Wifo urgiert Investitionen in Dekarbonisierung

16.Juni 2021

Digitalisierung und der Wandel zu einer CO2-neutralen Wirtschaft gelten als die beiden großen Herausforderungen nach der Covid-19-Pandemie. Das Wifo hat sich die dafür notwendigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen angeschaut.

Mehr Geld für den Breitbandausbau und die Unterstützung von Unternehmen bei der Anwendung von IKT gehören ebenso zu den Empfehlungen des Wifo wie eine Mischung aus Regularien und CO2-Steuern am Weg zur Dekarbonisierung der Wirtschaft.

Die öffentliche Hand sollte gerade im Bereich der CO2-neutralen Wirtschaft beispielgebend vorangehen, empfiehlt das Wifo. Man dürfe nicht vergessen, dass viele notwendige Technologien noch nicht existieren oder erst im Forschungsstadium sind und daher vorerst nicht flächendeckend angewendet werden können. Die Öffentliche Beschaffung sollte als „Lead User“ auftreten und dadurch Demonstrationseffekte schaffen, empfiehlt das Wifo. Das könnte beispielsweise innovative Gebäude oder der Ankauf von emissionsarmen Fahrzeugen bedeuten.

In der Wirtschaft, die neue Ideen umsetzen soll, gebe es unterschiedlich viel Bewusstsein über die Notwendigkeit für den Umbau der Wirtschaft. Energieintensive Sektoren oder die Autoindustrie spüren den Druck bereits und wissen, dass sie sich anpassen müssen, andere wie die Bauwirtschaft im weiteren Sinn seien noch nicht so weit. Weitverbreitet ist bei denen, die die Maßnahmen umsetzen müssen, die Sorge vor den Kosten und vor „gestrandeten Investitionen“, also Projekten, die beendet werden müssten bevor sie sich amortisiert haben.

Dabei sollte die CO2-Reduktion rasch beginnen, denn „in für die CO2-Neutralität wichtigen Branchen sind Investitionshorizonte sehr lang“, so das Wifo. Bei einem Zementwerk sind es etwa 30 Jahre. Derzeit werden häufig neue Technologien und dazugehörige Geschäftsmodelle erarbeitet und die Umsetzung ist für die nächsten 10 bis 15 Jahre realistisch, meint das Wifo.

Dekarbonisierung über Steuern

„CO2-Steuern sind ein Instrument, dessen Verbreiterung tendenziell begrüßt wird. Das Verhältnis von CO2-Steuern und Regulierung zur CO2-Reduktion wird als komplementär gesehen“, heißt es in der Wifo-Studie. Allerdings sollte die CO2-Bilanz eines Produkts sowohl die Emissionen der Produktion als auch des Betriebs und der Recyclings- oder Entsorgungsprozesses berücksichtigten. Das lauft unter dem Motto „Von der Wiege bis zur Bahre“. Zugleich braucht es für die Wirtschaft Planungssicherheit, also einen „vorhersehbaren regulatorischen Rahmen“.

Die Digitalisierung der Wirtschaft ist zwar ein anderer Prozess, kann aber durch Effizienzgewinne und durch die Vermeidung von Verkehr zur CO2-Reduktion beitragen. Eine notwendige Voraussetzung ist der Ausbau der Datennetze – Für „eine Quasi-Vollversorgung mit Glasfaser“ wären 8 Mrd. Euro an Investitionen nötig, vermerkt das Wifo. (APA/red)

Die ganze Studie der AutorInnen Klaus S. Friesenbichler, Werner Hölzl, Angela Köppl und Birgit Meyer ist herunterzuladen unter: http://go.apa.at/SUuvDeTN