12.01.2022

Vorsorgestudie 2023 - Vorarlberg:
Hohes Vorsorgeniveau trotz Inflation

Das Bedürfnis, finanziell für seine Liebsten vorzusorgen, bleibt in Österreich trotz Inflation hoch. (Foto: pixabay)

  • Österreicher:innen sorgen vor wie noch nie – 247 Euro pro Monat
  • Vorsorge-Klassiker im Ländle weiterhin gefragt
  • Multikrisen: 85 Prozent sehen starke Veränderungen im Alltag
  • Erwartungshaltung kurzfristig skeptisch, mittelfristig jedoch zuversichtlich

Die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, eine explodierende Inflation und der Klimawandel sind Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Umstände, die sich nicht nur finanziell bemerkbar machen, sondern mittlerweile Auswirkungen auf sämtliche Lebensbereiche der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger haben. Das ergab eine Umfrage von IMAS Austria, im Auftrag von Erste Bank, Sparkassen und Wiener Städtische.

Befragt man die Vorarlberger was ihre Erwartungen in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung und einer möglichen Veränderung der persönlichen Lebensqualität in den kommenden Monaten betrifft, gehen 73 Prozent von einer Verschlechterung aus, 20 Prozent erwarten ein Gleichbleiben und lediglich 4 Prozent eine Verbesserung. „Obwohl derzeit die finanziellen Belastungen durch die hohe Inflation spürbar steigen, sehen wir, dass die Menschen besonders in Krisenzeiten Sicherheit und Halt suchen. In der Altersvorsorge hat die expansive Geldpolitik der EZB in der letzten Dekade den Sparern sowie Vorsorgewilligen einiges abverlangt. Doch diese Phase ist jetzt vorbei, die Zinswende sollte hier eine Trendwende bringen“, sagt Manfred Bartalszky, Vorstand der Wiener Städtischen und verantwortlich für den Bankenvertrieb Marke s Versicherung.

Menschen rüsten sich für die Zukunft
Auffallend ist, dass die Bedeutung der privaten finanziellen Vorsorge mit 89 Prozent auch in Vorarlberg eine sehr hohe ist und die Aufwendungen für Pensions- und Gesundheitsvorsorge österreichweit mit durchschnittlich 247 Euro pro Monat (2021: 226 Euro) noch nie höher waren. Auf die Frage nach den Top-Vorsorgethemen in Vorarlberg, also jenen Lebensbereichen, für die man jedenfalls gerne bereit ist, privat ergänzend vorzusorgen, fällt das Ergebnis ebenfalls sehr eindeutig aus: auf Platz 1 eine finanzielle Reserve für Krisenfälle (71%), danach ex aequo mit jeweils 70 Prozent Gesundheit und Pension, gefolgt von der Familie (63%) und einer kurzfristigen finanziellen Reserve (57%). „Aber trotz aller Widrigkeiten bleiben wir in Vorarlberg optimistisch: 53 Prozent der Befragten im Ländle sind trotz der aktuell schwierigen Situation zuversichtlich und rechnen damit, dass die Zeiten bald wieder besser werden“, so Martin Jäger, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen, zum Status quo im Land.

Multikrisen zeigen Einfluss auf Vorsorgeverhalten
Gefragt, wie stark die unterschiedlichen Krisen unseren Alltag – also die Art wie wir leben, einkaufen, arbeiten oder denken – verändern, gehen 85 Prozent der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger von einer starken Veränderung aus. Demzufolge haben sieben von zehn Befragte in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld in den letzten Monaten bereits Vorsorgehandlungen gesetzt: 41 Prozent haben ihre Lebensmittelvorräte aufgestockt, jeweils 23 Prozent eine finanzielle Vorsorge fürs Alter getroffen und Brennholz eingelagert, 20 Prozent einen Wasservorrat angelegt und jeweils 19 Prozent einen Vorrat an Batterien gekauft und eine finanzielle Vorsorge für ihre Gesundheit getroffen. Bartalszky: „Trotz der bundesweit auf 247 Euro gestiegenen durchschnittlichen privaten Vorsorge für Pensions- und Gesundheitsvorsorge, geben 39 Prozent der Befragten im Ländle an, ihre Vorsorgestrategie weiter verändern zu wollen. Österreichweit möchte hier jeder Siebente in Zukunft noch mehr Geld in die private finanzielle Vorsorge investieren. Ein sehr vernünftiger Zugang, weil die Inflation leider auch die Höhe der privaten Altersvorsorge schmälert.“

Anlage-Klassiker weiterhin gefragt
In der vorliegenden Umfrage wurden auch gefragt, welche Veranlagungskriterien ihnen bei der Vorsorge wichtig sind. Dabei zeigt sich, dass das wichtigste Kriterium mit 52 Prozent eine möglichst hohe Flexibilität der Produkte ist. Hohe Sicherheit beziehungsweise ein geringes Risiko bei der Veranlagung wünschen sich 45 Prozent, gefolgt von Kapitalgarantie (44%), Transparenz (43%) und hohe Renditen bzw. Zinsen mit immerhin 30 Prozent. „Es zeigt sich einmal mehr, dass die Menschen in schwierigen Zeiten wieder ganz massiv auf das Thema Sicherheit setzen. Dabei sollte jedoch auf die Beimischung von Wertpapieren und Fonds nicht vergessen werden da man – Stichwort Niedrigzins bei steigender Inflation – ansonsten Gefahr läuft keine Erträge zu erzielen“, so Jäger. Auch die große Konstanz der Klassiker bei den bereits genutzten Spar- und Veranlagungsprodukten ist unübersehbar, selbst wenn einige etwas an Attraktivität eingebüßt haben: Die Top 3 Vorsorgeprodukte in Vorarlberg sind das Sparbuch (49%) gefolgt von der Lebensversicherung (39%) sowie Wertpapieren und Fondssparplänen jeweils mit 27 Prozent. Danach punkten Immobilien und das Bausparen mit je 25 Prozent sowie Gold bzw. Edelmetalle mit 23 Prozent.

Bemerkenswert: Auch wenn das Thema der nachhaltigen Veranlagung im Jahr 2022 etwas an Schwung verloren hat, geben 54 Prozent der Befragten in Vorarlberg an, dass ihnen Nachhaltigkeit bei Vorsorge- bzw. Versicherungsprodukten wichtig ist. Und: Der Gruppe der 16 bis 29-Jährigen liegt das Thema besonders am Herzen.

Zur Studie: Erste Bank, Sparkassen und Wiener Städtische beauftragten das Marktforschungsinstitut IMAS mit einer Online-Befragung rund um das Thema der privaten Altersvorsorge. Ende 2022 beantworteten 1.000 Personen zwischen 16 und 65 Jahren Fragen zum Einfluss von Corona Pandemie, Ukraine Krieg, Klimawandel oder der explodierenden Inflation auf das Spar- und Vorsorgeverhalten der Österreicher:innen sowie deren Zukunftserwartungen. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren.

Mag. Martin Jäger, MBA, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen (Foto: Studio Fasching)