Employee Experience: 6 Herausforderungen für positive Mitarbeitererlebnisse

01.Juni 2021

Trotz Fachkräftemangel legen Arbeitgebermarken noch keinen ausreichenden Fokus auf die Employee Experience ihrer Mitarbeiter. Das zeigt eine Umfrage der Employer Branding Agentur identifire mit der Job-Plattform StepStone.

Die positive Nachricht für Employee Experience (EX): Unternehmen wärmen sich schon für das Thema auf und identifizieren es als wichtigen Hebel für nachhaltige Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit. 95 Prozent der Befragten glauben, dass die Bedeutung von Employee Experience in den nächsten 3 bis 5 Jahren (sehr) hoch sein wird. „Eine einzigartige Experience wird in den nächsten Jahren zum Wettbewerbsvorteil und fixen Bestandteil einer attraktiven Arbeitgebermarke“, sagt Karin Krobath, Partnerin von identifire. „Wer jetzt nicht Anlauf nimmt, wird in 3 Jahren dem Mitbewerb hoffnungslos nachhinken.“ Auf diese Hürde steuern 37 Prozent direkt zu – EX hat in ihren Unternehmen heute noch einen (sehr) niedrigen Stellenwert.

22 Prozent der Topmanager sind heute überzeugt, dass ihr Betrieb dem Mitarbeitererlebnis sehr hohe Beachtung schenkt. Diese Einschätzung teilen Personalisten nur zu 7 Prozent und Kommunikationsfachleute zu 10 Prozent. Diese Diskrepanz ist leicht zu erklären. Während die Unternehmensspitze mit Adlerblick auf Mitarbeiterthemen schaut, stehen Personalisten und Kommunikationsfachkräfte knietief in den Mühen der Ebene. Sie kämpfen mit geringen Budgets, mangelnder Akzeptanz und zu wenig Ressourcen.

Herausforderung Hürdenlauf

„Die Studienergebnisse zeigen, wie schwierig es nach wie vor ist, mitarbeiterzentrierte Themen intern zu argumentieren“, erklärt Melanie Adam-Fischer, Juniorpartnerin von identifire. „Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Change auf der Tagesordnung steht und interne Prioritäten oft verschoben werden.“ 150 offene Antworten zeigen die 6 größten Herausforderungen für einen gelungenen Startschuss von Employee Experience im eigenen Unternehmen:

  1. Zu wenig Ressourcen und Budget: Employee Experience braucht einen fixen Platz in der Personalstrategie.
  2. Corona und Begleiterscheinungen: Wenig persönlicher Kontakt, keine sozialen Events und Corona an sich sind nach wie vor Herausforderungen.
  3. Change und Transformationen als Fokusthemen: Massive Umstrukturierungen, Führungswechsel und Change-Prozesse belasten zusätzlich. Die strategische Gestaltung der Employee Experience steht hinten an.
  4. HR als Dirigentin aller Abteilungen: EX kann nicht von einer Fachabteilung gemacht werden, sondern entsteht in der Wahrnehmung der Menschen. Human Resources muss viele Abteilungen orchestrieren, damit das Gesamterlebnis stimmt.
  5. Überzeugungsarbeit für Investitionen: Führungsetagen erkennen oft nicht, dass sich Employee Experience tatsächlich auszahlt. Das Etablieren des Themas braucht Zeit und smarte KPIs.
  6. Employee Experience ist Chefsache: Führungskräfte sind hauptverantwortlich für positive Erlebnisse über Abteilungsgrenzen hinweg. Hier braucht es ein breites Bewusstsein.

Employee Experience: Perspektivenwechsel gefragt

„Wer gute Leute halten will, tut gut daran, ihnen positive Erfahrungen im Job zu ermöglichen. Dazu muss ich aber auch darauf eingehen und hinterfragen, was sie brauchen. Eine positive Candidate Experience kann hier maßgeblich zu besseren Bewerbungen beitragen“, rät Corina Drucker, Co-Studienleiterin und Pressesprecherin StepStone Österreich.

Bei 57 Prozent können Mitarbeiter beim Weiterbildungsangebot mitbestimmen. Co-Creation-Workshops finden zu 40 Prozent statt. 32 Prozent holen sich die Meinung der Betroffenen bei HR-Prozessen und Self-Service-Angeboten. Ein Viertel der Betriebe gestaltet Mitarbeitererlebnisse ohne Mitarbeiterpartizipation.

Lebensphasen vertragen mehr Aufmerksamkeit

Bei genauem Blick auf die Lebensphasen und -realitäten der Mitarbeiter steckt ungenütztes Potenzial für viele WOW-Momente. Bindung passiert immer dann, wenn sich Menschen unterstützt fühlen.

Ein Thema mit Potenzial für Mitarbeiterbindung ist Ehrenamt. Nur ein Viertel der Betriebe fördern ehrenamtliche Arbeit durch zeitliche Unterstützung oder Teilzeit-Jobs. „Hier sehen wir eine einfache Chance für periodische WOW-Momente und eine Win-Win-Situation für beide Seiten: Einzelpersonen müssen für das Ehrenamt keine Urlaubstage opfern, und das Unternehmensimage profitiert vom gesellschaftlichen Engagement der Mitarbeiter“, so Karin Krobath.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.