Chip-Herstellung in Europa „fast schon verlorene Industrie“

07.Juni 2021

Der Chef des deutschen Halbleiterkonzerns Infineon, Reinhard Ploss, kritisiert die Wettbewerbspolitik der EU. Europa sei bei Chips von Importen aus Asien abhängig.

Europa müsse aber autonom werden und eine „fast schon verlorene Industrie“ wiedergewinnen, forderte Infineon-Boss Ploss am Freitag im Deutschlandfunk zum Thema der lokalen Chip-Herstellung. Ohne diese Kompetenz würden nicht nur Autobauer und Industrie, sondern auch Umwelt- und Kllimaschutz geschwächt. „Aber derzeit verteilen wir sehr, sehr viele Stoppschilder in Europa.“

Die Ungleichheit der Wettbewerbsbedingungen bei der Chip-Herstellung nehme zu. Während China, Japan, Korea und die USA ihre Digitalindustrie förderten und Zusammenarbeit sogar gestalteten, werde in der EU gebremst.

Chip-Herstellung: Mehr Zusammenarbeit

Europa und Deutschland sollten die Zusammenarbeit zwischen Mittelstand und Großindustrie gestalten und unterstützen: Das „könnte unserer Differenzierungfaktor sein“, sagte Ploss. Die in Europa tätigen und noch ansässigen Chiphersteller versuchen seit Jahren der Regierung in Berlin und der Europäischen Kommission in Brüssel klar zu machen, dass Konkurrenten vor allem in Asien, aber auch in Amerika von hohen Fördergeldern ihrer Regierungen profitieren und sich so deutliche Vorteile gegenüber den hiesigen Wettbewerbern verschafft haben. Das hat Europas Chipbranche laut der FAZ vor allen in der Fertigung während der vergangenen anderthalb Jahrzehnte in erheblichen Rückstand geraten lassen.

Auch der Datenschutz müsse pragmatischer gehandhabt werden. Den technischen Rückstand bei Mikrochips aufzuholen, sei eine sehr große Herausforderung. „Wer sich nur hinten reinstellt, der wird wahrscheinlich nicht der Sieger des nächsten Matches sein“, sagte Ploss. In der deutschen Autoindustrie gibt es seit Monaten Kurzarbeit wegen fehlender Chip-Lieferungen. (APA/red)