Fonds-News KW 21 | 22.05.2024

Sell in May and go away – was ist dran an der alten Börsenweisheit?

Eine alte Börsenweisheit besagt „Sell in May an go away“. Häufig folgt dann noch der Zusatz „but remember to come back in September“. Das Sprichwort stammt vermutlich aus dem London des 19. Jahrhunderts und ist darauf zurückzuführen, dass Aristokraten, Bankiers und wohlhabende Eliten im Sommer in den Urlaub gingen und ihre Aktien vorher verkauften, um im Urlaub nicht von negativen Börsenentwicklungen überrascht zu werden. Die Folge waren eine Sommerflaute und schwache Börsenmonate. Doch hat das Sprichwort auch heute noch Relevanz?

Trifft die alte Börsenweisheit überhaupt zu?

Ist es wirklich ratsam sich im Mai von Aktien zu verabschieden? Waren die Sommermonate wirklich immer so schlechte Börsenmonate? Es stimmt, in der Vergangenheit gab es Phasen und Märkte, in denen „Sell in May and go away“ ein guter Ratschlag war und man auf Jahressicht ohne diese Monate eine bessere Perfomance hatte als mit diesen Monaten. ABER es gab auch Phasen und Märkte, in denen das nicht der Fall war und die Performance in den Sommermonaten (Ende April bis Ende August, in Euro) besser als in den übrigen Monaten war.

Und ja, es stimmt auch, dass es in der Vergangenheit häufig so war, dass die Sommermonate weniger ertragsreich waren als der Rest des Jahres. ABER in vielen dieser Sommermonate war die Performance dennoch positiv und auf diese Performance hätte man verzichtet, wenn man der Börsenweisheit gefolgt wäre. Im Jahr 2020 hätte man in den Sommermonaten z.B. rund 10 % liegen gelassen, 2021 knapp unter 10 % und 2023 knapp 8 % (am Beispiel MSCI World in Euro).

Wie man sieht, ist diese alte Börsenweisheit mit Vorsicht zu genießen. In der heute global vernetzten und schnelllebigen Finanzwelt, in der nahezu rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr an Börsen auf der ganzen Welt gehandelt wird und auch der automatisierte Handel Einzug gehalten hat, ist eine Sommerflaute an den Märkten, wie es sie früher gab, längst Geschichte – die Relevanz von saisonalen Strategien wie „Sell in May and go away“ sinkt.

Buy and hold die bessere Alternative?

Historische Daten zeigen, dass sich eine Buy and hold Strategie oft als sinnvoller erwiesen hat als saisonale oder Timing Strategien. Über längere Zeiträume führt Kontinuität häufig zu einer höheren Rendite. Das liegt daran, dass Märkte langfristig wachsen und sowohl starke Gewinntage als auch starke Verlusttage nicht vorhersehbar sind und sich auch nicht auf bestimmte Monate oder Wochen im Jahr beschränken lassen. Eine Auswertung des US-Aktienindex S&P 500 hat beispielsweise ergeben, dass man in den letzten 36 Jahren (31.03.1988 bis 31.03.2024) ein um rund zwei Drittel geringes Endvermögen erzielt hätte, wenn man nur an den 15 besten Tagen (!) nicht investiert war – hier kommt aufgrund der langfristigen Veranlagungsdauer natürlich auch der „Zinseszinseffekt“ deutlich zum Tragen.

Aktienmärkte zuletzt etwas verunsichert

2024 war bisher ein gutes Jahr für Aktieninvestments. Die meisten großen Aktienindizes, wie z.B. der globale MSCI World, der amerikanische S&P 500 oder der europäische Euro Stoxx 50 liegen deutlich im Plus (Stand 17.05.2024; in Euro). Im April kam es zu einer leichten Konsolidierung, bedingt durch die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten, die sich aufgrund der direkten Konfrontation zwischen Israel und dem Iran zuspitzte. Auch die hartnäckige Inflation und der robuste Arbeitsmarkt in den USA sorgten für Verunsicherung. Bei der Fed-Sitzung im April hat US-Notenbank Chef Jerome Powell einmal mehr die Zinssenkungshoffnungen gedämpft. Es könne „länger als bisher angenommen“ dauern, bis die Fed mehr Zuversicht gewinne, dass die hohe Inflation wirklich auf dem Rückzug sei und somit Zinssenkungen gerechtfertigt wären. In Europa zeigt sich die Inflation zwar auch hartnäckig, allerdings schwächelt die Wirtschaft etwas, was einen früheren Zinsschritt rechtfertigen könnte. Seit Anfang Mai geht es an den meisten Aktienmärkten aber wieder bergauf – gilt daher „sell in May and go away“ diesmal nicht? Die Entwicklung in den Sommermonaten ist nicht vorherzusagen. Nach der jüngsten Erholung scheinen die Börsen ihren Aufwärtstrend fortzusetzen. Anstehende Zinssenkungen in Europa könnten den Markt unterstützen, ebenso wie die anhaltend guten Unternehmensergebnisse. Allerdings scheint es auch so, dass die Tech-Euphorie ein wenig abnimmt, die geopolitischen Risiken hoch bleiben und uns eine höhere Inflation noch länger begleiten wird.

Dabei sein ist alles!

Börsen nehmen Entwicklungen vorweg und reagieren manchmal unerwartet stark auf Veränderungen oder Verunsicherungen. Schwankungen an den Märkten sind die Normalität und nicht die Ausnahme, das gehört zum Investieren dazu, doch vorherzusagen, wann es genau zu Rücksetzern kommt und in welcher Höhe diese ausfallen werden, ist schier unmöglich. Wichtig ist überhaupt investiert zu sein und auch in unruhigen Marktphasen investiert zu bleiben, um die Chance zu erhalten, Verluste auch wieder wettzumachen. Durch eine breite Diversifikation können Risiken gestreut werden - Investor:innen sind nicht von der Entwicklung einzelner Unternehmen abhängig, denn es kann immer wieder vorkommen, dass einzelne Unternehmen in Schieflage geraten und vielleicht sogar Konkurs anmelden müssen. Investiert man aber global und breit gestreut in viele Unternehmen, minimiert man dieses Risiko und kann am Wirtschaftswachstum in der ganzen Welt partizipieren. Auch die Diversifikation über unterschiedliche Anlageklassen kann sinnvoll sein, da häufig nicht alle Assetklassen gleich stark von Marktveränderungen betroffen sind. Dies kann zum Beispiel auch mittels Fonds umgesetzt werden. Unsere Kundenbetreuer:innen beraten sie diesbezüglich gerne!

Gesichert werden wir es erst im Herbst wissen, ob es sich 2024 wieder um ein Jahr gehandelt hat in dem man von „Sell in May and go away“ profitiert hätte oder nicht. Kein Jahr gleicht dem anderen und die Gründe für Kursrallys oder Marktkorrekturen sind in keinem Jahr gleich. Wichtig ist daher langfristig investiert zu sein, um überhaupt dabei zu sein! Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

TP

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