Studienpräsentation: Wohneigentum durch Corona noch attraktiver

Die Corona-Krise hatte bisher wenig Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger mit ihrer aktuellen Wohnsituation. Das ergab eine aktuelle Umfrage von IMAS International im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen, die in zwei Wellen – einmal im Februar vor der Corona-Krise und einmal im Juni mitten in der Pandemie – die Wohnsituation der Österreicher abgefragt hat. Aktuell zeigen sich im Ländle 86 Prozent "sehr zufrieden" oder „zufrieden“ mit ihrer Wohnsituation. Vor Corona waren es 90 Prozent. Die Studie belegt, dass die aktuell herausfordernden Zeiten das Sicherheitsbedürfnis der Menschen stimuliert. So denken heute noch mehr Vorarlbergerinnen und Vorarlberger über die Anschaffung von Wohneigentum nach als vor Corona.

Was ihre Wohnsituation angeht, dürften die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger zu jenen in Österreich zählen, die am meisten in Einklang mit ihren Wünschen stehen. Österreichweit am zufriedensten zeigen sich dabei Frauen, die Generation 60+ und die Bewohner ländlicher Regionen. Aber angesichts der 45.000 Menschen in Vorarlberg1, die aktuell arbeitslos oder in Kurzarbeit sind und vielfach auch unter Existenzängste leiden, rückt das Thema „Zufriedenheit“ in den Hintergrund. Eine entscheidende Rolle spielen die steigenden Wohnkosten.

Zu den Fakten2: In einem durchschnittlichen Vorarlberger Haushalt leben 2,31 Personen auf 98,9 m². Rund 58 Prozent der Hauptsitzwohnungen sind Eigentumswohnungen oder -häuser. Die Eigentumsquote im Ländle rangiert damit leicht über dem österreichischen Durchschnitt (48,5 %) – deutlich jedoch hinter dem Spitzenreiter Burgenland (69,1 %). Verdienstmäßig liegen Herr und Frau Vorarlberger mit durchschnittlich 2.246 Euro netto pro Monat über dem Bundesschnitt (2.226 Euro) – nur übertroffen noch von den Niederösterreichern (2.327 Euro). Gleichzeitig muss im äußersten Westen deutlich mehr für den Wohnraum berappt werden: Sowohl mit den Mieten (9,30 Euro pro m² und Monat) als auch mit den Preisen für Wohneigentum (Eigentumswohnung: 3.899 pro m²) bewegt sich Vorarlberg im österreichischen Spitzenfeld.

Einkommen steigen weniger schnell als Immobilienpreise
Problematisch sieht man deshalb die Entwicklung der Ausgaben fürs Wohnen. Schon jetzt erleben 49 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher, dass die Wohnkosten in den letzten fünf Jahren „etwas gestiegen“ und für 18 Prozent sogar "sehr gestiegen“ sind. Nur rund ein Drittel der Studienteilnehmer sieht das anders. In den 1980er-Jahren erachteten noch mehr als drei Viertel (77 %) die Wohnkosten als „leistbar“ beziehungsweise „sehr gut leistbar“. Heute sind das nur noch 25 Prozent. Und dass Wohnen 2030 überhaupt noch leistbar sein wird, glauben aktuell gar nur knapp 18 Prozent. Sind seit 2015 laut Österreichischem Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) die Reallöhne hierzulande nur 4,9 Prozent gestiegen, so haben sich im gleichen Zeitraum die Mietpreise laut Verbraucherpreisindex der Europäischen Zentralbank mit 15 Prozent überproportional nach oben entwickelt.

Dauerbrenner „Wohneigentum“
Änderungswünsche im Zusammenhang mit den eigenen vier Wänden bestehen natürlich (47 % in Vorarlberg, 54 % in Österreich). Dabei denken aktuell sieben Prozent der Befragten in Vorarlberg ans Renovieren und zehn Prozent an Verbesserungsmaßnahmen im Außenbereich bei Balkon, Garten & Co. Größeren Wohnraum wünschen sich acht Prozent. An diesen Werten hat auch Corona wenig verändert. Deutlich durch die Corona-Krise gestiegen ist in Vorarlberg allerdings das Bedürfnis nach eigenen vier Wänden: 14 Prozent (+10 PP) geben aktuell in der Studie an, Wohnungs- oder Hausbesitzer sein zu wollen. Relevant ist dieser Wunsch insbesondere für junge Erwachsene: Rund ein Fünftel (21 %) der 18- bis 34-Jährigen in Österreich signalisieren, Wohneigentum haben zu wollen.

Österreichweit stieg das Neugeschäft bei Wohnbaukrediten an Private von 5.068 Milliarden Euro (Q2/2019) um 7,2 Prozent auf 5.461 Milliarden Euro (Q2/2020) an – in der Sparkassengruppe um 9,8 Prozent auf 1.042 Milliarden Euro an. Zudem legen Finanzierungsnehmer immer mehr Wert auf eine Absicherung. Waren es vor Corona 62 Prozent der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger, so sind es heute 75 Prozent, die eine besondere Absicherung der Finanzierung bedeutsam finden. Flexibilität bei der Ratenzahlung ist nun für 75 Prozent der Befragten wichtiger als noch vor Corona.

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1 Quelle: AMS, August 2020
2 Quelle: Statistik Austria