Trotz 5-Prozent-Inflation keine Abstriche an Fed-Geldpolitik erwartet

16.Juni 2021

Die US-Notenbank Fed wird auf ihrer Zinssitzung am Mittwoch (16. Juni) nach Einschätzung der meisten Analysten trotz eines zuletzt starken Anstiegs der Inflation uneingeschränkt an ihrer extrem lockeren Geldpolitik festhalten.

An den Finanzmärkten wird nicht damit gerechnet, dass die amerikanischen Währungshüter der US Notenbank Fed eine Rückführung der milliardenschweren Anleihekäufe zur Stützung der Wirtschaft in der Corona-Krise signalisieren werden. Auch der Leitzins der amerikanischen Notenbank wird weiterhin auf dem Rekordtief von 0,0 bis 0,25 Prozent erwartet.

Zuletzt war die Teuerung in den USA stärker in den Fokus der Anleger gerückt. Nachdem ein unerwartet starker Anstieg der Inflationsrate im April auf 4,2 Prozent noch für Schockwellen an den Märkten gesorgt hatte, reagierten die Märkten hingegen kaum auf den Anstieg der Inflation auf 5,0 Prozent im Mai. Zuvor hatten verschiedene US-Währungshüter immer wieder deutlich gemacht, dass die Anstieg der Inflation nur vorübergehend sei und vorerst keine geldpolitische Reaktion auf die jüngste Preisentwicklung zu erwarten sei.

Neben der Preisentwicklung hat die US-Notenbank Fed bei ihrer Geldpolitik auch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Blick. Obwohl sich die Lage seit dem Corona-Einbruch bereits stark verbessert hat, liegt die Arbeitslosigkeit immer noch spürbar über dem Vorkrisenniveau.

US-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank hält die jüngsten Daten vom Arbeitsmarkt noch nicht für gut genug, dass die Fed einen baldigen Kursschwenk in ihrer Stellungnahme zur Zinsentscheidung in Aussicht stellt. Er verwies darauf, dass Notenbankpräsident Jerome Powell Anfang April eine „Reihe“ starker Zahlen vom Arbeitsmarkt gefordert hatte.

Fed kauft monatlich Wertpapiere

Immerhin geht der Commerzbank-Experte davon aus, dass die US-Währungshüter zumindest damit beginnen werden, über einen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik zu diskutieren und sprach von „Trippelschritten“ auf dem Weg aus der extrem expansiven Geldpolitik. Derzeit kauft die Notenbank noch monatlich Wertpapiere in einem Volumen von 120 Milliarden US-Dollar zur Stützung der Konjunktur.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Preisentwicklung sehen Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) die US-Notenbanker derzeit auf einer schwierigen Gratwanderung. Auf der einen Seite müssen sie den Marktteilnehmern erklären, warum sie trotz hoher Stimmungswerte in der US-Wirtschaft und einer Inflationsrate von fünf Prozent keine Abstriche an der lockeren Geldpolitik vornehmen wollen. Gleichzeitig gelte es, das Vertrauen der Märkte in die amerikanische Geldpolitik nicht zu gefährden.

Wie die meisten Experten erwarten auch die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen am Mittwoch keine klaren Hinweise auf eine Rückführung der Anleihekäufe (Tapering). Vielmehr dürfte die Fed in ihrer Stellungnahme deutlich machen, dass sich die US-Wirtschaft noch nicht vollständig von Corona-Einbruch erholt habe und noch weiterhin Millionen von Jobs im Vergleich zum Vorkrisenniveau fehlen. (APA/red)