Die Arbeitswelt wird digitaler: „Think Austria“ präsentiert Paper

07.Juli 2021

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel, die Stabsstelle „ThinkAustria“ im Bundeskanzleramt unter Leitung von Antonella Mei-Pochtler hat dazu das Papier „Auf zu neuen Arbeitswelten“ erstellt und heute präsentiert.

„Wir befinden uns in einem epochalen Umschwung von einem Industriezeitalter zu einem Hybridzeitalter“, sagte Mei-Pochtler über die neue Arbeitswelt heute Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) im Bundeskanzleramt.

„Wo und wie arbeiten wir in Zukunft, auch was wir arbeiten ändert sich ganz massiv“, erläuterte Mei-Pochtler von „Think Austria“. Österreich sei Top 5 in der Arbeitsproduktivität und damit eines der produktivsten Länder. Allerdings habe sich Österreich seit dem Jahr 2008 hier nicht verbessert, und es gebe einen Höchststand von Langzeitarbeitslosen. „Wir wollen Österreich zum lebenswertesten und sichersten Land im Herzen Europas machen“, sagte sie.

Vom September des vergangenen Jahres bis zum April habe die Stabsstelle mit 40 Unternehmensführern, Vorständen oder Personalchefs über die Zukunftsthemen der Arbeitswelt gesprochen. Dabei seien auch indirekt Erfahrungen der Arbeitnehmerschaft eingeflossen, weil Unternehmen Umfragen unter ihren Beschäftigten gemacht hätten. Digitalisierung, Fachkräfte und Inklusion seien die drei Schwerpunkte, die die Arbeitswelt mittel- und langfristig prägen werden. „Das sind die drei Themen, die wir angehen müssen“, so Mei-Pochtler.

Arbeitswelt wird zunehmend digital

Die Digitalisierung müsse beschleunigt werden. Bei der Digitalisierung gebe es in Österreich zwei Geschwindigkeiten: Einerseits internationale Konzerne, die sehr weit fortgeschritten seien, andererseits österreichische Klein- und Mittelunternehmen, die sich manchmal schwer täten. „Wir müssen den KMUs Unterstützung geben, damit sie das schneller erlernen“, so die Unternehmensberaterin. Dabei gehe es nicht nur um Hardware, sondern auch um Software und entsprechende Fertigkeiten.

Bei Fachkräften gebe es einen „strukturellen Mismatch“. Daher müsse man sich schon jetzt auf eine systematische und verstärkte Gewinnung von jenen Fachkräften vorbereiten, die man in 10, 15 Jahren brauchen werde. Bedingt durch Pensionierungen der starken Babyboom-Jahrgänge werde das Arbeitskräftepotenzial in Österreich schrumpfen. Die Empfehlung der Stabsstelle ist, eine viel granularere Bedarfserfassung zu machen, aufgeschlüsselt nach Ort und Personengruppe. Die Rot-Weiß-Rot-Card, mit der ausländische Fachkräfte Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt bekommen, „muss auf Turbo gesetzt werden“, forderte Mei-Pochtler eine Beschleunigung. Gleichzeitig müsse auch bei Arbeitskräften in Österreich die Bilingualität von Deutsch und Englisch gewährleistet und verbessert werden, auch soziale Teamfähigkeit und lebenslanges Lernen gehöre dazu.

Bei Inklusion gehe es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, aber auch um die Integration von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen am Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen wollten gemeinsame Lösungen mit den Gemeinden für durchgehende Kinderbetreuung finden, gerade in Tourismusorten. Bei der Väterkarenz seien Unternehmen bereit, in Vorleistung zu gehen, sagte Mei-Pochtler. Das Thema der Abgrenzung von Arbeit und Freizeit sei in Zeiten von Homeoffice ebenfalls sehr wichtig, mangelnde Abgrenzung führe zu einer Überlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Daher müsse man Überlastungssyndrome wirklich ernst nehmen und gute Bedingungen für Homeoffice-Arbeiter schaffen.

Von den NEOS kam eine skeptische Reaktion: „Schöne Worte schaffen keine Arbeitsplätze“, meinte NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker. „Es ist gut, wenn die Bundesregierung jetzt erkannt hat, dass Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen und Life long learning wichtig sind“, sagte er nach der Präsentation der Studie. „Aber wer außer der Regierung könnte diesen Erkenntnissen auch Taten folgen lassen – und konkrete geplante Maßnahmen sind die beiden leider schuldig geblieben.“ NEOS hätten schon etliche Vorschläge gemacht, wie man die Qualifizierung und Umschulung besser machen könnte. Bis jetzt habe die Regierung sie leider ignoriert. Auch für die Weiterentwicklung der Rot-Weiß-Rot-Karte setze man sich seit Jahre ein. „Hier braucht es dringend einen Abbau der bürokratischen Hürden, viel zügigere Verfahren und niedrigere Einkommensgrenzen. Weiters plädieren wir für einen Entfall der Arbeitsmarktprüfung in Branchen mit evidentem Fachkräftemangel.“