalten, die Einschätzung ihrer finanziellen Situation im Alter sowie ihren Erwartungen für die Zukunft. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die österreichische Bevölkerung im Alter von 16 bis 65 Jahren.