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Fonds-News KW 47 | 19.11.2024
Die USA haben gewählt! Und was jetzt?
Höhenflug an den US-Aktienmärkten
Als Reaktion auf den Sieg der Republikaner mit Donald Trump an der Spitze preschten die Börsen in New York am Tag nach der Wahlnacht auf ein Allzeithoch vor. Der S&P 500 verbuchte einen Tagesgewinn von 2,5 %. Nach den kräftigen Avancen im unmittelbaren Nachgang der US-Präsidentschaftswahlen haben die amerikanischen Aktienmärkte ab Mitte letzter Woche wieder etwas nach unten korrigiert und konsolidiert.
War es das bereits an Höhenflug? Kommt noch eine Jahresendrallye? Handelt es sich nur um eine kurze Pause?
Es waren wohl auch Gewinnmitnahmen nach den Kursexplosionen an den Finanzmärkten in Folge der eindeutigen Wahl von Donald Trump zum neuen Präsidenten der USA. Die Marktteilnehmer setzten selektiv auf potenzielle Gewinner und Verlierer des bevorstehenden Regimewechsels. Und wieder einmal mehr stehen die Zinsen, die Renditen zehnjähriger US-Treasuries und die Inflation im Fokus.
Wer profitierte kurzfristig am meisten?
Das Paradebeispiel ist einmal mehr Tesla. Auf Basis der starken und auch lauten Unterstützung von Elon Musk für Donald Trump, wird an der Börse im großen Stil auf günstige regulatorische Bedingungen für den Elektroautohersteller spekuliert. Es ist jedoch Vorsicht geboten, denn Trump kann seine Meinung, auch in Bezug auf seine Geschäftspartner, bekanntlich rasch ändern. Die Hoffnung auf eine regulatorische Lockerung im Handel mit Kryptowährungen hat auch Bitcoin zwischenzeitlich zu einem Höhenflug animiert.
Das Newsportal „Axios“ fasste die erwarteten Auswirkungen der Wahlen hinsichtlich Auflagen und Vorschriften für Unternehmen folgendermaßen zusammen: „Die Aussicht auf ein lockereres regulatorisches Umfeld, das den Markt für Unternehmenstransaktionen beleben könnte, begünstigte Wetten auf Big Tech und Aktien von Großbanken, darunter Discover Financial, Capital One und Goldman Sachs.“
Ebenso waren Aktien aus dem Bereich fossiler Brennstoffe gesucht, während Titel von Unternehmen mit dem Fokus auf alternative Energien abgestoßen wurden. „Titel zu erneuerbaren Energien und zur Solarindustrie, darunter First Energy und First Solar, erlitten Einbußen aufgrund von Befürchtungen, dass der Inflation Reduction Act und damit verbundene Fördermittel für die Branche aufgehoben werden könnten“, meinte „Axios“ dazu.
Auch der Small-Cap-Index Russell 2000 kletterte auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Aktien jedoch von zum Beispiel Pepsi, Mondelez und anderen Konsumgüterherstellern kamen unter Druck, da Anleger:innen mit höheren Preisen aufgrund von Zöllen rechnen. Dazu zählten auch Einzelhändler, die in China engagiert sind. Sie waren ebenfalls auffallend schwach.
Höhere Inflation unter Trump?
Ein möglicher Anstieg der Teuerung war und bleibt ein Hauptthema. Der US-Dollar ist auf den höchsten Stand seit vier Monaten gestiegen, da Anleger:innen davon ausgehen, dass die Pläne für Zölle die Inflation anheizen und die Aussichten auf Zinssenkungen dämpfen könnten. Im Gegenzug sank die Nachfrage und damit der Preis für in Dollar denominierte Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Öl und US-Agrarprodukte.
Der Gesundheitssektor musste sich auch mit Kursrückgängen herumschlagen, da Fragen zur Gesundheitsvorsorge aufkamen. Die Unsicherheit hinsichtlich einer möglichen Demontage der Gesundheitsreform Obamacare nahm zu. Im Gegenzug stiegen jedoch die meisten Rüstungsaktien, da es als unwahrscheinlich gilt, dass Trump die Militärausgaben kürzen wird, unabhängig von einer möglichen Zurücknahme der Unterstützung für die Ukraine im Krieg mit Russland.
Wie könnte es an den Börsen weitergehen?
Das Verhalten des Bondmarktes sollte eigentlich im Fokus stehen. Die US-Staatsverschuldung, der Index der Konsumentenpreise und die Bilanz der US-Notenbank werden wesentlichere Gradmesser für den politischen Leistungsausweis der Republikaner sein als die Entwicklung des Aktienindex S&P 500.
Beschädigung der Weltwirtschaft durch Trumps Radikalmethoden?
Die vom künftigen US-Präsidenten angekündigten Maßnahmen dürften kurzfristig die US-Konjunktur und US-Aktien beflügeln. Auf die Dauer jedoch besteht wegen der Schuldenpolitik das Risiko eines zinsbedingten Wirtschaftseinbruchs.
Die Politik scheint immer mehr die Börsenentwicklung zumindest mitzubestimmen. In der Vergangenheit hatte Politik tatsächlich an der Börse kurze Beine und schon bald bestimmten wieder Gewinne und Zinsen die Kurse. Heute fällt bei Wahlen auf, dass nicht nur in den USA, sondern auch weltweit fast überall die herrschende Partei abgelöst wird von der gegnerischen Partei oder einer völlig neuen politischen Konstellation. In den USA muss man bis ins späte 19. Jahrhundert zurückgehen, um eine Konstellation wie heute vorzufinden – nämlich dass drei Mal hintereinander die Partei des Amtsinhabers abgelöst wird. Dies spiegelt offensichtlich eine tiefe Unzufriedenheit der Menschen mit den amtierenden Politikern wider. In der Regel kommt es in den meisten Ländern zu einem Rechtsruck.
Trump und die Strafzölle
Donald Trump zieht Anfang 2025 für eine zweite Amtsperiode als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika in das Weiße Haus ein. Nachdem seine Partei, die Republikaner, auch die Kontrolle über beide Kammern im Kongress erlangen konnten, stehen Trump bei der Umsetzung seiner Wahlversprechen kaum noch Hindernisse im Weg. Es ergibt sich wohl eine neue Ausrichtung der Handelspolitik inklusive der Einführung von Strafzöllen auf diverse Importe.
Die Erste Bank geht in ihren Prognosen aktuell von einer Abschwächung der Weltwirtschaft 2025 auf 1,7 % Wachstum aus und für 2026 auf 1,5 %. Sie erwartet in Folge Zinsschritte nach unten in der Höhe von je 0,25 % bis Sommer 2025 und dann quartalsweise weiter bis Ende 2025.
Auch in der Eurozone geht die Erste Bank von weiteren Zinssenkungen der EZB aus und zwar im Ausmaß von vier mal 0,25 %. Das Wachstum in der Eurozone sollte 2025 durch die Einführung von Zöllen noch nicht so stark betroffen sein, doch für 2026 senkt die Erste Bank ihre Prognose auf 1,2 %.
Die Inflationsprognose bleibt bis dato noch gleich. Grundsätzlich muss man betonen, dass Donald Trump keine Rücksicht darauf nehmen muss, ob er wiedergewählt wird oder nicht, denn ein Präsident kann in den USA nur zwei Mal gewählt werden. Mit seiner Pro-Amerika-Handelspolitik könnte er dem Welthandel gewaltigen Schaden zufügen. Er kann ohne Rücksicht auf die beiden Kammern des US-Parlaments Zölle einführen.
China im Fokus
Der angekündigte Zoll von 60 % auf chinesische Importwaren könnte die ohnehin schwächelnde chinesische Konjunktur massiv unter Druck bringen. Aber eben auch das angekündigte Wachstum in Deutschland im nächsten Jahr in der Höhe von 0,4 % könnte sich halbieren. Das Problem ist die hohe deutsche Exportabhängigkeit, die seit der Euro-Einführung noch gewachsen ist. Deutschland würde wohl nicht nur unter den erwarteten Zöllen leiden, die Trump verhängen dürfte, sondern aufgrund der großen Globalisierungsabhängigkeit auch unter den angedrohten Zöllen gegen China, Stichwort Automobilbau.
Die USA können sich noch am ehesten leisten, die Staatsverschuldung weiter mit Rekordwachstumsraten steigen zu lassen. Die Weltreservewährung Dollar wird in Zeiten von schlechtem Wirtschaftswachstum und geopolitischer Unsicherheit eher Zuflüsse erleben als einen Vertrauensschwund. Allerdings wird die US-Regierung auch höhere Zinsen bieten müssen als heute.
Andere Länder müssen dagegen aufpassen, dass sie keinen Vertrauensschwund für ihre Währung oder ihre Anleihen auslösen, wenn sie fiskalpolitisch zu expansiv die Schulden erhöhen. 2022 kam es u.a. deswegen zu einem Sturz der englischen Regierung, und Frankreich sieht sich zunehmend in einer schwierigeren fiskalpolitischen Situation mit dem derzeitigen Zusteuern auf eine Neuverschuldung von 7 % des Bruttoinlandsproduktes.
Stichwort Inflation
Die Inflation könnte ebenfalls durch die angedrohten Ausweisungen von (illegal) eingewanderten Menschen gefördert werden. Seit Jahren hatte es keine so hohen Zuwanderungszahlen in die USA gegeben wie zuletzt, was schließlich auch den Arbeitsmarkt unter Druck gebracht hat. Bei angekündigten Abschiebungen im Millionenbereich würde sich der Arbeitsmarkt wieder verknappen und inflationäre Impulse senden.
Durch das Aussperren ausländischer Konkurrenz durch Zölle würden amerikanische Unternehmen gewinnmäßig gefördert werden. Allerdings wird sich dies dann in steigenden Inflationsraten bei Importprodukten auswirken. Donald Trump könnte versuchen, diesen Inflationseffekt durch niedrigere Ölpreise wenigstens teilweise auszugleichen. Er würde z.B. Ölbohrungen in geschützten Gebieten frei geben und das Angebot kräftig erhöhen.
Fazit
Kurzfristig dürfte Amerika durch bessere Konjunktur und steigende Währung verbunden mit entsprechend höherem Wohlstand positiv beeinflusst werden. Doch auf die Dauer könnte ein gegenteiliger Effekt eintreten.
Chinas Rache?
Dieses Mal dürften die Chinesen sich für die amerikanischen Maßnahmen wesentlich mehr rächen als in der Vergangenheit. Es könnte so weit kommen, dass staatliche Auflagen dazu führen, dass keine ausländischen Produkte mehr gekauft werden sollen / dürfen. Das würde die Luxusgüterindustrie, vornehmlich in Frankreich und Italien ansässig, besonders treffen.
Auswirkungen auf die Geldanlage
Anleger:innen können sich vor kommenden Schwierigkeiten wahrscheinlich nach wie vor am besten durch eine Erhöhung ihres Anteils in amerikanischen Aktien schützen. Die höher als erwarteten Zinsen als Folge der stabilen US-Konjunktur würden US-Finanzinstitute begünstigen.
Auch die großen amerikanischen Technologie-Unternehmen stehen deutlich in der Gunst der internationalen institutionellen Anleger:innen. Grüne Energie dürfte es wohl anhaltend schwer haben. Doch es bleibt stets die Einzelaktien-Analyse im Fokus, denn durch das mögliche Aussperren der chinesischen Konkurrenz könnte das eine oder andere „grüne“ Unternehmen auch einen Vorteil erzielen.
Nicht zu vergessen ist der Faktor, dass die Konjunktur anhaltend getrieben wird von der Begeisterung für künstliche Intelligenz, KI, und den damit zusammenhängenden Investitionen.
Breite Streuung und somit eine gute Diversifikation sind sowohl vor den Wahlen in den USA als auch danach das Rezept für ein Gelingen einer langfristig erfolgreichen Veranlagungsstrategie.
CEB
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