Fonds-News KW 25 | 18.06.2024

Erste Zinssenkung der EZB – und jetzt?

Mit einiger Verzögerung haben nun einige Zentralbanken ihre Leitzinssätze gesenkt, darunter auch die EZB bei ihrer Zinsentscheidung am 6. Juni 2024. Für die Währungshüter in der Eurozone war das der erste Lockerungsschritt beim Leitzins seit 2016. Damals hatte man den Leitzins auf den Niedrigststand von 0 % gesenkt. Infolge der stark gestiegenen Inflation hatte die EZB dann im Juli 2022 ihre Nullzinspolitik geändert und den Leitzins in 10 Zinsschritten auf 4,50 % angehoben. Am 6. Juni 2024 hat die EZB ihren Leitzinssatz (Main refinancing rate) von 4,50 % auf 4,25% gesenkt.

Richtig oder falsch – zu früh oder doch zu spät?

Die Zentralbanken stehen vor der Herausforderung ein ausreichend restriktives Niveau zu finden, um den Inflationsdruck abzuschwächen. Die Risiken einer Fehleinschätzung sind dementsprechend groß. Auf der einen Seite könnten zu frühe Leitzinssenkungen die Inflation auf einem zu hohen Niveau halten beziehungsweise sogar eine zweite Inflationswelle erzeugen. Auf der anderen Seite könnten zu späte Leitzinssenkungen die wirtschaftliche Aktivität dämpfen, beziehungsweise sogar eine Rezession hervorrufen.

Eine Unsicherheit ist dennoch gegeben, weil der Einfluss der Zentralbankpolitik auf das Wirtschaftswachstum und die Inflation nicht so stark ist, wie es die Zentralbanker manchmal vermuten lassen.

Die Pandemie ist noch immer spürbar

Die Nachwirkungen der Pandemie sind noch allgegenwärtig. Eine der Besonderheiten ist das niedrige Produktivitätswachstum, vor allem in der Eurozone. So war im ersten Quartal das Wachstum der Beschäftigung und des Bruttoinlandsprodukts mit jeweils 0,3 % im Quartalsabstand gleich groß. Zudem hat die Arbeitslosenrate mit 6,4 % im April einen neuen Tiefstand erreicht, obwohl das BIP vor dem Wachstum im ersten Quartal fünf Quartale in Folge stagnierte.

Ohne einen Anstieg der Produktivität wird es allerdings schwierig sein, die Inflation mittelfristig auf das Zentralbankziel von zwei Prozent zu bringen, weil dann das Wachstum der Lohnstückkosten hoch bleibt.

Fazit – das Zinsniveau dürfte restriktiv bleiben

Die EZB hat hinsichtlich ihrer Zinspolitik seit Monaten auf eine Leitzinssenkung im Juni hingedeutet. Nun haben die Notenbanker mit ihrer Zinssenkung den Ankündigungen auch Taten folgen lassen.

Als Argumente für die Zinssenkung wurden die Fortschritte im Inflationsrückgang und der wachstumsdämpfende Effekt der Zinspolitik genannt. Erfreulich ist, dass die Inflation vom Hoch im Oktober 2022 (10,6 %) deutlich fiel. Für die nachhaltige Erreichung des Inflationsziels auf mittlerer Sicht ist aber weiterhin ein restriktives Zinsniveau nötig.

Die Höhe und die Dauer der restriktiven Haltung, um das Inflationsziel zu erreichen, bleiben datenabhängig und werden von Sitzung zu Sitzung entschieden. In der Pressemitteilung zur Leitzinssenkung wurde auch betont, dass der binnenwirtschaftliche Preisdruck angesichts des kräftigen Lohnwachstums nach wie vor hoch sei. Die Inflation dürfte bis weit ins nächste Jahr über dem Zielwert bleiben, hieß es. Zudem wurden die Inflationserwartungen für das heurige und das kommende Jahr etwas nach oben korrigiert. Außerdem hieß es in der Mitteilung Leitzinsen so lange wie erforderlich ausreichend restriktiv halten, um dieses Ziel zu erreichen.

Wo geht die Reise hin?

Solange die Eurozone von einer Rezession verschont bleibt, geht sich ein schneller Zinssenkungszyklus schwer aus. In den Marktpreisen ist bis Jahresende eine Absenkung des Leitzinssatzes um insgesamt 0,5 Prozentpunkten reflektiert.

AH

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